5 Formel 1

Vor einem Jahr ist Niki Lauda gestorben. © APA / ERWIN SCHERIAU

Die Leere nach Lauda: Formel 1 ohne Herz und Seele

Vor einem Jahr ist die österreichische Formel-1-Legende Niki Lauda gestorben. Der Mann mit der roten Kappe hat im Rennsport ein Vakuum hinterlassen.

Erinnerungen an seinen Freund Niki Lauda trägt Toto Wolff stets bei sich. Der Teamchef von Serienchampion Mercedes hat auf seinem Mobiltelefon noch immer Textnachrichten von Lauda gespeichert. Manchmal ruft Wolff sie ab und liest sie. „Wir haben Herz und Seele der Formel 1 verloren“, sagte er nach dem Tod seines österreichischen Landsmanns am 20. Mai 2019 und ergänzte: „Ich vermisse ihn als Sparringspartner, aber vor allem als Freund.“

Zwei Größen unter sich: Alain Prost (links) und Niki Lauda. © APA/afp / GERARD FOUET

Lauda, der Mann mit der roten Kappe, war eine Formel-1-Ikone. Trotz schwerer Verbrennungen und einer verätzten Lunge überstand er am 1. August 1976 wie durch ein Wunder einen Horrorunfall auf dem Nürburgring. Im Krankenhaus gab dem Weltmeister ein Priester damals schon die letzte Ölung. „Ich wollte aber nicht sterben, ich wollte weiterleben“, betonte Lauda nach dem Flammeninferno auf der Nordschleife. Bilder der Tragödie haben sich längst im kollektiven Gedächtnis festgesetzt.

Nur 42 Tage später saß er in Monza wieder im Rennwagen und wurde Vierter. „Wie kann der Depperte wieder fahren, wenn er gerade verbrannt ist?“, fragte Lauda einmal stellvertretend für alle Kritiker und Zweifler. „Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheim zu sitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist.“
Spenderlunge und Tod von Niki Lauda
Im August 2018 erhielt einer der größten Rennfahrer der Geschichte eine Spenderlunge, nachdem sich sein Zustand dramatisch verschlechtert hatte. In der Universitätsklinik in Zürich schlief Lauda im Mai 2019 friedlich ein. Im Wiener Stephansdom erwiesen dann Hunderte dem Nationalhelden Österreichs die letzte Ehre.

Im Stephansdom wurde Niki Lauda die letzte Ehre erwiesen. © APA/afp / JOE KLAMAR

Lauda hat ein Vakuum in der Formel 1 hinterlassen, die so dringend Charakterköpfe benötigt, die auch die Brücke zu einer längst vergangenen Motorsportzeit schlagen. Lauda hat auch ein Vakuum bei Mercedes hinterlassen – nicht zuletzt emotional. Sein Posten im Aufsichtsrat wurde zwar obligatorisch nachbesetzt, und seine Teamanteile gingen an den Konzern zurück – aber Lauda fehlt den Silberpfeilen als Korrektiv, als Kompass, als Kamerad.

Autor: cst/dpa

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