5 Formel 1

Charles Leclerc ist an diesem Wochenende in Gelb gekleidet. © APA/afp / MIGUEL MEDINA

Ein Ferrari-Heimspiel in Gelb

Ferrari will wieder ein besonderes Zeichen setzen zum Heimrennen. Die Rote Göttin trägt auch ein bisschen Gelb.

In Anlehnung an Enzo Ferrari, der die Marke vor 75 Jahren gründete, und dessen Heimat Modena. Pathos, Leidenschaft, Rennsportbegeisterung – kaum woanders ist das so spürbar wie in Monza auf dem Autodromo Nazionale. „Für mich ist es pure Freude“, sagte Charles Leclerc am Donnerstag mit Blick auf die Tifosi, während die Haupttribüne mit den ersten Fahnen und Bannern weiter geschmückt wurde: „Ich nehme es mehr als Motivation denn als zusätzlichen Druck.“


Am Wochenende werden die Ränge voll besetzt sein, die meisten Fans werden rot tragen. Ferrari rot. Doch der Rennstall steckt auch viele Jahre nach den großen Zeiten von und mit Michael Schumacher in der Dauerschleife des Scheiterns.“ Fernando Alonso schaffte es als zweimaliger Weltmeister in fünf Jahren nicht. Sebastian Vettel schaffte es als viermaliger Weltmeister in sechs Jahren nicht. Und Leclerc versucht es nun im vierten Jahr – und wird es wieder nicht schaffen.

Anfangseuphorie verflogen
Dabei fing in dieser Saison alles so vielversprechend an. Das innovative Konzept des neuen Ferrari sah nicht nur beeindruckend aus, auf der Strecke bei den Testfahrten überzeugte der aggressiv wirkende Ferrari auf Anhieb. Und dann auch noch der Sieg zum Auftakt in Bahrain von Leclerc, verfeinert durch Carlos Sainz' zweiten Platz.

„Das lange Leiden der Scuderia hat ein Ende“, schrieb der Schweizer „Blick“ damals. 910 Tage hatte es gedauert, bis Ferrari wieder einen Grand-Prix-Sieger bejubeln durfte. „Zwei Jahre im Fegefeuer, um jetzt wieder die Sterne sehen zu können“, dichtete „La Gazzetta dello Sport“: „Rote Euphorie. Es ist keine Fata Morgana in der Wüste. Es ist alles wahr.“

Probleme mit Boxenstopps und der Strategie: Das Ferrari-Team gibt auch heuer keine gute Figur ab. © APA/afp / CHRISTIAN BRUNA


Die Wahrheit ein knappes halbes Jahr später klingt anders, die Tifosi sind enttäuscht und sie sind wütend. „Ferrari ist ein großartiges Auto, aber Ferrari verwaltet es miserabel“, schrieb die „Corriere dello Sport“ jüngst. Taktikfehler, Boxenstopp-Patzer und vieles mehr, die Liste der Unzulänglichkeiten ist lang. In einem Duell mit Red Bull und Max Verstappen, die nahe am Perfektionismus sind, viel zu lang, während bei Ferrari praktisch alles schief geht, was mal schief gehen kann. Kürzlich machten im Netz auch noch Fotos die Runde von einem Ferrari-Truck, dessen Bremsen auf dem Weg von Zandvoort nach Monza Feuer gefangen hatten und gelöscht werden mussten.
„Wir müssen ehrlich sein, auf dem Papier ist das nicht unsere beste Strecke.“ Charles Leclerc über Monza

Hinzu kommt, dass der einst als schnellstes Auto im Feld angesehene F1-75 das Prädikat fast genau so schnell wieder verloren hat. Warum auch immer. „Bei Ferrari herrscht nun die Angst, nach Monza zu fahren, zum letzten Rennen in Europa, und sich dort noch langsamer wiederzufinden, denn das Autodromo Nazionale wird das Heimrennen sein, aber auch eine verflucht schwierige Strecke für den F1-75“, schrieb „La Stampa“. Und selbst Leclerc kann wenig Zuversicht verbreiten: „Wir müssen ehrlich sein, auf dem Papier ist das nicht unsere beste Strecke.“ Mit 109 Punkten Rückstand im WM-Klassement hat er eh nur noch eine rechnerische Chance auf den Titel.
Die Chronik des Scheiterns
Praktisch seit dem Ende der ruhmreichen Ära mit Michael Schumacher stürzt die Scuderia ihre Fans Jahr um Jahr mehr ins Leid. Der Titel 2007 von Räikkönen war vor allem das Ergebnis einer unfassbar bitterbösen Fehde zwischen den damaligen McLaren-Teamkollegen Lewis Hamilton und Alonso. Doch selbst diesen Titel mit eingerechnet, liest sich die Bilanz seit über einem halben Jahrhundert erschreckend. 1979 gewann Jody Scheckter die WM, es folgten über zwei Jahrzehnte ohne Fahrertitel. 2000 war es soweit, als Michael Schumacher seine Ära startete. Alles war gut in Maranello, der deutsche Perfektionist am Steuer, der Franzose Jean Todt mit Spitzname „Der General“ als Teamchef, das manchmal stoisch wirkende britische Technik-Genie Ross Brawn rundete der Trio mit Erfolgsgarantie ab.

Die Werbetafel von Ferrari in Monza. © APA/afp / MIGUEL MEDINA


Nach Schumachers fünftem Titel 2004 ließ Räikkönens Triumph drei Jahre später die Tifosi noch mal jubeln. Danach scheiterte unter anderem Alonso im Ferrari an Sebastian Vettel zu dessen Glanzzeiten bei Red Bull. Es scheiterte Vettel im Ferrari an Lewis Hamilton im Mercedes. Es scheiterte Leclerc an Verstappen, und vor allem an Ferrari selbst. „Wir halten zusammen“, betonte der Monegasse am Donnerstag aber nochmal inständig.

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