5 Formel 1

Ein roter Bolide in Imola: Ferrari steht sinnbildlich für die Faszination des traditionsreichen Formel-1-Ortes. © APA/afp / MIGUEL MEDINA

Faszination Imola: Das macht den GP so besonders

Vom Gesicht von Ayrton Senna hängen Spinnweben herab. Sonnenstrahlen brechen durch die Wolkendecke über Imola und scheinen auf die Bronzestatue. Am Zaun außerhalb der berüchtigten Tamburello-Kurve hängen verblichene Fotos der brasilianischen Formel-1-Ikone. Die Farben verblassen immer mehr. Dennoch bleibt das Denkmal Sennas eine Pilgerstätte für Fans.

Die Formel 1 hat sich im vergangenen Jahr, als die Corona-Pandemie auch den Rennkalender so schonungslos durcheinanderwirbelte, an fast schon vergessene Kurse zurückerinnert. Mugello war zum Beispiel so eine Strecke, auch der Nürburgring. Im Notkalender fand dann nach 14 Jahren Abwesenheit auch Imola Platz.


Jener Kurs, der auf Betreiben einer anderen Ikone, Enzo Ferrari, ab 1950 gebaut wurde. Das erste Rennen fand drei Jahre später statt. Als „kleinen Nürburgring“ bezeichnete Ferrari die Rennstrecke, die ab 1988 seinen und den Namen seines früh an einer Krankheit gestorbenen Sohnes Dino trug.

Michael Schumacher (ein Bild vom Jahr 1998) ist der Rekordgewinner in Imola. © APA


Schmerz und Abschied liegen in Imola dicht beieinander – aber auch Begeisterung und Aufbruch. „Immer wenn wir früher morgens hier ankamen, um uns auf das Rennen vorzubereiten, sah man auf dem Hügel hinter der Rivazza-Kurve eine Wand aus Tifosi. Zu wissen, dass die meisten von ihnen schon die ganze Nacht dort waren, gab uns immer einen riesigen Energieschub“, erzählte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto an diesem Grand-Prix-Wochenende.
„Was willst du noch beweisen?“
Rennarzt Sid Walkins zu Ayrton Senna

Binotto war als Motoreningenieur an Michael Schumachers Titelserie bei Ferrari von 2000 bis 2004 beteiligt. Der Deusche ist mit sieben Siegen Rekordgewinner auf dem Kurs, der die Fahrer noch immer begeistert. „Ich liebe sie, sie ist eine technische Strecke mit vielen schnellen Kurven, die es einem erlauben, in einen Rhythmus zu kommen“, schwärmte Alpha-Tauri-Pilot Pierre Gasly, „und es gibt keine Verschnaufpause, weil sie ziemlich kurvig ist.“
1994: Das schwarze Wochenende von Imola
Eine dieser Kurven ist die Tamburello, wo Senna sein Leben verlor. Es war ein schwarzes Wochenende im Frühjahr 1994, als zunächst Sennas Landsmann Rubens Barrichello einen schweren Crash noch überstand, dann aber der Österreicher Roland Ratzenberger sein Leben ließ.

Ayrton Senna im April 1994: Wenige Tage später verunglückte der Brasilianer in Imola tödlich. © AFP / TORU YAMANAKA

Senna, diese Lichtgestalt, dieser dreimalige Weltmeister, war schwer getroffen. Dennvoch setzte er sich am Rennsonntag am 1. Mai in seinen Williams. „Was willst du noch beweisen?“, hat der damalige Rennarzt Sid Watkins Senna nach eigener Schilderung vor dem Erlöschen der Roten Ampeln gefragt und damit zum sofortigen Rücktritt überreden wollen.

Der Mann, dem sogar die Chance zum Präsidentenamt in Brasilien zugetraut wurde, startete dennoch, verunglückte in der Tamburello und starb. „Wir haben wahrscheinlich das kostbarste Talent in der Geschichte der Formel 1 verloren“, sagte Carlos Sainz.

Dieser schmale Kurs, der einer Berg- und Talfahrt gleicht und nach diesen tragischen Tagen entschärft wurde, ist immer noch gefährlich. Geschichte, Umgebung und Rhythmus beeindrucken die Fahrer auch heute noch. Und darum geht es doch im Rennsport, oder?

Schlagwörter: Motorsport

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