5 Formel 1

Da geht's lang: Charles Leclerc weiß genau, was er will. © APA/afp / ANDREJ ISAKOVIC

Leclerc läuft Vettel den Rang ab: Das Reife(n)zeugnis aus Monza

Bei Ferrari steht ein interner Machtwechsel bevor: Die Ära von Sebastian Vettel scheint unaufhaltsam dem Ende zuzugehen. Sein Nachfolger steht bereit. Was passierte in Monza sonst noch so?

SEBASTIAN VETTEL: Sebastian Vettel und Ferrari - lange war das eine erfolgversprechende und funktionierende Ehe, die ihre Höhen hatte und so manche Krise überstand. Monza 2019 jedoch könnte die eine Enttäuschung zu viel sein, die das Verhältnis des viermaligen Weltmeisters zur ruhmreichen Scuderia nachhaltig beschädigt hat. Ausgerechnet im Heimrennen versagten Vettel - mal wieder - die Nerven.

Droht bei Ferrari die Nummer zwei zu werden: Sebastian Vettel. © ANSA / Daniel Dal Zennaro

Er schmiss nicht nur sein eigenes Rennen durch den selbstverschuldeten Dreher weg, er riskierte auch den Erfolg von Charles Leclerc, dem er anders als in Spa keine Hilfestellung geben konnte. Wie viel Kredit hat Vettel noch? Nach außen verteidigte Teamchef Mattia Binotto den Deutschen. Dennoch dürfte ihm Leclerc intern den Rang abgelaufen haben. Monza war eine Wachablösung. Vettels Vertrag bei den Roten läuft bis 2020. Derzeit weckt er nicht den Eindruck, diesen zwingend erfüllen zu wollen.

CHARLES LECLERC: Anders als Vettel hielt Leclerc dem Druck stand. Es ist erstaunlich, wie cool und abgezockt ein 21-Jähriger in seinem ersten Jahr bei Ferrari auf der Strecke agiert. Er stand unter dem Dauerfeuer der Silberpfeile, parierte die steten Angriffe von Weltmeister Lewis Hamilton und später auch die von Valtteri Bottas. Leclerc fuhr die Ellbogen aus, kämpfte mit harten Bandagen am Rande der Legalität, konnte aber auf Milde der Stewards bauen. Monza, sagte Leclerc im Anschluss, sei sein erstes Formel-1-Rennen gewesen, in dem er nur an den Sieg dachte. Womöglich agierte er bei der Qualifying-Posse auch deshalb zu zögerlich. Vettel Windschatten und eine schnelle Runde im Q3 zu ermöglichen, wäre durchaus möglich gewesen. Am Ende schadete Leclerc, der in Italien stets den Teamgeist beschwor, ein bisschen Egoismus aber nicht.

Ungewohntes Bild: Die Mercedes-Piloten Valtteri Bottas (links) und Lewis Hamilton (rechts) flankieren den siegreichen Charles Leclerc (Ferrari). © APA/afp / ANDREJ ISAKOVIC


LEWIS HAMILTON:
Der Brite tat sein Möglichstes, um Leclercs Triumph und die Ferrari-Feierlichkeiten zu verhindern. Letztlich musste sich der Weltmeister der Widerspenstigkeit Leclercs und schlechter werdenden Reifen beugen. Er konnte das Wochenende aber dennoch als Erfolg verbuchen. 63 Punkte liegt Hamilton in der WM-Wertung vor seinem Teamkollegen Bottas, der Zweiter wurde. Noch sind sieben Rennen zu fahren und reichlich Punkte zu vergeben. Der sechste WM-Titel rückt dennoch näher.

NICO HÜLKENBERG UND RENAULT: Es ist nicht so, dass sich Nico Hülkenberg um seine berufliche Zukunft sorgen muss. Wer sich aber nach eigener Aussage in Gesprächen über einen Vertrag bei einem neuen Formel-1-Team befindet, stärkt mit Leistungen wie in Monza seine Position. „Hülk“ erzielte als Fünfter sein bislang bestes Saisonergebnis. Einziger Wermutstropfen: Das verlorene Duell mit seinem Renault-Teamkollegen Daniel Ricciardo. Dass beide auch im kommenden Jahr gegeneinander antreten werden, ist nochmals wahrscheinlicher geworden. Das Haas-Team schwankt bei der Besetzung eines seiner Cockpits zwischen Hülkenberg und Stammpilot Romain Grosjean. Der belegte in Monza den 16. Rang. Das Pendel dürfte in Richtung des Deutschen ausschlagen.

MAX VERSTAPPEN: Ja, auch Max Verstappen nahm am Rennen teil, dieses Mal aber in der ungewohnten Nebenrolle. Eine Strafe versetzte den Red-Bull-Star auf den 19. Startplatz, ein früher Wechsel des Frontflügels warf ihn abermals zurück. Und doch schaffte es der Niederländer als Achter wieder in die Punkte. Wenn die Formel 1 in zwei Wochen in Singapur Station macht, ist von Verstappen wieder mehr zu erwarten.

SPRUCH DES WOCHENENDES: „Was das für die Situation im Team bedeutet, ist mir eigentlich erst mal egal.“
(Sebastian Vettel über die Wachablösung bei Ferrari)

Autor: sid

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