5 Formel 1

Michael Schumacher: Vor 30 Jahren begann eine einzigartige Karriere. © AFP / PATRICK HERTZOG

„Schumacher, wer?“: Vor 30 Jahren begann eine einzigartige Karriere

Vielleicht hätte Michael Schumacher gleich sein erstes Rennen in der Formel 1 gewonnen. Doch es kam anders. Am 25. August 1991 nahm eine ganz besondere Karriere in Spa-Francorchamps ihren Anfang.

Alles begann in einer kargen Bleibe mit zwei schmalen Einzelbetten in der belgischen Provinz. Für 32 Euro ließ sich in der Auberge Francopole bis zuletzt ein Zimmer mieten, um selbst zu erleben, wie das für Michael Schumacher vor genau 30 Jahren wohl gewesen sein muss. Vier Nächte verbrachte der spätere Formel-1-Rekordweltmeister und Held einer ganzen Generation in dieser Jugendherberge, bevor er am 25. August 1991 in Spa-Francorchamps seinen ersten Grand Prix fuhr. Dieser endete schon nach 500 Metern, trotzdem war es der denkwürdige Start einer einmaligen Karriere.


Und diese begann mit einer Notlüge. Schumachers Manager Willi Weber erzählte Teamchef Eddie Jordan zwar, dass der damals 22-Jährige den legendären Kurs in den Ardennen bestens kenne. Doch das stimmte gar nicht. „Aus diesem Grund schnappte ich mir ein Fahrrad, um dort ein paar Runden zu fahren und ich erkannte gleich, welch fantastische Strecke dies ist“, sagte Schumacher später.

In Spa fühlte sich Schumi pudelwohl. © AFP / PATRICK HERTZOG


Nur mit diesem Trick und viel Überzeugungsarbeit durch Weber, der sich nach Problemen mit einer Hotelbuchung das triste Zimmer Nummer vier im Hostel mit seinem Schützling teilte, bekam der Kerpener das Cockpit von Bertrand Gachot. Der Franzose musste wegen einer Attacke mit Reizgas auf einen Taxifahrer in London kurzfristig ins Gefängnis.
Lieblingsstrecke Spa
„Schumacher, wer?“, soll der charismatische Jordan gefragt haben, als Weber den Deutschen als Ersatzmann vorschlug. Doch Schumacher konnte mit seiner unvergleichlichen Fahrweise bei einem Test in Silverstone überzeugen und durfte in Spa hinter das Lenkrad des Jordan 191. „Ich habe meine Chance bekommen, und die habe ich genutzt“, sagte Schumacher. „Ich habe von der Formel 1 geträumt, aber ich habe mir nie vorstellen können, dass es wirklich klappen sollte.“

Im Qualifying raste er gleich sensationell auf Rang sieben und es wurde gemutmaßt, dass er gleich sein erstes Rennen gewonnen hätte, wenn ihn nicht ein Schaden an der Kupplung noch auf dem ersten Kilometer ausgebremst hätte. Und so gewann er erst ein Jahr später. Natürlich in Spa, auf der Strecke, auf der er wie kein anderer sein Können zeigte. Sechs seiner insgesamt 91 Karriere-Siege feierte er in Belgien. Der siebenmalige Weltmeister liebte den hügeligen Kurs mit der legendären Bergauf-Mutkurve Eau Rouge, der eigentlich überhaupt nichts für Anfänger ist.
Defekte Stoppuhr oder einfach nur zu gut?
„Michael war die eindrucksvollste Person, die je ein Debüt in einem meiner Autos gegeben hat. Es stellte sich eine Frage: entweder war die Stoppuhr defekt oder dieser Junge war verdammt gut“, sagte Jordan Jahre später. Schumacher blieb nur ein Rennen bei ihm und wechselte dann zu Benetton, sein Bruder Ralf absolvierte später 33 Grand Prix für den Rennstall des schillernden Iren.

Eine der größten Sportlerkarrieren der Geschichte: Michael Schumacher. © AFP / DENIS CHARLET


„An dieses Auto werde ich mich immer erinnern, das ist klar“, sagte Michael Schumacher einmal über seinen Debüt-Wagen. Dieser stand gerade beim britischen Autohändler Speedmaster zum Verkauf: 1,45 Millionen Euro kostete der grün-blaue Flitzer, der im Vergleich zu heutigen Formel-1-Boliden eher an eine kleine Seifenkiste erinnert.
Die Öffentlichkeit weiß nicht, wie es ihm geht
Schumachers Sohn Mick fuhr das Auto jüngst in Silverstone und postete stolz ein Foto davon bei Social Media. Der 22-Jährige eifert seinem Vater nach, ist in seiner Premierensaison zwar noch ohne WM-Punkte, hat beim unterlegenen US-Rennstall Haas aber ein gelungenes Debüt hingelegt. Er tritt am Sonntag (15.10 Uhr) zum ersten Mal in einem Formel-1-Boliden in Spa-Francorchamps an.

Vater Michael wird dann nicht an der Strecke sein. Er hatte bei einem fatalen Skiunfall 2013 ein schweres Schädelhirntrauma erlitten und tagelang um sein Leben gekämpft. Noch heute leidet Schumi an den Folgen, Details über seinen Gesundheitszustand sind nicht bekannt.

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