5 Formel 1

Für Sebastian Vettel endete am Sonntag eine lange Durchstrecke. © APA/afp / TOLGA BOZOGLU

Vettel erleichtert, Leclerc schäumt vor Wut

Nach seinem 1. Podiumsplatz im Jahr 2020 war Sebastian Vettel sichtlich erleichtert. Bei Teamkollege Charles Leclerc war die Laune dagegen alles andere als gut.

Der vierfache Weltmeister Vettel hat am Sonntag als 3. in Istanbul seinen 1. Podestplatz seit Rang zwei am 27. Oktober 2019 in Mexico City geschafft. „Natürlich ist es schön nach der langen Durststrecke“, sagte der in dieser Saison mit Ferrari meistens weit hinterher fahrende Deutsche.

Der 121. Podiumsplatz seiner Karriere dürfte dem früheren Red-Bull-Dominator ungeachtet von 53 Grand-Prix-Siegen und 4 WM-Titeln in Erinnerung bleiben. Denn im viertletzten Rennen seiner missglückten Mission bei Ferrari nutzte Vettel einen Fahrfehler seines Teamkollegen Charles Leclerc auf den letzten Metern. Kurz vor der Zielflagge schob er sich noch auf Rang 3 vor, während sich Leclerc am Ende mit Rang 4 zufrieden geben musste. Für seine Aufholjagd von Startrang 11 wurde Vettel von den Fans zum Fahrer des Tages gewählt.

Leclerc (im Bild) musste sich am Sonntag seinem Teamkollegen geschlagen geben. © APA/afp / TOLGA BOZOGLU


„Ich habe einen Scheißjob gemacht“
Charles Leclerc

Leclerc regte sich nach seinem Fehler in der letzten Kurve massiv über sich selbst auf. Nach der Zieleinfahrt fluchte er via Boxenfunk auf Englisch: „Ich habe einen Scheißjob gemacht. Es tut mir leid für das Team. Ich bin so dumm.“ Anschließend schob der Monegasse, der sich selbst als „Arschloch“ betitelte, fair nach: „Gratulation an Seb. Er hat es verdient. Es war kein leichtes Jahr für ihn, ich hoffe er kann das jetzt genießen.“
Vettel zeigt Verständnis für Leclerc
Vettel zeigte anschließend Verständnis für den Ausraster seines Teamkollegen: „Es ist gut, dass er sich ärgert, denn er hat einen Fehler gemacht und das Podium verloren. Es war ein hartes Rennen. Jeder von uns hätte das Auto bei dieser nassen Strecke ein paar Mal verlieren können. Aber es tut natürlich doppelt weh, wenn es in der letzten Runde passiert.“

„Er ist ein guter Junge“
Sebastian Vettel über Charles Leclerc

In der WM-Wertung liegt der Monegasse (Platz 5) übrigens mit 97 Zählern satte 64 Punkte vor Vettel (Platz 13). Trotzdem scheinen sich die beiden heuer besser zu verstehen als im letzten Jahr, als es viel häufiger zu Reibereien kam. Vielleicht auch deshalb, weil Vettel mit dem jetzigen Ferrari – im Gegensatz zu Leclerc – fast nie vorne mitmischen konnte. „Ich freue mich über alles, was er (Leclerc Anm. d. Red.) erreicht und noch erreichen wird, denn er ist ein guter Junge“, sagte Vettel nach dem Rennen in Istanbul.
Vettel stichelt gegen Binotto
Eine kleine Spitze gegen Ferrari-Teamchef Mattio Binotto konnte sich Vettel dagegen nicht verkneifen. Bekanntlich soll Vettel zum Italiener, der am Wochenende in der Türkei nicht dabei war, nicht das allerbeste Verhältnis pflegen. „Ich glaube, wir haben mehr Punkte gesammelt als bei jedem anderen Rennen in diesem Jahr - und das ausgerechnet, wenn Mattia nicht da ist“, witzelte der 33-Jährige.
Eine Seuchensaison für Vettel und Ferrari
In der Konstrukteurswertung liegt Ferrari übrigens immer noch auf Rang 6 – und damit hinter Racing Point, McLaren und Renault. Das wäre vor der Saison nur schwer vorstellbar gewesen. Für Vettel war Platz 3 auch das mit Abstand beste Resultat in diesem Jahr. Platz 6 hatte er in Ungarn geschafft, Platz 7 in Spanien, dazu kamen noch vier 10. Plätze.

Vettel (rechts) löst im nächsten Jahr Sergio Perez bei Racing Point ab. © APA/afp / KENAN ASYALI


„Ich habe nicht daran gezweifelt, dass ich noch immer ein gutes Ergebnis einfahren kann“
Sebastian Vettel

Eine Bilanz das Schreckens für einen, der mit Ferrari eine Ära hatte starten wollen, wie es einst sein großes Idol Michael Schumacher mit der Scuderia geschafft hatte. Eigene Fehler, Patzer vom Team, dazu ein Auto, das vor allem mit dem Mercedes einfach nicht mithalten kann. Aber eines nicht: „Ich habe nicht daran gezweifelt, dass ich noch immer ein gutes Ergebnis einfahren kann.“

Beflügelt will Vettel nun auch noch in den letzten 3 Rennen für Ferrari „alles aus dem Auto rausquetschen, was man nur rausquetschen kann“. Es soll auf der Zielgerade ein Abschied mit Würde werden, ehe er im kommenden Jahr für Aston Martin (aktuell Racing Point) neu durchstarten will.

Autor: dl

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