5 Formel 1

Betrübte Miene: Für Charles Leclerc und Ferrari läuft es nicht nach Wunsch. © APA/afp / HAMAD I MOHAMMED

Von Holper-Autos bis Ferrari-Krise: Das wartet beim Kanada-Rennen

Die Formel 1 gönnt sich und den ramponierten Rücken ihrer Fahrer keine Pause. Nur eine Woche nach dem Rennen in Aserbaidschan steht am Sonntag (20 Uhr) rund 9.000 Kilometer Luftlinie entfernt schon der neunte Saisonlauf in Kanada an.

Mit Rückenwind und als WM-Führender kam Weltmeister Max Verstappen nach Montreal. Die Debatte um gesundheitsschädliche Auswirkungen der hüpfenden Autos geht indes weiter. Am Donnerstag schritt der Weltverband FIA ein.


Laut einer Mitteilung wird „im Interesse der Sicherheit“ von den Rennställen verlangt, „dieses Phänomen zu reduzieren oder zu beseitigen“. Diese Entscheidung sei nach Rücksprache mit den Ärzten gefallen. Die Teams sollen dafür nun „die notwendigen Anpassungen“ vornehmen. Neben kurzfristigen technischen Maßnahmen an den Autos wird die FIA außerdem ein Treffen mit den Teams einberufen, um weitere Schritte zu definieren, die dafür sorgen, dass die Probleme dauerhaft nicht mehr auftreten können.

„In einer Sportart, in der die Teilnehmer routinemäßig mit Geschwindigkeiten von über 300 km/h fahren, wird davon ausgegangen, dass die gesamte Konzentration eines Fahrers auf diese Aufgabe gerichtet sein muss“, hieß es. Übermäßige Ermüdung oder Schmerzen eines Fahrers könnten erhebliche Folgen haben. Darüber hinaus habe die FIA „Bedenken hinsichtlich der unmittelbaren körperlichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Fahrer“.

Lewis Hamilton fährt in seinem Mercedes bislang hinterher. © ANSA / ALI HAIDER


Vor allem Ex-Weltmeister Lewis Hamilton kletterte zuletzt gezeichnet aus seinem Cockpit. Mercedes-Teamchef Toto Wolff äußerte nach dem Aserbaidschan-Rennen sogar Bedenken bezüglich eines Kanada-Einsatzes, doch sein Star schloss eine Pause aus. Und bekam Rückendeckung von einem offenbar einsichtigen Team. Man habe die Setup-Einstellungen in Hamiltons Auto in Aserbaidschan zu weit getrieben, meinte Chefstratege James Vowles. „Wir haben jetzt die Verantwortung dafür zu sorgen, dass das nicht so weitergeht.“

Tatsächlich formulieren immer mehr Piloten ihre gesundheitlichen Bedenken, die wohl auf das unkontrollierbare Heben und Senken der Autos auf den Geraden (Bouncing) in dieser Saison zurückzuführen sind. „Die Fahrer haben die Köpfe zusammengesteckt und bis auf einen alle gesagt, dass es ein Problem ist“, sagte zuletzt Wolff. Nur Fernando Alonso macht sich demnach nichts aus dem heftigen Rütteln, das eine Begleiterscheinung der neuen Aerodynamik-Regeln ist.
Wie reagiert die FIA?
Zu hören war zuletzt davon, dass die FIA etwa eine Mindestbodenhöhe vorschreiben könnte. Davon hält Christian Horner naturgemäß nichts. „Es wäre unfair, die zu bestrafen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben“, sagte der Red-Bull-Teamchef. Die anderen Teams könnten ja, so Horner, „eine dickere Bodenplatte draufschrauben, wenn sie wollen, oder das Auto anheben“.

Fünf Rennen in Serie hat das Red-Bull-Team zuletzt gewonnen, gleich vier dieser Siege hat Verstappen eingefahren. Während die Bullen also im Hoch sind, geht Ferrari mit einer Pannenserie ins Kanada-Comeback nach drei Jahren Pause. Der Doppel-Ausfall beim Rennen in Baku markierte den vorläufigen Tiefpunkt der jüngsten Formkrise bei der Scuderia.
„Es tut weh, aber ich gebe nie auf!“ Charles Leclerc

Viermal nacheinander stellte Charles Leclerc seinen Ferrari zuletzt auf die Pole Position, nie gewann er danach den Grand Prix. Zwei Motorschäden, ein Fahrfehler und das Strategie-Desaster von Monaco warfen den 24-Jährigen im Titelrennen auf Platz drei zurück. „Es tut weh, aber ich gebe nie auf“, sagte Leclerc angesichts von 34 Punkten Rückstand. Mit Hochdruck sucht sein Team nach den Ursachen für die jüngsten Defekte, die auch Teamkollege Carlos Sainz trafen. „Wir müssen das Problem beheben und unsere Motoreneinheit stärker für die Zukunft machen“, sagte Teamchef Mattia Binotto.

Die Fans in Montreal schauen dem Comeback freudig entgegen. Die Veranstalter rechneten mit einem ausverkauften Haus. Beim bisher letzten Auftritt der Königsklasse auf dem Circuit Gilles Villeneuve ging es hitzig zu: Sebastian Vettel verlor wegen einer umstrittenen Fünf-Sekunden-Strafe den Sieg an Hamilton. Im Zorn vertauschte er danach die Aufsteller für die Autos des Erst- und Zweitplatzierten und stellte die 1 vor seinen Parkplatz.

Empfehlungen

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben.
Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen Sie Ihre Daten: Die Eingabe von Adresse, Ort, PLZ & Telefon ist verpflichtend, um einen Kommentar absenden zu können.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2022 First Avenue GmbH