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Der Sieg ist perfekt: Jonas Vingegaard holt den Tour-Gesamtsieg. © APA/afp / MARCO BERTORELLO

Danish Dynamite in Paris: Vingegaard auf dem Tour-Thron

26 Jahre nach Bjarne Riis hat Dänemark wieder einen Toursieger. Jonas Vingegaard entthront Tadej Pogacar, der sogleich eine Revanche ankündigt.

Jonas Vingegaard genehmigte sich auf seiner Tour d'Honneur ein Gläschen Champagner, ehe er auf dem Prachtboulevard Champs Élysees von tausenden Landsleuten in rot und weiß frenetisch gefeiert wurde. Der schmächtige Junge aus der Fischfabrik in Jütland ist am Sonntag nach 3343,8 Kilometern am Ziel seiner Träume angelangt. 26 Jahre nach dem inzwischen arg befleckten Triumph von Bjarne Riis herrschte bei der Tour de France in Paris wieder Danish Dynamite. „Es waren unglaubliche drei Wochen, ein Traum“, sagte Vingegaard, nachdem er den scheinbar unbesiegbaren Titelverteidiger Tadej Pogacar entthront hatte.


So erlebte die Tour, die am Sonntag mit dem Sieg von Jasper Philipsen im Sprint royale vor Dylan Groenewegen und Alexander Kristoff ihr stimmungsvolles Ende fand, die Wandlung eines einstmals von Selbstzweifeln und Nervosität geplagten Mannes zum souveränen Siegfahrer. In den Alpen und Pyrenäen offenbarte er keine Schwächen – und verspürt längst Lust auf mehr. „Ich will noch mehr gewinnen“, sagte der 25-Jährige, der sich auch als großer Sportsmann zeigte, als er nach Pogacars Sturz in den Bergen auf ihn wartete. „Wir haben eine gute Beziehung. Wir sind keine Freunde, aber wir respektieren uns.“

Tadej Pogacar (links) und Jonas Vingegaard lieferten sich einen packenden Kampf. © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO


So darf sich die Tour auf weitere große Duelle freuen. Denn auch Pogacar – dieses Mal mit knapp drei Minuten Rückstand Zweiter – ist heiß auf eine Revanche. „Viele Leute wollen einen anderen Sieger sehen. Es ist nicht so schlimm, die Plätze mal zu tauschen. Ich habe einen stärkeren Gegner gefunden. Das gibt mir Motivation, im nächsten Jahr besser zu sein“, sagte der zwei Jahre jüngere Slowene, dessen Team durch mehrere Corona-Fälle dezimiert worden war.
„Alle sind sauber“
Es ist nicht der erste Radsport-Boom, den Dänemark erlebt. Die letzten beiden Male endeten in einer großen Ernüchterung. Riis räumte später im Zuge des Telekom-Skandals ein, bei seinem Triumph gedopt gewesen zu sein und Michael Rasmussen wurde 2007 kurz vor dem Ende aus dem Gelben Trikot gezerrt und nach Hause geschickt, weil er den Dopingkontrolleuren falsche Aufenthaltsorte genannt hatte. Auch er gestand später Doping.

Das Peloton vor dem Louvre-Museum. © ANSA / Bertrand Guay / POOL


Glaubt man Vingegaard, haben sich die Zeiten geändert. „Wir sind total sauber. Jeder von uns. Ich kann für das ganze Team sprechen. Niemand von uns nimmt etwas Verbotenes“, sagte der neue Tour-Patron. Rasmussen, heute Journalist im Tour-Tross, sprach von einer „unsinnigen Frage“. Er kenne keinen aktiven Fahrer, der vor laufender Kamera etwas gestehe.

Die Tour hat seit 2015 keinen Dopingfall registriert, dafür gab es in diesem Jahr 17 Corona-Fälle. Auch das ist – wie in der Gesellschaft – durch die Lockerungen inzwischen Normalität.

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