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Mit Tränen in den Augen feierte Hugo Houle den Sieg. © APA/afp / MARCO BERTORELLO

Für den toten Bruder: Tränen-Sieg bei Tour de France

Der Kampf um das Podium bei der Tour de France hat sich zum Auftakt der Pyrenäen-Trilogie am Dienstag zugespitzt. Die Bühne gehörte am Dienstag aber einem Athleten, der einen der emotionalsten Siege in der Geschichte der Tour feierte.

Im Moment seines größten Erfolges war Hugo Houle in Gedanken nur bei einem – seinem Bruder Pierrick. Nach seiner Alleinfahrt mit dem emotionalen Sieg auf der 16. Etappe der 109. Tour de France reckte der 31-jährige Kanadier seinen rechten Zeigefinger gen Himmel, ehe ihm beim Siegerinterview die Tränen kamen. „Ich hatte einen Traum, eine Etappe für meinen toten Bruder zu gewinnen. Das ist für ihn, darauf habe ich Jahre gewartet. Es bedeutet mir viel“, sagte Houle sichtlich bewegt.


Für Houle war es auch der erste Sieg als Radprofi überhaupt und der erste Erfolg eines Kanadiers beim bedeutendsten Radrennen der Welt seit 34 Jahren, als Steve Bauer gewann. „Ich habe noch nie ein Rennen gewonnen, es ist der perfekte Ort für einen Sieg“, sagte Houle.

Nach der Zielankunft wurde Hugo Houle von seinen Gefühlen übermannt. © APA/afp / MARCO BERTORELLO


Aber vor allem war es für ihn eine Herzensangelegenheit mit großem symbolischen Wert. Als Kinder hatten er und sein jüngerer Bruder jedes Jahr die Tour verfolgt, jeden Tag. „Wir haben den Sommer zusammen damit verbracht, uns die Tour de France anzuschauen“, hatte Houle vor dem Tourstart erzählt. „Als wir jünger waren, lebten wir in einem kleinen Dorf und es gab nicht viel zu tun, aber wir waren glücklich, als die Tour kam.“
Weihnachten 2012 wurde zum Albtraum
Doch dann veränderte ein Moment während der Weihnachtstage 2012 alles. Sein Bruder, der eine Polizeiausbildung absolvierte, ging joggen, als er von einem betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet wurde. Als er nicht nach Hause kam, suchte Houle ihn und fand ihn allein auf der Straße liegen – der Täter hatte Fahrerflucht begangen. „Ich würde sagen, am Anfang hat es mich mehr zerstört. Aber heute sehe ich es so, dass es mich antreibt, weiter hart zu trainieren, um das zu erreichen“, sagte Houle.

Der Kanadier Hugo Houle sorgte für einen Überraschungssieg. © ANSA / YOAN VALAT


Sein Bruder habe nie die Gelegenheit gehabt, nach Europa zu kommen und die Tour live zu verfolgen. „Für mich ist es schlimm, dass er das alles nie sehen konnte. Deshalb möchte ich das unbedingt erreichen, bevor ich aufhöre“, sagte Houle. Jetzt ist sein großer Lebenstraum Wirklichkeit geworden.
Das passierte sonst noch am Dienstag
Der Kampf um den Gesamtsieg bleibt unterdessen spannend. Fast schon erwartungsgemäß schaltete Tadej Pogacar in den Angriffsmodus, wenn auch noch ohne Erfolg. Jonas Vingegaard zeigte auch auf der 16. Etappe über 178,5 Kilometer von Carcassonne nach Foix keine Schwäche und bleibt weiter auf Siegkurs und in Gelb – 2:22 Minuten vor Pogacar. Vingegaard wurde am vorletzten Anstieg von Pogacar einige Male attackiert, war aber jederzeit Herr der Lage. Beide erreichten knapp sechs Minuten später das Ziel. Zum Showdown kommt es nun bei den Bergankünften in Peyragudes und Hautacam am Mittwoch und Donnerstag.

Jonas Vingegaard bleibt der Mann in Gelb. © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO


Doch im Duell um Gelb verlieren die Stars der Szene zunehmend ihre wichtigsten Trümpfe. Nachdem Vingegaard am Sonntag die beiden Edelhelfer Primoz Roglic und Steven Kruijswijk verloren hat, droht Pogacar nun der Verlust seines dritten Helfers Marc Soler. Der Spanier musste sich während der Etappe übergeben, suchte mehrmals den Tour-Arzt auf und kämpfte sich kurz vor dem Besenwagen die Berge hinauf.

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