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Christoph Strasser braucht für 4.500 Kilometer und 40.000 Höhenmeter nur knapp über neun Tage. © Tadek Ciechanowski

Mit Cola und Snickers: Österreicher gewinnt härtestes Rennen Europas

Extremradsportler Christoph Strasser hat sich bei seiner ersten Teilnahme am Transcontinental Race (TCR) den Sieg gesichert. Der Steirer erreichte nach neun Tagen und 14 Stunden als Erster das Ziel des Selbstversorgungsrennens quer durch Europa. Die Route führte über 4.500 Kilometer und mehr als 40.000 Höhenmetern von Geraardsbergen (Belgien) nach Burgas (Bulgarien).

Strasser gilt als der beste Langstreckenradsportler der Welt und hat bereits sechs Mal das Race Across America gewonnen, beim TCR feierte er seine Premiere bei einem Rennen ohne Versorgung von außen. Bei den sogenannten Selbstversorgungs-Rennen ist jegliche Betreuung von anderen strengstens untersagt und auch die Route muss selbst gewählt werden. Übernachtet wird meist im Schlafsack am Straßenrand, eine Dusche gibt es keine, gegessen wird während dem Fahren, denn jede Stunde auf dem Rad zählt.


Der große Unterschied zu seinen bisherigen Rennen war: „Es ist hier keine Unterstützung erlaubt. Ich musste die Routenplanung selbst machen, Quartiere zum Schlafen suchen, Essen selbst kaufen – meist in Tankstellen, Defekte am Rad beheben. Diese Erfahrung hier war unglaublich. Aber am meisten bin ich nach ganz vielen Tiefs über die starke Konkurrenz erstaunt“, sagte Strasser vor seiner Zielankunft.

„Ein mentaler Kampf!“

Lange Zeit lag er an der neunten Stelle, erst nach Rennhälfte kämpfte er sich auf den dritten Platz nach vorne. Vor ihm lagen die derzeit besten zwei Athleten der Szene aus Deutschland: Adam Bialek und Ulrich Bartholmös. Noch vor Rumänien, dem vierten und letzten Checkpoint, den alle Fahrer passieren mussten, konnte Strasser die Führenden einholen.
Fähre gerade noch erwischt
Über die Transalpina-Panoramastraße auf über 2.000 Metern Seehöhe, wo ein Anstieg vom Ausmaß des Großglockners gefahren werden musste, wurde es richtig schwierig: Nach dem Checkpoint war ein langer MTB-Trail mit dem 15 Kilogramm schweren Rennrad zu passieren. „Ich rettete mich irgendwie runter, stand teilweise bis zu den Schienbeinen im Schlamm, und jeder der Favoriten hatte dort Defekte oder Stürze. Zum Glück ist mir nichts passiert.“ Danach ging es Richtung Donau, wo er vor den letzten 300 Kilometern ins Ziel noch zeitgerecht die Fähre erwischte.
Eine Stunde Schlaf pro Nacht
Von Beginn an orientierte sich Strasser an der Taktik, in den ersten Tagen möglichst viel zu schlafen. „Eine Woche hindurch hielt ich mich brav an die drei Stunden Schlaf pro Nacht. Erst in den letzten Tagen reduzierte ich auf eine Stunde, da ich die Chance auf den Sieg witterte. Insgesamt habe ich viermal in Hotels und viermal im Schlafsack - auf Wiesen, in einem Buswartehäuschen in Tschechien oder auf einer Terrasse eines Einkaufszentrums geschlafen“, so Strasser.

Tiefschläge wie Defekte blieben natürlich nicht erspart: „Ich habe grad in den ersten Tagen viele Fehler gemacht, die letzte Woche lief dann echt fast perfekt. Vor allem mit der Navigation hatte ich zu Beginn einige Troubles. Jetzt freue ich mich endlich auf gutes Essen. In den letzten zehn Tagen gab es fast nur Cola und Snickers, ab und zu ein Weißbrot von der Tankstelle.“

Seine Erfahrungen hat Strasser in einem Buch zusammengefasst, zudem hält er regelmäßig Vorträge zum Thema Mentaltraining.

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