E Rennrad

Ein Pechvogel: Primoz Roglic © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO

Pleiten und Stürze: Der vom Pech verfolgte Primoz Roglic

Dass ihn ein verrutschter Strohballen einmal den Sieg bei der Tour de France kosten würde, hätte sich Primoz Roglic sicherlich auch nicht ausdenken können. Obwohl die Geschichte irgendwie zur Beziehung des Slowenen zum größten Radspektakel der Welt passt. Eine Geschichte mit einigen Pleiten und ganz viel Pech.

„Momentan bin ich froh, dass ich noch dabei bin. Ich kann gar nicht weit in die Zukunft schauen. Ich muss es Tag für Tag angehen“, sagte Roglic nach seinem bitteren Malheur auf dem Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs. Eigentlich lag der 32-Jährige gut im Rennen. Doch ein TV-Motorrad touchierte an der Ausfahrt eines Kreisverkehrs jenen zur Sicherheit ausgelegten Strohballen. Der Sprinter Caleb Ewan stürzte, Roglic machte direkt dahinter einen spektakulären Abgang kopfüber den Lenker. Als sei die Geschichte noch nicht skurril genug, raste wenig später Roglic' gesamtes Team mit dem zuvor zurückgeworfenen Jonas Vingegaard vorbei. „Doch wir haben Primoz einfach nicht gesehen“, sagte der sichtlich mitgenommene Wout van Aert.


Sie konnten ihn auch nicht sehen. Denn Roglic saß am Straßenrand auf dem Stuhl eines Zuschauers und renkte sich seine beim Sturz ausgekugelte Schulter wieder ein. Er habe da so eine spezielle Technik, gab er in seiner für ihn typischen nüchternen Art zu Protokoll. Wie sehr ihn das beeinträchtigt, wird vor allem die Bergankunft am Freitag auf der Super Planche des Belles Filles zeigen. Am Donnerstag ging Roglic jedenfalls an den Start.

Primoz Roglich renkte sich die Schulter selbst ein. © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO


Sein Traum vom ersten Tour-Sieg ist allerdings schon zerplatzt. Mehr als zwei Minuten verlor Roglic auf seinen Landsmann Tadej Pogacar. Und selbst wenn der Titelverteidiger einmal schwächeln sollte, sind zu viele andere starke Klassementfahrer noch dazwischen platziert. Roglic wird sich also damit anfreunden müssen, ab sofort Helfer für den jungen Dänen Vingegaard zu sein. Es wird eine erneute Tour der Leiden für Roglic.
So nah und doch so fern
Vor zwei Jahren war der frühere Skispringer erstmals so weit, die Tour gewinnen zu können. In das entscheidende Zeitfahren am vorletzten Tag ging Roglic als Führender, lag eine knappe Minute vor Pogacar. Der Kampf gegen die Uhr hoch zur Planche des Belles Filles sollte zum ersten Tour-Desaster für Roglic werden. Mit fahlem Gesicht und völlig schief sitzendem Spezialhelm erreichte er das Ziel – fast zwei Minuten langsamer als Pogacar, der Gesamtsieg war futsch.

Roglic rappelte sich wieder auf, gewann im Herbst die Spanien-Rundfahrt zum zweiten Mal und startete einen neuen Angriff auf den Tour-Sieg. Die Hoffnung auf Gelb währte bis zur dritten Etappe. Dort fuhr der Italiener Sony Colbrelli einen Schlenker, drängte Roglic damit von der Straße. Der landete so unglücklich in einem Schotterbett, dass er sich den Hintern, den Rücken und die gesamte linke Seite aufriss. Fotos des komplett bandagierten Roglic wurden ein Hit in den sozialen Medien.

Auf ihn ruhen nun die Hoffnungen im Team Jumbo-Visma: Jonas Vingegaard © APA/afp / ANNE-CHRISTINE POUJOULAT


Zwei Tage später lieferte Roglic noch ein solides Zeitfahren ab. Doch die Qualen wurden immer größer. Am ersten Ruhetag stieg Roglic aus. Im Herbst gewann er dann mal wieder die Spanien-Rundfahrt. Für das Ziel Tour-Sieg läuft ihm nun so langsam die Zeit davon. Während die jungen Profis Pogacar (23) und Vingegaard (25) sich noch verbessern können, geht es für den fast ein Jahrzehnt älteren Roglic eher in die andere Richtung.

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