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Joao Almeida trägt derzeit das Rosa Trikot und muss um einen Abbruch der Italien-Rundfahrt bangen. © APA/afp / LUCA BETTINI

Schafft es der Giro überhaupt bis nach Südtirol?

Noch nie hat die Radsport-Branche so gespannt auf einen Ruhetag geblickt wie diesmal beim Giro d'Italia.

Der Abbruch droht
Wo bei Profis und Teams sonst Regeneration, Wundenheilung und der Transport zum nächsten Startort im Mittelpunkt stehen, lautet die große Baustelle diesmal: Corona-Tests. Nach acht positiven Tests und dem Ausstieg der beiden Teams Jumbo-Visma und Mitchelton-Scott gehen die gebannten Blicke auf die Resultate der nächsten Testreihe. Hat sich das Virus auf den Etappen an der Adria und durch die Dolomiten messbar ausgebreitet, dürfte es am Dienstag in Udine kaum weitergehen. Stattdessen droht direkt der Abbruch.


Radsport-Funktionär Ralph Denk hält solche Maßnehmen für Unsinn – und unangemessen. „Ich habe da schon die Meinung, dass so ein Radrennen komplett losgelöst werden sehen muss von der Pandemie. Das ist ja ein geschlossenes System, eine geschlossene Blase. Wir werden sehr, sehr viel getestet, es stehen keine Zuschauer an der Strecke“, sagte der Teammanager des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe. Denk fügte an: „Ich bin schon der Meinung, dass man Radsport auch in diesen nicht einfachen Zeiten durchführen kann, ohne dass man die Pandemie vorantreibt.“

So reibungslos, wie der Neustart im August mit ein paar Klassikern und der Tour de France funktionierte, klappte angesichts der dynamischen Corona-Lage längst nicht mehr alles. In Belgien und den Niederlanden wurden Rennen abgesagt und Routen geändert, auch der Klassiker Paris-Roubaix wurde ein zweites Mal abgesagt, dieses Mal endgültig. Auf die Frage, ob man mit dem in drei Monate gepressten Notfallkalender das Gröbste abgewendet habe, antwortet Denk: „Das Gröbste noch nicht, wir würden gerne Giro und Vuelta zuende fahren.“

Positive Corona-Tests sorgen für Unruhe
Ob das gelingt, ist vor der Finalwoche beim Giro und dem Auftakt der Vuelta im Baskenland an diesem Dienstag offen. Nicht nur die steigenden Zahlen machen den Veranstaltern Sorgen, sondern auch die positiven Tests im Fahrerfeld, die auch in einem Szenario ohne Abbruch dafür sorgen könnten, dass weitere Rennställe geschlossen das Rennen verlassen und den sportlichen Wettbewerb verwässern.

Beim Giro sind in Steven Kruijswijk (Niederlande), Simon Yates (Großbritannien) und Michael Matthews (Australien) mehrere Top-Fahrer aus der Rundfahrt genommen worden. Der Rennstall Education-First forderte vor dem zweiten Ruhetag gar einen vorzeitigen Abbruch des Rennens, das der Portugiese Joao Almeida nach zwei von drei Wochen knapp vor Wilco Kelderman (Niederlande) anführt.

„Man verlässt sich immer noch auf Tests, die nicht 100 Prozent richtig sind“
Ralph Denk, Teammanager von Bora-hansgrohe

Denks größtes Problem sind die PCR-Tests, die für sein Dafürhalten nicht verlässlich genug sind. „Man verlässt sich immer noch auf Tests, die nicht 100 Prozent richtig sind. Das ist bei uns im Sport fahrlässig. Da sehe ich schon Kritikpunkte“, sagte der 46 Jahre alte Bayer.
Wie Wild West?
Als Beispiel nennt er den Sprinter Matthews, der vorzeitig abreisen musste. „Man hat ihn nach Hause geschickt vom Giro, er ist anschließend zweimal negativ getestet worden. Wir hatten auch schon falsch-positive Tests. Das macht mich traurig.“ Das Verfahren erinnere Denk an „Wild West“. Es gebe verschiedene Tests, verschiedene Labore. „Man ist dem ausgeliefert.“
Südtirol-Etappe am Donnerstag
Nach der Etappe am Dienstag von Udine bis nach San Daniele del Friuli, geht es am Mittwoch nach Madonna di Campiglio. Am Donnerstag wird der Giro – falls er nicht zuvor abgebrochen wird – durch Südtirol rollen.

Die 18. Etappe geht nämlich über das Ultental und Meran nach Prad am Stilfser Joch. Von dort führt die Etappe über die Passhöhe des Stilfser Jochs zum Ziel an die Laghi di Cancano. Die Wetterprognosen sind jedenfalls gut. In dieser Hinsicht scheint die Etappe jedenfalls gesichert.

Die Rundfahrt endet am Sonntag in Mailand.

Autor: dl/dpa

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