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Tadej Pogacar fuhr zu seinem fünften Tour-Gesamtsieg. © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO

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Tadej Pogacar fuhr zu seinem fünften Tour-Gesamtsieg. © ANSA / GUILLAUME HORCAJUELO

Überragend und unersättlich: Pogacar gewinnt Tour de France

Tadej Pogacar steht zum fünften Mal als Gesamtsieger der Tour de France fest. Er rollte an diesem Sonntag als gefeierter Sport-Superstar durch Paris.

Der 27-jährige Slowene vom UAE-Team beendete die dreiwöchige Frankreich-Radrundfahrt mit einem deutlichen Vorsprung von 6:26 Minuten auf den belgischen Olympiasieger Remco Evenepoel. Sein Triumph stand bereits vor dem Ende der letzten Etappe am Sonntag auf den Champs Elysees und mit Montmartre-Anstiegen in Paris fest, da die Zeit für das Gesamtklassement 48 Kilometer vor dem Ziel angehalten wurde.


Somit konnten auch die Topstars auf dem Kopfstein-Pflaster-Kurs voll angreifen. Die Schlussetappe mit den beiden Österreichern Felix Großschartner und Marco Haller wurde wegen der heftigen Waldbrände bei Bordeaux von ursprünglich 133 auf 89 Kilometer reduziert und fand ausschließlich in der französischen Hauptstadt statt.

Einsatzkräfte abgezogen, um bei Bränden zu helfen

Die Hoffnung der Konkurrenz auf einen womöglich schwächelnden Pogacar war bereits vor dem Tour-Start verhalten gewesen. Und der „Menschenfresser“, wie ihn Frankreichs Sportbibel L'Equipe bewundernd beschrieb, war bei der 113. Tour-Ausgabe wieder unantastbar. Mit Solosiegen und Klettershows in den Bergen, neuen Rekorden, aber auch Dopingkontrollen um 5.00 Uhr morgens und Buhrufen vom Straßenrand für Pogacar ging das Rad-Spektakel über die Bühne.

Bereits vor dem Schlussakt hatte der legendäre Eddy Merckx den Ausnahmekönner im exquisiten Kreis der Fünffach-Sieger mit den beiden Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie dem Spanier Miguel Indurain willkommen geheißen. Laut Merckx wird Pogacar sie alle schon bald überflügeln. „Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen“, zeigte sich der 81-jährige Belgier überzeugt.

Der Tour-Tross rollte zum Abschluss durch die Straßen von Paris. © APA/afp / GEOFFROY VAN DER HASSELT

Der Tour-Tross rollte zum Abschluss durch die Straßen von Paris. © APA/afp / GEOFFROY VAN DER HASSELT


Schon 2020, 2021, 2024 und 2025 hatte Pogacar triumphiert. In den Bergen war es für die Konkurrenz wieder eine „Mission Impossible“, wie Evenepoel eingestand. Wenn der Weltmeister antrat, konnten die Rivalen nur bewundernd zuschauen. So wie bei seinem Meisterstück über die 21 Serpentinen hinauf ins Radsport-Mekka Alpe d'Huez, als Pogacar dreieinhalb Minuten auf eine starke Ausreißergruppe aufholte.
„Rekorde interessieren mich nicht“ Tadej Pogacar

Damit pulverisierte er auch den 31 Jahre währenden Rekord von Marco Pantani. 35:26 Minuten für den 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg, ein Schnitt von mehr als 23 km/h, 1:24 Minuten schneller als 1995 die italienische Legende – für viele Experten eine unmenschliche Leistung. Schon am Col du Tourmalet in den Pyrenäen hatte Pogacar eine neue Bestleistung aufgestellt. „Rekorde interessieren mich nicht, es geht mir um den Sieg“, gab sich Pogacar bescheiden. Ähnlich wollte er auch seine vier weiteren Etappenerfolge in diesem Jahr nicht überbewerten.

26 Tour-Etappensiege hat Pogacar nun eingefahren. Hätte er nicht zwischendurch auch seinen drittplatzierten Teamkollegen Isaac Del Toro unterstützt, wären es wohl noch mehr. Nur noch Ex-Sprintstar Mark Cavendish (35), Merckx (34) und Hinault (28) stehen vor ihm. Geht der 27-Jährige in dem Tempo weiter zur Sache, könnte der Rekord schon in zwei Jahren fallen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung; kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an“, sagte Pogacar.

Teamchef: „Aura wie Federer“

„Pogi ist inzwischen zu einer weltweiten Persönlichkeit geworden“, schwärmte sein Teamchef Mauro Gianetti: „Er hat die Aura, das Charisma, die Anziehungskraft eines Roger Federer. Er ist eine Ikone.“ Der Mann aus Komenda vertritt mittlerweile auch meinungsstark die Interessen des Pelotons. Wie nach dem verhängnisvollen Sturz seines Rivalen Jonas Vingegaard, der nach einer nächtlichen Dopingkontrolle auf der 15. Etappe stürzte und einen Schlüsselbeinbruch erlitt.
Pogacar mutmaßte, dass darin ein Zusammenhang bestanden haben könnte. Neben Vingegaard wurde auch Pogacar nachts kontrolliert. Ein in Frankreich beispielloser Vorgang, der von einem Pariser Gericht genehmigt wurde. Natürlich radeln Verdachtsmomente angesichts solcher Wunderdinge mit.

Tadej Pogacar ließ sich als Tour-Sieger feiern. © ANSA / YOAN VALAT

Tadej Pogacar ließ sich als Tour-Sieger feiern. © ANSA / YOAN VALAT

Die Dominanz von Pogacar gefällt nicht jedem. Auch am Straßenrand gab es bisweilen Buhrufe für den Unersättlichen. „Das macht uns nur stärker“, entgegnete Pogacar: „Wenn mich jemand ausbuht, denke ich an Novak Djokovic und lasse mich von ihm inspirieren.“ Auch der serbische Tennisstar hat nicht nur Anhänger. 99 Prozent der Leute seien ihm aber positiv gestimmt, merkte Pogacar an. So kann der Radstar, der bis 2030 bei UAE unter Vertrag steht, seine nächsten Ziele in Angriff nehmen. Von der Vuelta ist die Rede, die Spanien-Rundfahrt fehlt ihm noch in seiner langen Siegerliste. Auch der Sieg beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix blieb ihm bei zwei zweiten Plätzen bisher verwehrt.

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