D Reitsport

Vor 71 Jahren fand in Meran der erste "Große Preis" statt Roi du Trefle trug sich als erstes Pferd in die Siegerlisten ein

Als beim Debüt das „falsche“ Pferd gewann

Am 26. September 2010 zog der Große Preis von Meran zum 71. Mal Pferdesportliebhaber aus vielen Teilen Europas, vorwiegend allerdings aus Südtirol in seinen Bann. Doch schon bei der ersten Ausgabe im Oktober 1935 wurde der Untermaiser Pferderennplatz zum Mekka des internationalen Galoppsports. Die Zuschauer sahen ein äußerst spannendes und interessantes Rennen – nur gewonnen hat schlussendlich das „falsche“ Pferd.

Der 20. Oktober 1935 war in Meran und Umgebung ein sonniger Spätherbsttag. Die Luft war mild, der Boden trocken – für die Austragung des ersten Großen Preises von Meran waren Witterungsbedingungen und Turfverhältnisse ideal.

Die Rennbahn war seit dem 30. August in einem ausgezeichneten Zustand, davon hatten sich sowohl der faschistische Diktator Benito Mussolini als auch der Prinz von Piemont durch einen Lokalaugenschein überzeugt. Einem grandiosen Pferdespektakel auf der modernsten und schönsten Rennbahn Europas stand nichts mehr im Wege – dafür sorgte auch ein ordentlicher Geldbetrag, der dem Sieger von den Organisatoren in Aussicht gestellt wurde.

Bestdotiertes Rennen Europas
Als Preisgeld hatten die Meraner Veranstalter nämlich die unglaubliche Summe von einer Million Lire ausgeschrieben, was für damalige Verhältnisse einen astronomischen Geldbetrag darstellte, und die Wichtigkeit dieses Rennens für das faschistische Regime untermauerte. Zum Vergleich: Beim „Prix de l’Arc de Triomphe“, dem bedeutendsten Flachrennen Europas in Paris, wurden vier Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges „nur“ 700.000 Lire an Preisgeldern ausgeschüttet. Kein Wunder also, dass nicht nur die italienischen Rennställe nach Meran anreisten. Auch die großen französischen Züchter ließen es sich nicht nehmen, mit ihren besten Pferden in die Passerstadt zu kommen. Schließlich wollten sie sich die einmalige Gelegenheit auf ein exorbitantes Preisgeld nicht entgehen lassen.

Auch bei den Zuschauern hatte sich herumgesprochen, dass die besten Pferde in Untermais um den Sieg kämpfen werden. Außerdem war der Pferderennplatz und das anliegende Pferdedorf „Borgo Andreina“ erst wenige Wochen zuvor zu Ende gebaut worden. Nun galt es für die Bevölkerung die neue Struktur bei einem Besuch zu erkunden und wie hätte dies besser geschehen können, als zum Großen Preis auf den Untermaiser Pferderennplatz zu kommen. Mit Sonderzügen wurden die Tausenden Pferdesportliebhaber aus ganz Italien nach Meran gebracht. Auf dem italienischen Staatsgebiet durften an diesem Tag keine anderen Hindernisrennen stattfinden und viele hohe Regierungsvertreter nahmen auf den überquellenden Tribünen Platz – auch das unterstreicht, wie wichtig dem faschistischen Regime das Rennen in Meran war.

Der Diktator tobt
Das Rennen selbst verlief äußerst spannend und mehrere Pferde kämpften in einem atemberaubenden Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg. Am Ende lief allerdings das „falsche“ Pferd als erstes über die Ziellinie: Mit Roi de Tréfle gewann nämlich ein Pferd eines französischen Rennstalls und auch sonst gaben die Gäste aus Frankreich beim ersten Großen Preis von Meran den Ton an.

Das erboste Benito Mussolini derart, dass er die italienischen Rennstallbesitzer anwies, dem Hindernissport künftig mehr Gewicht zu schenken, um dem ewigen Rivalen Frankreich in Zukunft die Stirn bieten zu können. Mit Erfolg: Bereits ein Jahr später gewann mit Horizon ein Pferd des italienischen Rennstalls „Scuderia Tricolore“ den zweiten Großen Preis von Meran.

Autor: sportnews

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