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Gregor Gruber wurde für die EM der Springreiter nominiert Gregor Gruber sitzt fest im Sattel Der Meraner hat die Zügel immer im Griff

Talentscout: Gregor Gruber

In vielen Sportarten ist man mit 21 Jahren längt ein „alter Hase“. Nicht so bei den Springreitern: Hier ist man in diesem Alter noch ein richtiges „Greenhorn“, vor allem wenn man bedenkt, dass auch Athleten mit bald 70 Jahren immer noch von sich reden machen – Hugo Simon zum Beispiel. Deshalb diesmal in unserer Rubrik Talentscout ein etwas älterer Junger: Springreiter Gregor Gruber.

Wenn man im Sommer über die saftigen Almwiesen von Meran 2000 spaziert, hoch über den Dörfern Vöran und Hafling, dann kann man dort prächtige Haflingerstuten weiden sehen. Und mit genau einer solchen Stute hat die „Tragödie“, wie Gregor Gruber schmunzelnd erzählt, die Reitsportgeschichte der Grubers angefangen. „Meine Schwester Melanie wollte unbedingt reiten und deshalb ein Pferd. Unser Vater Gebhard hat ihr – gutmütig wie er ist – einen Haflinger gekauft. Weil ab diesem Zeitpunkt praktisch die ganze Familie immer im Stall war, wollte auch ich mit dem Reiten beginnen“, erzählt Gregor Gruber. „Denn ich habe meinen Vater als Fünfjähriger ganz frech gefragt, was ich denn sonst im Stall tun solle.“

Also saß Gregor Gruber bald selbst stolz auf dem ersten Pony. Als Sechsjähriger bestritt er seine ersten Turniere und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Zum ersten Mal auf der nationalen Reitbühne auf sich aufmerksam machte Gregor vor drei Jahren. 2007, als 18-Jähriger, feierte er die bis dato größten Erfolge seiner Karriere. Zunächst gewann der Meraner die Italienmeisterschaft bei den Junioren, bevor er auch im Nationenpreis erfolgreich war. „Danach folgte eine Durststrecke, die viele Gründe hat. Mit meinem damaligen Trainer gab es einige Divergenzen, dann verletzten sich auch die Pferde, mit denen ich die Wettkämpfe bestritt. Es lief einfach überhaupt nichts mehr zusammen“, sagt Gruber.

Saisonhöhepunkt: Die Nachwuchs-EM in Frankreich
Bis heuer. Obwohl er sich zu Jahresbeginn keine großartigen Ziele gesetzt hatte, gewann Gregor Gruber im Mai auf dem Rücken von Quiberon W den „Pappas Young Rider Grand Prix“ in Lamprechshausen, 20 Kilometer vor Salzburg. „Für mich kam dieser Sieg völlig überraschend“, gesteht der junge Reiter. Der Sieg bei diesem prestigeträchtigen Wettkampf für junge Reiter bedeutete gleichzeitig die Qualifikation für die Europameisterschaften der Nachwuchsreiter in Jardy in Frankreich. Die Kontinentalmeisterschaften finden vom 13. bis 19. Juli statt. „Noch ist meine Nominierung nicht offiziell. Aber man kann davon ausgehen, dass ich in Frankreich dabei sein werde“, sagt der 21-jährige Reitsportler. Damit wäre Gregor Gruber der erste Südtiroler, der bei einer EM im Springreiten an den Start gehen dürfte.

Vom Stall in den Vorlesungssaal
Gregor Gruber lebt seit zwei Jahren in Padova, wo er Rechtswissenschaften studiert und auf dem Gestüt „Centro Ippico Sette Archi“ in Altavilla Vicentina trainiert. Den Vormittag verbringt der Meraner meistens bei den Pferden, während er am Nachmittag in den Vorlesungssaal der Universität wechselt. Für Hobbys bleibt da nicht viel Zeit. „Ich gehe zwei bis drei Mal in der Woche laufen, das gefällt mir außerordentlich gut. Fußball hat es mir auch angetan, aber ich wette, dass ich nicht einmal bei der U10 von Obermais mitspielen dürfte, so ungeschickt stelle ich mich an“, lacht der sympathische Burggräfler, der sich als ausgesprochener Musikfan bezeichnet. „Ich kann zwar kein Instrument spielen, aber ich höre sehr viel Musik. Das gefällt mir ohnehin viel besser, als sinnlos in den Fernseher zu starren. Außerdem lese ich sehr viel über Musik“, sagt der Student, der in den wenigen freien Stunden auch gerne seine Freunde trifft. „Meistens bin ich am Abend aber so müde, dass ich einfach nur noch ins Bett will.“

Vom Reitsport leben kann Gregor Gruber derzeit nicht. Doch noch steht auch nicht fest, ob er das in Zukunft überhaupt möchte. „Mir gefällt das Studium sehr gut und ich schreibe auch sehr gute Noten. Ich weiß nicht, ob ich das alles für den Reitsport aufgeben würde.“

Ob er also Reitprofi werden wird, steht derzeit noch in den Sternen. Seine Konzentration gilt nun aber ohnehin voll und ganz der Europameisterschaft, wo er ein ganz bestimmtes Ziel hat. „Wenn ich das Finale der besten 25 erreiche, dann bin ist das bereits ein Riesenerfolg.“ Ob er dieses Ziel erreichen wird? Mitte Juli wissen es die Südtiroler Reitsportfans ganz genau.

Autor: sportnews

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