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Papa Dame Diop war live zugeschaltet: Auch der in Bozen bestens bekannte Senegalese bekam einen Preis. © ANDREAS KEMENATER

Fairplay-Gesten, die den Südtiroler Sport begeistern

Dass eine 3.-Amateurliga-Mannschaft nicht nur in Südtirol, sondern in ganz Italien und darüber hinaus für Aufsehen sorgt, das klingt utopisch. Außer, man heißt GS Excelsior. Der Bozner Verein stellt hierzulande das außergewöhnlichste Fußballteam – und hat nun ein genauso außergewöhnliches Projekt präsentiert.

Aus dem MEC-Center in der Messe Bozen

Von:
Thomas Debelyak

„Wir sind wie Aladins Wunderlampe: Wir erfüllen Träume“, sagt Mirco Marchiodi am Freitagabend vor rund 300 Gästen im Kongresscenter MEC der Messe Bozen. Marchiodi ist seit sechs Jahren Präsident von GS Excelsior, jener Fußballmannschaft, die dafür bekannt ist, (fast) immer zu verlieren. Das hat einen bestimmten Grund: Bei den Boznern ist das Leistungsprinzip sekundär. Hier bekommt jeder Spieler – egal wie fußballaffin er ist – gleich viel Einsatzzeit. Und: Hier ist jeder willkommen. „Einige unserer Spieler würden in anderen Mannschaften keinen Platz finden. Bei uns schon.“


Marchiodi, der als Präsident auch selbst noch die Schuhe für seinen Verein schnürt, betont aber auch: „Wir sind nicht mehr nur die Mannschaft, die immer verliert. Wir sind auch die Mannschaft, die am fairsten ist.“ In der 21-jährigen Vereinsgeschichte hat Excelsior fast in jedem Jahr die Fairness-Wertung gewonnen, also am wenigsten gelbe und rote Karten kassiert.

Ein besonderes Projekt

Fairplay – das ist also ein Begriff, der bei GS Excelsior so groß geschrieben wird wie bei sonst keinem anderen Südtiroler Fußballteam. Genau deshalb hat der Verein in diesem Jahr ein Projekt hervorgerufen, bei dem Fairplay-Gesten auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene ausgezeichnet werden.

Mirco Marchiodi, Präsident von GS Excelsior. © ANDREAS KEMENATER


Unter dem Motto „WeFairPlay“ konnten in den vergangenen Monaten auf einer Webseite Fairplay-Gesten eingereicht werden. Eine Jury – bestehend aus namhaften Südtiroler Ex-Athleten (wie Tania Cagnotto, Claudia Schuler, Manuela Mölgg oder Martin Pavlu), lokalen Journalisten-Größen (Stefano Bizzotto der Rai oder Andreas Vieider des Tagblatt Dolomiten) sowie ehemaligen Stars wie Ex-Roma-Fußballer Damiano Tommasi – wählte die sieben schönsten, lobenswertesten und emotionalsten Aktionen aus. Welch große Wellen dieses Projekt schlug, zeigte allein die Anwesenheit von Italiens Fußball-Nationaltrainerin Milena Bertolini am Freitagabend in Bozen.

Bewegende Aktionen

Beispielsweise ging der Preis für die schönste Südtiroler Fairplay-Aktion an Papa Dame Diop. Der Senegalese ist ein in Bozen bekannter Aktivist, der in der Talferstadt nicht nur das Plugging – also das Müllsammeln im Laufen – etablieren konnte, sondern auch eine Karateschule eröffnet hat. Unentgeltlich, versteht sich. „Viele haben nicht die finanziellen Mittel, um ihre Kinder in einen Sportverein zu schicken. Papa Dame Diop nimmt alle auf“, erklärt Ex-Eishockeyspieler Martin Pavlu, der eine Laudatio für den mittlerweile in Frankreich wohnhaften Senegalesen hielt.

Das Interesse in Bozen war groß. © ANDREAS KEMENATER


Den Preis für Südtirols lobenswerteste Fairplay-Initiative bekam Sabine Bertagnolli. Sie ist die Mutter von Matteo, der an einer besonders raren neurologischen Krankheit leidet – und sie ist die Gründerin des Vereins „Amigos de Matteo“. Mit diesem Projekt sollen beeinträchtigte Kinder positive Erfahrungen sammeln. Beispielsweise wurde in Vergangenheit auch schon eine Segeltour organisiert.

Olympiasieger mit Herz

Ausgezeichnet wurde am Freitag auch Niccolò Campriani: Der dreifache Olympiasieger im Sportschießen, der lange Zeit in Eppan gelebt hat, widmete sich nach seinem Karriereende einem besonderen Projekt. Er begann, drei Flüchtlinge im Sportschießen zu unterrichten. „Alle drei haben diesen Sport zuvor noch nie ausgeübt“, erklärt Campriani, der mittlerweile in Los Angeles lebt und von dort eine Videobotschaft gesendet hat. Trotzdem schafften es zwei von ihnen mit dem Refugee Team zu den Olympischen Spielen 2021.

Bewegende Gesten und Aktionen also, die der GS Excelsior mithilfe seiner Jury ausgezeichnet hat. Das findet auch Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Wir machen einen Fehler. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Und auch wenn wir in unserer Freizeit Sport machen, geht es trotzdem immer um Leistung“, so Kompatscher, der passend ergänzt: „Wir müssen Erfolg neu definieren. Wie genau, das macht GS Excelsior vor.“

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