Q Sport Mix

Sigi Heinrich ist in Deutschland eine TV-Ikone.

Sigi's Spitzen: Autokino statt Stadion

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol, aktuell schildert er in seiner eigenen SportNews-Rubrik, wie er die Corona-Situation erlebt. Es ist vielleicht nicht immer alles so ganz ernst gemeint, dafür dürfte es aber durchaus zum Nachdenken anregen.

Vorbereitung ist wichtig. Gerade jetzt in diesen Zeiten, die nach wie vor nicht der von uns gewohnten Normalität entsprechen. Also gehen wir wie folgt vor. Wir kaufen uns ein Fensterputzmittel plus natürlich die entsprechenden Tücher. Nicht für zuhause, sondern für die Frontscheibe des Autos, denn diese muss blitzblank sein. Mehr noch. Es muss so aussehen, als gäbe es sie gar nicht. Dann brauchen wir noch ein paar Chips, am besten jene von der scharfen Sorte und ein paar Getränke müssen her. Logisch. Es darf auch mexikanisches Corona-Bier sein. Warum nicht. Da können wir der Phantasie wirklich freien Lauf lassen. Es wäre gut, der Brösel wegen, die beim Knabbern der Chips (gerne auch Erdnüsse) unweigerlich entstehen, wenn wir noch eine Decke mitnehmen würden, damit die Sauerei nicht allzu groß wird in unserem geliebten fahrbaren Untersatz. Tja und dann kann es eigentlich los gehen. Das große Kino. Autokino. Mancher einfallsreichen Pfarrer hat schon Messen abgehalten auf diese Art und Weise. Und so geht jetzt auch, quasi abgesegnet, der Sport diesen Weg. In Düsseldorf findet tatsächlich ein Stabhochsprungwettkampf statt. Vor 230 Autos. Ausverkauft. So muss man das jetzt wohl formulieren. Schlauerweise sitzen vier Leichtathletikfans in einem PKW wobei stark zu bedenken ist, dass diejenigen auf dem Rücksitz von der Sicht auf die Athleten eher benachteiligt sind.

Internationale Starter
Das Teilnehmerfeld, also das der Springer, ist ziemlich ordentlich. Der Weltmeister von Moskau 2013, Raphael Holzdeppe, ist dabei. Dazu Bo Kanda Lita Behre, Deutschlands große Hoffnung für die Zukunft und der aufstrebende ehemalige Zehnkämpfer Torben Blech. Dazu gesellen sich der niederländische Rekordhalter Menno Vloon und der beste Belgier, Ben Broeders. Das kann sich sehen lassen. Aber mehr noch: Es ist ein gutes Zeichen, dass die arg von den Corona-Beschränkungen gebeutelte Leichtathletik sich nicht aufgegeben hat, was wiederum ein prima Übergang ist zu Tim Lobinger. Der erste Deutsche, der die Schallmauer von sechs Metern meisterte, hat auch nie aufgegeben als er schwer an Leukämie erkrankte. Fünf Chemotherapien und eine Stammzellentransplantation brachte er hinter sich, ehe sich dann vor zwei Jahren der Krebs doch wieder bemerkbar machte. Lobinger überstand auch diesen Angriff und ist glücklicherweise mittlerweile krebszellenfrei. Ich habe ihn während seiner aktiven Zeit gut kennengelernt. Er war nicht nur ein Weltklasseathlet, sondern auch ein Entertainer. Die Fans liebten ihn, auch weil er nicht immer total angepasst, ja vielleicht sogar extrovertiert war. Beim Weltfinale 2003 in Monte Carlo, das er gewann, zeigte er nach seinem Siegsprung den nackten Hintern, was natürlich auch kontrovers diskutiert wurde.
Ungebremste Energie
Von seiner Energie hat er nichts verloren, was fast an ein Wunder glänzt angesichts seiner Krankheitsgeschichte. Jetzt ist er im Autokino dabei. Nicht im PKW, sondern als Stütze der Organisation. Es ist seine Aktion, die da heißt: „Jeder Zentimeter zählt“. Es geht nicht um Rekorde und Medaillen. Die Tagesbestleistung aller Athleten wird addiert. Für 5.50 Meter gibt es € 550,00. Der Gesamtbetrag wird an die Elterninitiative Kinderkrebshilfe e.V. am Universitätsklinikum Düsseldorf überweisen. Das kann und soll mit einem kräftigen Hupkonzert begleitet werden. Es ist ein Neuanfang, irgendwie. Für alle.


Autor: sigi heinrich

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210