Q Sport Mix

Sigi Heinrich ist in Deutschland eine TV-Ikone.

Sigi`s Spitzen: Eine Hommage an den Breitensport

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol, aktuell schildert er in seiner eigenen SportNews-Rubrik, wie er die Corona-Situation erlebt. Es ist vielleicht nicht immer alles so ganz ernst gemeint, dafür dürfte es aber durchaus zum Nachdenken anregen.

Von Sigi Heinrich

Was wäre ich heute ohne meinen Verein? Wo wäre ich heute? Mein Leben wäre garantiert anders verlaufen, wenn ich nicht als Bub in die Turngruppe des TSV Wolfratshausen (südlich von München) gekommen wäre. Garantiert. Dort haben mich ehrenamtliche Übungsleiter, die teilweise selbst noch aktiv waren, in die Turnkunst eingeführt. Es ist ganz anständig geworden. Ich nahm auch mal an Deutschen Meisterschaften im Zwölfkampf teil. Wenn nach unserem Training die Tischtennisspieler mit ihren Wunderschlägen antraten, habe ich das auch mal versucht. Und als die Schülermannschaft im Fußball einen Torwart suchte, kugelte ich – als Turner dafür prädestiniert- auf der Torlinie herum. Es reichte später sogar für ein paar Einsätze in der Landesliga (letztlich war ich aber zu klein dafür). Später habe ich mein Wissen weitergegeben. Auch als Übungsleiter beim TV Lenggries und beim TV Bad Tölz (noch südlicher von München) wo ich für meine neue Liebe Volleyball als Trainer jeden Tag in der Halle stand. Von Montag bis Freitag. Und am Wochenende standen Punktspiele auf dem Programm.

Bergsportfest in Natz
Natürlich stand ich dank meiner Vielseitigkeit auch für Bergsportfeste zur Verfügung. An eines in Südtirol kann ich mich noch gut erinnern. (es war ja schließlich eine Auslandsreise mit Grenzkontrolle und so- aber das wäre jetzt ein anderes Thema). Wir trafen uns in Natz, oberhalb von Brixen, auf einer Bergwiese beim Flötscherhof. Es war ein unvergessliches Treffen. Ich habe dann ja auch Sport studiert und mittlerweile… Eurosport . Warum ich Ihnen das erzähle? Gerade jetzt ist es Zeit für eine Hommage an eine Institution und die Menschen, die diese betreiben. Die Vereine nämlich, die eine der Säulen unserer Gesellschaft bilden. Zum einen, weil sie einen unschätzbaren Beitrag leisten für die Volksgesundheit, weil die Schulen den Sport mehr und mehr in die Ecke schieben. Und mindestens ebenso wichtig ist der erzieherische Beitrag. Das Training miteinander kann prägend sein für das Leben. Man lernt, sich in einer Gruppe wohl zu fühlen, Egoismus in den Dienst des Teams zu stellen, um letztlich gemeinsam Erfolg zu haben
Taten sind gefragt
Bergsportfeste sind fast ausgestorben. In Natz fand das letzte 2010 statt nach einer langen Tradition. Mittlerweile macht Covid-19 dem Breitensport länderübergreifend den Garaus. Turnhallen sind in ganz Europa leer. Sport wird geächtet. Zu gefährlich. Natürlich nur Sport für die Allgemeinheit. Freizeitsport. Für die Profis bastelt man unentwegt Ausnahmen. Immerhin haben Umfragen ergeben, dass dies gar nicht so gut in der Bevölkerung ankommt, wie viele meinen. Hausfrauengymnastik, Kinderturnen, Seniorensport, Badminton, Tischtennis, Handball, Volleyball sowieso. Alles weg. Und kicken dürfen die Kids auch nicht. Man muss froh sein, dass die Schaukel am Spielplatz wieder benutzt werden darf. Ich habe noch kein Konzept entdeckt, das den Vereinen in ihrer Not (kein Sport, keine Einnahmen) Hoffnung machen könnte, diese schwierige Phase zu überleben. Nur dort, wo der Sport auf wirtschaftliche Interessen trifft, wird die Politik aktiv. Dabei ist ein Sportverein mehr als nur systemrelevant. Er ist aus einer funktionierenden Gemeinschaft nicht wegzudenken. Und deshalb ist diese Hommage auch mit der Bitte verbunden, egal, wo auch immer, Vereinen (und es sollten nicht nur Sportvereine sein) in der jetzt so schwierigen Situation nicht nur mit Rat, sondern vor allem mit Tat beizustehen. Sonst wird es in Zukunft nur noch Kinder geben, die eine Rolle rückwärts lediglich vom Hörensagen kennen.

Autor: sigi.heinrich

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2020 Sportnews - IT00853870210