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Jannik Sinner ist zurzeit der Trainingspartner von Rafael Nadal – das bringt einige Vorteile mit sich. © APA / EXPA/JFK

Sigi`s Spitzen | Jannik Sinner hält Abstand

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es um Tennis, die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten und auch um die Eishockey-WM.

Es ist ein knappes Ergebnis. Nur 10:0 gewann die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Ägypten gegen den Gruppengegner Kap Verde. Immerhin kein Gegentor. Das ist selten in dieser Sportart, in diesem Fall aber verständlich. Die Afrikaner traten nämlich nicht an und wurden dafür böse bestraft. Mit eben einer 0:10 Niederlage. Am Ende nämlich wütete das Corona-Virus derartig heftig im Team der Kap Verde, dass nur noch neun Spieler übrigblieben.


Das Reglement indes schreibt zehn Mann vor, inklusive Torwart. Pech gehabt. Deutschland jubelt. Somit ist man sicher schon mal in der Hauptrunde. Toll. Tschechien und die USA sind gar nicht erst angetreten nach viel zu vielen positiven Tests. Nordmazedonien und die Schweiz rückten nach, weil ja auf jeden Fall mit 32 Ländern gespielt werden soll. Derweil erweist sich die Handball-Blase so löchrig wie eine Teekugel. Menschen, die mit dem Sport gar nichts zu tun haben, gehen in den Hotels aus und ein, essen dort, benutzen gemeinsam mit Sportlern den Fahrstuhl. Es ist schlicht eine Farce, auch wenn die Interviews etwa der deutschen Funktionäre uns eine angeblich fast heile Welt vorgaukeln. Am Ende wird die Mannschaft den Titel gewinnen, die den Kampf gegen Covid-19 am erfolgreichsten bestritten hat. Recht hatten all die Akteure, die nicht mitmachen wollten, weil sie wohl ahnten, dass Gesundheitsvorsorge anders aussieht.

Die Handball-WM in Ägypten ist zu einer Farce verkommen. © APA/afp / ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Besonders lustig ist es auch nicht im von uns aus gesehen weit entfernten Australien, wo das Wort „Quarantäne“ wesentlich ernster genommen wird als im Rest der Welt. Die Auswirkungen auf die Australian Open, die am 8. Februar beginnen sollen und vermutlich auch werden, könnten dramatisch werden. Spieler, in deren Charter-Flügen nach Melbourne Mitreisende saßen, die nach der Landung einen positiven Corona-Test hatten, dürfen in den nächsten 14 Tagen nämlich ihr Hotelzimmer nicht verlassen. Training ist nicht gestattet, höchstens ein paar Situps, die man etwas intensivieren kann, wenn man die Beine auf die Bettkante legt. Ansonsten essen, schlafen, Fernsehschauen, warten.

Die Stars indes sind 650 Kilometer entfernt in Adelaide untergebracht und üben fleißig. Zu ihnen gehört auch Jannik Sinner aus Sexten, der als Trainingspartner von Rafael Nadal in den Genuss dieser Sonderbehandlung gekommen ist. Andreas Seppi aus Kaltern hingegen muss hoffen, dass er für maximal fünf Stunden sein Zimmer weiter verlassen darf, um zu trainieren. Die Folgen letztlich sind jetzt schon absehbar: Manche werden austrainiert und voller Tatendrang antreten, viele hingegen werden beim ersten Match gar nicht mehr wissen, wie sich ein Tennisschläger anfühlt. Auch die Australien-Open werden so zur Farce. Aber, so der allgemeine Tenor, die Gesundheit geht vor. Immerhin.

Zu Besuch beim Autokraten: Rene Fasel (rechts) in Minsk. © APA/afp / NIKOLAY PETROV


Zurück nach Europa, natürlich mit allen Tests. Landung in Minsk. Abflug war in Zürich für Rene Fasel, den Präsidenten des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF). Er flog mit seiner Entourage zu Alexander Lukaschenko, um den Präsidenten von Weißrussland heftig zu umarmen und ihm zu versichern, dass er, der Präsident, an der Eishockey-WM in Minsk festhalten wolle. Wie weltfremd, frage ich mich, kann man denn sein? Es wurde von seinem Besuch in Minsk auch kolportiert, dass er, Fasel, auch der Meinung sei, die in den Gefängnissen inhaftierten Menschen seien nicht wegen ihrer politischen Meinung eingesperrt worden, sondern weil sie Straftaten begangen haben. Fasel macht sich damit die Leseart von Lukaschenko zu eigen.

Jetzt endlich bekommt er den Gegenwind, der ihn am meisten schmerzen wird. Zwei der großen und wirklich langjährigen Sponsoren (Skoda und Nivea) fordern unmissverständlich eine Absage der WM in Minsk. Das ist augenscheinlich die einzige Sprache, die Fasel versteht. Derweil hat sich Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Verbandes, noch immer nicht nicht klar geäußert. Mittlerweile wird er von vielen politischen Kreisen aufgefordert, sich endlich auch deutlich gegen eine WM in Weißrussland zu äußern. Der deutsche Spitzensport hat sich schließlich verpflichtet, sich international für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Worauf also wartet Reindl noch? Ach ja, ich vergaß: Er wird als einer der möglichen Nachfolger von Rene Fasel gehandelt…

Autor: sigi.heinrich

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