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Sigi Heinrich ist in Deutschland eine TV-Ikone

Sigi`s Spitzen: Mit Abstand und Stock durchs Leben

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol, aktuell schildert er in seiner eigenen SportNews-Rubrik, wie er die Corona-Situation erlebt. Es ist vielleicht nicht immer alles so ganz ernst gemeint, dafür dürfte es aber durchaus zum Nachdenken anregen.

Von Sigi Heinrich


Ich habe es mir mittlerweile angewöhnt, auf längeren Spaziergängen, die auch ein paar leichte Anstiege beinhalten, meine Wanderstöcke mitzunehmen. „Nordic Walking“ nennt man das, weil wir ja unbedingt in unserem Sprachgebrauch Anglizismen aufnehmen wollen. Klingt wohl irgendwie cooler, spannender und besonders eben. Gemeint ist schlicht, dass man auch in diesem Fall, um die Vorwärtsbewegung einzuleiten, einen Fuß vor den anderen setzt. Gehen halt oder marschieren. In diesem Fall, wenn es denn möglich ist, etwas flotter, engagierter, schneller.

Denn jetzt kommt der Clou, also der besondere Gag, die eigentliche Vertiefung für den sportlichen Wandersmann. Die Stöcke werden mitgeschwungen. Dabei ist eine gewaltige Koordination gefordert. Ist der rechte Fuß vorne, muss die linke Hand den Stock so setzen, dass er gegenüber dem Fuß auf den Boden trifft (am besten ist lockerer Waldboden, schont den Bewegungsapparat). Und dann wiederholt sich der gesamte Prozess, weshalb, so sagen uns die Experten, dadurch auch die Oberkörpermuskulatur gestärkt werden kann. Quasi ein Ganzkörpertraining, verbunden bei richtiger Routenwahl, auch noch mit einem veritablen Naturerlebnis. Freilich ist bei flotter Gangart der Blick meist stur auf den Weg gerichtet und die blühende Flora und Fauna findet leider kaum Beachtung.

Seltsame Gangart
Es sieht, ganz ehrlich von außen betrachtet, seltsam aus und man wird, bei ehrlicher Betrachtung, den Eindruck nicht los, dass da jemand kommt, der will eigentlich mehr als er kann (joggen etwa). Da stellen sich leichte Minderwertigkeitsgefühle ein. Muss man sich -und diese Frage kommt immer dann, wenn man Mitmenschen begegnet, die sich fortbewegen ohne Stöcke in der Hand – muss man sich also das wirklich antun?

Da ist jetzt mentale Stärke schwer gefordert und so manches beinahe mitleidvolle Lächeln der stocklosen Spaziergänger gilt es fortan, mit Nonchalance zu begegnen. Es tut gut und ganz ehrlich: Wenn es dann mal etwas forscher bergan geht oder auch abwärts, ist der Stock, was er in seiner ursprünglichen Bedeutung auch sein soll: Eine Stütze im Leben.
Ein Stock fürs Leben
Aber jetzt, in diesen seltsamen Zeiten, in denen beinahe täglich neue Regeln auftauchen, um das Corona-Virus weiterhin einzudämmen trotz all der Lockerungen, hat mein Wanderstock noch eine ganz und gar großartige Verwendung gefunden. Er ist mein Zollstock, mein Gliedermaßstab oder im Sprachgebrauch schlicht Meterstab genannt. Ich sage nur Abstand. Ein Meter nämlich.

Vor ein paar Wochen war das noch nicht so einfach. Da hätte ich einen Speer mitnehmen müssen, wie ihn die Leichtathleten benutzen. Bei einem Gerät, mit dem die Besten der Welt über 90 Meter werfen, wäre ich immer auf der sicheren Seite gewesen mit gut zweieinhalb Metern. Dann wurde der Abstand ja verkürzt auf eineinhalb Meter. Das hätte mit meinem Stock schon geklappt, denn diese „Gehhilfe“, wenn ich das mal so despektierlich sagen darf, hat die wundervolle Eigenschaft der Wandelbarkeit. Sie ist verstellbar in der Länge. Ein anpassungsfähiges Gerät. Für mich sind das jetzt gut 1,20 Meter. Perfekt.

Ich bin somit der ideale Corona-Wanderer. Ich befolge nicht nur alle Vorgaben der Politiker und Virologen, sondern gehe eben nicht mal ohne Abstandsmesser aus dem Haus. So sind mir die Stöcke jetzt schon ein prima Begleiter. Man kann ja nie früh genug damit anfangen.

Autor: sigi.heinrich

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