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Die geplanten Spiele in Tokio werfen viele Fragen auf © SID / Philip FONG

Sigi`s Spitzen: Olympische Spiele in Lappland

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es unter anderem um die anstehenden Olympischen Spiele in Tokio.

Sigi Heinrich

Fast hätte man hören können, wie der große Stein, der ihm im Magen lag, zu Boden polterte. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), verpackte in seiner Grußbotschaft bei der Siegerehrung für die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten vor allem eine große Erleichterung. Aufgrund der gewaltigen Größe dieser Veranstaltung mit 32 Mannschaften standen diese Titelkämpfe nämlich nicht nur sportlich im Fokus. Man war auch gespannt, ob die Blase halten würde, nachdem drei Teams bereits vor Beginn wegen zu vieler Corona-Fälle absagen mussten. Es ging alles gut. Fast alles.

Die Handball-WM war wichtig für die Spiele in Tokio
Möglicherweise hat sich der deutsche Nationalspieler Johannes Golla mit Corona in Ägypten infiziert. Er ist jetzt in Quarantäne für 14 Tage. Es wäre ein Sportler von 3000. Und so konnte Bach mit Recht Lob aussprechen, denn, so der oberste Olympier, man habe sehen können, dass ein Turnier auch dieser Größenordnung in diesen schwierigen Zeiten abgewickelt werden könne.

Verständlicherweise ist das für ihn ein wichtiges Zeichen. Vielleicht sogar ein überlebenswichtiges für die olympische Bewegung, denn beinahe täglich rollen Meldungen aus Tokio heran, die immer mehr eine Absage der olympischen Spiele 2020 (die am 23. Juli 2021 beginnen sollen) zum Inhalt haben. Und postwendend folgen natürlich sowohl vom Organisationskomitee in Tokio als auch vom IOC gegenteilige Nachrichten. Man ist im Austausch, das ist klar. Die Handball-WM war deshalb ein extrem bedeutender Mosaikstein. Ein Hinweis, dass bei entsprechender Planung auch olympische Spiele momentan möglich sein können.
Japanische Bevölkerung gegen Olympia in diesem Sommer
Die natürlich nach wie vor vorhandene Unsicherheit liegt nicht so sehr an Japan selbst. Dort kann man auf einen Inzidenzwert von 50 verweisen. In Deutschland liegt dieser doppelt so hoch. In Italien, wo die Zahlen sinken, steht er bei derzeit knapp unter 150. Es geht die Sorge um, dass ausländische Gäste bei den Spielen wieder vermehrt das Virus einschleusen könnten, weshalb sicher auch die Option vorstellbar ist, dass die Spiele ohne Zuschauer stattfinden könnten. Für die Gastgeber ginge das in die Nähe einer finanziellen Katastrophe, denn die Einnahmen aus dem Ticketverkauf sind existentiell. Für das IOC ist vor allem die Durchführung bedeutend, damit die vereinbarten Fernsehgelder zügig fließen.

Aber noch ist ja Zeit. Ein halbes Jahr. Und wenn dereinst genügend Impfstoff an den Mann und die Frau verabreicht werden kann, dann könnte es ja doch klappen mit Tokio 2020, wie die Spiele auch in diesem Jahr offiziell noch heißen. Die Resonanz dafür freilich in Japan sinkt gerade gegen Null. Laut Umfragen wollen nur noch 16 Prozent der Japaner, dass die Spiele durchgeführt werden. Man solle sich, so die vorherrschende Meinung, für 2032 bewerben.
Salla bewirbt sich für Olympia
Doch die Konkurrenz für diesen Zeitraum ist jetzt schon heftig. Mumbai, Jakarta und Istanbul sind Bewerber. Und Salla. Die nach eigenen Angaben kälteste Stadt im finnischen Teil Lapplands bewirbt sich für olympische Sommerspiele und zwar im Winter. Das ist wichtig zu wissen. Was sich anhört wie ein Witz, hat indes einen sehr ernsthaften Hintergrund. In Salla will man mit dieser Kampagne auf den Klimawandel aufmerksam machen, denn so, die Einwohner von Salla, wenn man nicht aufpasse, seien olympische Sommerspiele bald auch am Polarkreis möglich. Ein Augenzwinkern mit ernstem Hintergrund, verbunden mit einem gut gemachten Video und noch einer zweiten Botschaft. Der Kampf gegen Corona hat nämlich andere große Probleme der Menschheit wie den Klimawandel in den Hintergrund geschoben. Für dieses Jahr ist es zu früh. Salla ist noch nicht bereit anstelle von Tokio in die Bresche zu springen. Noch nicht. Obwohl die Option Sommer nicht vergessen werden sollte, denn die Sommer sind, typisch für Lappland, sehr warm. Wie in Tokio.

Autor: sigi heinrich

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