Q Sport Mix

Die Ski-WM in Cortina d'Ampezzo war ein großer Aufwand. © APA/afp / FABRICE COFFRINI

Sigi`s Spitzen: Teure Partys für den Sport

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute wirft er einen Blick zurück auf die Ski- und Biathlon-WM.

Man kennt das ja. Alles wird organisiert, was gut sein könnte für die Gäste, die man eingeladen hat. Feinste Speisen gibt es, das Silber kommt frisch poliert auf den Tisch, die Gläser werden mit einem Spezialtuch behandelt, so dass auch nicht das kleinste Stäubchen zu sehen ist. Die Tischordnung steht endlich. Es ist angerichtet. Und selbst freut man sich auch ein wenig auf die bevorstehende Party, schließlich hat man sogar die Reserven geplündert, damit wirklich auch alles funktioniert.


Doch wie das oft der Fall ist: Nach dem Fest kommen die Kopfschmerzen. Gut, man hat viel Lob erhalten. Toll sei alles gewesen, wirklich super. Einwandfrei. Doch ja, man käme natürlich sofort gerne wieder. Aber selbst hatte man nichts von der Fete. In Cortina d´Ampezzo fielen für die Gastgeber ein paar Brotkrumen ab. Zwei Medaillen. Eine im sowieso skandalösen Parallelslalom durch Marta Bassino und immerhin eine schöne im Riesenslalom durch Luca De Aliprandini.

Bei seiner Abschlussrede, die zu einem großen Fest natürlich gehört, bevor alle sich wieder in alle Winde zerstreuen, konnte FISI-Präsident Flavio Roda seine Enttäuschung dann auch nicht verbergen. Immerhin war es irgendwie eine geglückte Generalprobe für die olympischen Wettbewerbe, die man in Venetien 2026 organisieren darf. Sonst: Außer Spesen nicht viel gewesen.

Großveranstaltungen von Steuerzahlern finanziert
Apropos Spesen. Wer zahlt jetzt eigentlich den ganzen Zauber und wessen Idee war es eigentlich, die halbe Welt einzuladen? Die erste Frage ist leicht zu beantworten: Am Ende zahlt immer der Bürger, der Steuerzahler, denn mit schwarzen Zahlen ist noch nie einer aus einer Riesenfete herausgekommen. Und die Idee? Das Volk war es nicht. Das wird bei solchen Größenordnungen selten gefragt und wenn, dann folgte in der Vergangenheit meist eine klare Ablehnung. In der Regel hecken Funktionäre verschiedener Einrichtungen und Verbände solche Veranstaltungen aus, gemeinsam mit Politikern (zwecks Sicherung des Etats und so). Dann bewirbt man sich bei jener Institution, die sich erst die Hände reibt und dann frohlockt und dann den Zuschlag gibt. Und dann hat man den Salat. Das Hauptargument, das bei den Partygesprächen stets zu vernehmen ist, heißt Wertschöpfung für die Region und für das Land. Mindestens. Dazu die wieder von den Bürgern bezahlten Investitionen an Infrastrukturmaßnahmen, die fließen, weil Wertschöpfung eben und so. Das funktioniert tatsächlich.

Lustig war das Ende der Party auch in Slowenien nicht. Dort hatte man die Biathlon-Welt zu einer fast vierzehntägigen Sause eingeladen. Der Tisch war reichlich gedeckt, die Organisation klappte vorzüglich. Die Salami kam hauchdünn geschnitten auf den Tisch, die Suppe war warm und schön sämig, das Hirschfilet rosa gebraten. Wie es sich gehört. Bitte Platz nehmen. Für die Gastgeber selber blieb kein Stuhl übrig. Slowenien ging gänzlich leer aus. Keine Medaille. Aber nett war`s. Und die Kosten: Der Staat, der Bürger also. Das scheint eine schier unerschöpfliche Geldquelle zu sein. Und es ist wohl auch so.

Und wessen Idee war das eigentlich in Slowenien? Der Biathlon-Verband des Landes hatte sich beworben, vorher die Politik abgeklopft bezüglich finanzieller Absicherung, falls es in diesem Bereich Verluste geben sollte. Doch alleine dieses Ansuchen ist ein Witz, denn Gewinn gibt es nicht bei solchen Festen. Der Veranstalter zahlt immer drauf, beziehungsweise lässt draufzahlen.
23 Milliarden Euro Verlust für die Olympischen Spiele
In Tokio etwa rechnet man für die Olympischen Spiele 2020 (so weiterhin die offizielle Bezeichnung) in diesem Sommer mit einem Verlust von 23 Milliarden Euro. Viermal so viel, wie ursprünglich veranschlagt. Auch die Japaner wurden ja nicht gefragt, ob sie Olympische Spiele haben wollen oder nicht. Sie werden am Ende nur zahlen müssen. Mittlerweile liegt die Ablehnungsquote bei über 80 Prozent. Ob diese Superriesenparty stattfinden wird, das wissen wir noch nicht.

Die Olympischen Spiele in Tokyo sorgen für ein Mega-Minus. © APA/afp / CHARLY TRIBALLEAU

Klar hingegen ist, dass es nicht zu den Kernaufgaben eines Staates gehören kann, solche Großveranstaltungen finanziell abzusichern, im Grunde also sie zu finanzieren. Und doch geht das immer irgendwie so weiter: In dieser Woche startet die nordische Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf. Man rechnet mit einem horrenden Verlust, weil man schließlich die Sportanlagen erneuert hat und so weiter. Und weil statt der normalerweise zu erwartenden 350.000 Zuschauer niemand kommen darf. Weil aber trotzdem Kosten entstehen, hat Klaus King, der Bürgermeister der Marktgemeinde, schon mal eine „Kompensations-WM“ ins Spiel gebracht. 2027 war sein Vorschlag. Dann soll das Konto, das wegen dieser Titelkämpfe jetzt böse im Minus ist, wieder ausgeglichen werden.

Nur so nebenbei: Montreal, das 1976 die Olympischen Spiele ausgetragen hat, schröpfte 30 Jahre die kanadischen Bürger mit einer Sondersteuer, um eine Milliarde Dollar Schulden abzustottern. Partys sind teuer und nicht wenige enden mit einem Katzenjammer.

Autor: sigi.heinrich

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210