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Dorothea Wierer glänzte am Schießstand schon des Öfteren mit echten Schnellfeuereinlagen. © APA/afp / JURE MAKOVEC

Sigi`s Spitzen: Vorbild Dorothea Wierer

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute wirft er einen allgemeinen Blick auf den Frauen-Sport, der fast am Ziel der absoluten Gleichberechtigung angekommen ist.

Sigi Heinrich


Sie jagen uns unerbittlich. Ohne Gnade und Rücksicht auf unsere sensible männliche Seele erobern die Amazonen dieser Welt die schier letzten Bastionen, die uns, dem sogenannten starken Geschlecht, noch geblieben sind. Vor vierzig Jahren haben die von uns so geschätzten und geliebten Damen in der Schweiz die Traditionssportart „Schwingen“ erobert, was schier unvorstellbar schien. In Bayern sitzen sich die Mädels im Dirndl oder auch in der Lederhose an einem Tisch gegenüber zum „Fingerhakeln“. Ja geht`s noch. Ist ihnen nichts, gar nichts heilig? Die Antwort ist einfach. Nein. Die Frauen pflügen mit ausgefahrenen Ellenbogen durch die Sportwelt und sind jetzt fast am Ziel der absoluten Gleichberechtigung angekommen.

Nordische Kombiniererinnen erstmals bei einer WM
In Obersdorf wurde zum ersten Mal eine Weltmeisterin in der nordischen Kombination gekürt und ich muss und darf natürlich ehrlich genug sein um zuzugeben, dass dies mehr als nur logisch ist. Im Langlauf sind sie schon lange dabei, im Skispringen gibt es seit Sochi (2014) auch Olympiasiegerinnen, weshalb die Kombination aus beiden Sportarten nur zwangsläufig endlich auch bei der holden Weiblichkeit angekommen ist. Dabei haben es die Damen nicht leicht, denn gewaltige Skepsis begleitet ihre Aufholjagd, was freilich vor allem damit zusammenhängt, dass die Funktionärswelt im Sport fast ausschließlich aus Männern besteht. Wie auch in der Wirtschaft kommen die Frauen fast nie in Führungspositionen in den Sportverbänden vor.

Die Nordischen Kombiniererinnen bei ihrem 1. WM-Einsatz in Oberstdorf. © APA / GEORG HOCHMUTH


Jetzt werden wieder ein paar Posten frei. Gianfranco Kasper, der Präsident des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) hört auf. Ebenso sucht Peter Schröcksnadel, seines Zeichens der Chef des österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), einen Nachfolger. Keine Nachfolgerin. Das käme ihm oder auch Kasper gar nicht in den Sinn. An Kandidatinnen würde vermutlich nicht mal Mangel herrschen aber in den Gremien, die letztlich diese Posten vergeben sitzen – sie ahnen es – eben auch nur Männer, die wie in den letzten verstaubten englischen Clubs einfach unter sich bleiben wollen.
Frauen-Biathlon wurde anfangs noch belächelt
Ich kann mich noch erinnern, wie das seinerzeit mit Biathlon begann. „Flintenweiber“ wurden die Mädels genannt. Sie schießen. Mit richtiger Munition. Das gehört sich einfach nicht. So war das. Bei den Olympischen Spielen 1992 liefen die Zuschauer bei den Damenrennen noch quer über die Loipe. Es war, ja, respektlos. Das hat sich glücklicherweise massiv geändert. Dorothea Wierer schießt heute besser als die meisten Männer und schneller auch noch. Längst sehen das auch die männlichen Fans wertfrei, erkennen es an, ja freuen sich, wenn Wierer an den Schießstand kommt, weil alle wieder auf eine ihrer Schnellfeuereinlagen hoffen. So ist die anfängliche Vorsicht einer begeisterten Bewunderung gewichen.

Wir werden eines Tages auch noch erleben, wie Frauen etwa im Skispringen die gleichen Weiten erreichen wie die Männer. Die Mädels sind ja nicht zu bremsen. Sie sind beim Klippenspringen dabei und erobern wie selbstverständlich auch die höchsten Gipfel dieser Welt. Bald werden sie auch bei einem Formal-1-Rennen um die Kurven steuern. Und ein Volleyballspiel der Frauen ist mindestens so unterhaltsam wie eines der Männer. Eigentlich ist noch besser, weil längere Ballwechsel stattfinden, denn die Männer versuchen, typisch natürlich, mit Wucht und Kraft den Ball dem Gegner um die Ohren zu hauen. Es gibt vereinzelt sogar Fußballspiele der Frauen, die sehenswert sind. Das alles ist gut so.
Die Grenzen der Gleichberechtigung
Aber es gibt auch Grenzen der Gleichberechtigung, die ich eigentlich beibehalten möchte. Es muss nicht sein, dass wir, die Männer, jetzt auch noch Rhythmische Sportgymnastik betreiben und uns beim Synchron-Eiskunstlaufen in die Damentruppe schmuggeln. Wir haben einfach nicht die göttliche Gabe der Anmut in unseren Genen. Diesen Vorteil sollten wir bitte den Damen lassen. Sie können es einfach besser. Und wir müssen nicht mit gleichen Waffen zurückschlagen. Das schwächt uns eigentlich nur und wir wollen doch das starke Geschlecht bleiben.

Autor: sigi heinrich

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