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Wegen Insolvenzstraftaten verurteilt. © APA/AFP / ADRIAN DENNIS

Boris Beckers größte Niederlage: Haftstrafe für die Tennis-Legende

In Wimbledon gewann er drei Mal das wohl wichtigste Tennis-Turnier der Welt – Nur wenige Kilometer entfernt ist er nun endgültig am Boden. Es ist ein schlimmer Schlag für einen der beliebtesten deutschen Sportler: Boris Becker muss ins Gefängnis.

Zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt die Londoner Richterin Deborah Taylor die Tennis-Legende. Mit 54 Jahren ist der Ausnahmeathlet, der einst aus dem Nichts in den Tennis-Himmel stürmte, nun ganz am Boden angekommen. Er wird direkt in Gewahrsam genommen. Sohn Noah schaut erschrocken zu.


Für Becker ist London endgültig zum Schicksalsort geworden: Seine größten Siege hat er in der britischen Hauptstadt gefeiert, drei Mal das wichtigste Tennisturnier der Welt gewonnen. Auf dem „heiligen Rasen“ von Wimbledon wurde einst aus dem 17-jährigen Deutschen ein Weltstar. Nun ist die Stadt, in der er seit längerer Zeit lebt, untrennbar mit seiner größten Niederlage verbunden. Mindestens 15 Monate muss er in Haft bleiben, bevor er den Rest der Strafe auf Bewährung in Freiheit verbringen darf.

Wie konnte es soweit kommen?
Verwundert fragen sich viele Beobachter, wie es zu diesem Fall kommen konnte. Bereits seit drei Wochen stand fest, dass Becker in vier von 24 Anklagepunkten schuldig ist, das hat eine Jury entschieden. Demnach hat Becker seinem Insolvenzverwalter unter anderem den Besitz einer Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschwiegen und noch auf die Schnelle unerlaubt Hunderttausende Euro auf andere Konten überwiesen.

Nun steht der Weltstar vor den Trümmern seiner Existenz, wie auch sein Anwalt Jonathan Laidlaw in emotionalen Schlussworten beschreibt. „Er hat praktisch nichts mehr“, sagt Laidlaw, als er um ein mildes Urteil bittet. Becker werde keine Arbeit mehr finden und sei auf Unterstützung anderer angewiesen. „Die Marke Becker liegt in Scherben“, betont Laidlaw. Das Verfahren sei ohnehin bereits die größtmögliche Demütigung. Er hatte seinen Mandanten im Prozess nicht gerade freundlich dargestellt. Becker sei naiv und habe unklug gehandelt, aber ein gemeiner Betrüger, als den ihn Anklägerin Rebecca Chalkley porträtiert hatte, sei er nicht. Er könne halt einfach nicht mit Geld umgehen.
„Er ist naiv, aber kein gemeiner Betrüger.“ Jonathan Laidlaw, Anwalt von Boris Becker

Und Becker hatte viel Geld. 25 Millionen US-Dollar Preisgeld hat er in seiner Karriere zwischen 1984 und 1999 verdient. Hinzu kommt etwa die gleiche Summe durch Werbung, wie er vor Gericht schildert. Dass eine solche Menge plötzlich weg ist, darüber zeigt sich Becker überrascht und entsetzt. Er habe sich stets auf Berater verlassen, sagt er aus. Hinzu kommen private Sorgen. Ex-Frau Barbara muss Becker nach der Scheidung Millionen zahlen, auch für seine Tochter Anna Ermakowa bringt er ein Vermögen auf, unterstützt seine derzeitige Ehefrau Lilly, von der er getrennt ist, und den gemeinsamen Sohn Amadeus. Sein Lebensstil ist gehoben, er wohnt in einer angesagten Londoner Gegend.

Gemeinsam mit Lebensgefährtin Lilian de Carvalho Monteiro erschien der Ex-Tennis-Star zur Verhandlung. © APA/afp / ADRIAN DENNIS

In seiner Heimat Deutschland ist Becker immer wieder auch wegen seiner privaten Geschichten zum Ziel von Spott und Schadenfreude geworden – in Großbritannien wird er hingegen nach wie vor hoch geschätzt. Hier kennen ihn die Menschen vor allem als Sportlegende und als Tennis-Experten. Becker ist gefragt, kommentiert auch für die BBC. Ob der 54-Jährige die Arbeit nach seiner Strafe fortsetzen kann, ist offen. Er hat nun 28 Tage Zeit, um gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

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