S+
Alex Weis, Mattia Cona, Lara Pfeifer, Maxi Figl, Nicolò Toffanin (v.l.) bei der Vorstellung in Bozen. © Plopp

T Tennis

Alex Weis, Mattia Cona, Lara Pfeifer, Maxi Figl, Nicolò Toffanin (v.l.) bei der Vorstellung in Bozen. © Plopp

Der TC Rungg und das Abenteuer Serie A1

Der TC Rungg startet am 4. Oktober mit seinen Damen und Herren in die neue Saison der Serie A1. Damit gehört der Verein aus Eppan zu einem bemerkenswert kleinen Kreis: Nur ATA Trentino, CT Palermo, Società Canottieri Casale und Rungg sind in Italien sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern in der höchsten Spielklasse vertreten.

Bei der offiziellen Vorstellung im Sheraton wurde allerdings auch deutlich, wie anspruchsvoll die kommenden Wochen werden. Das Ziel ist bei beiden Teams auch im sechsten Jahr in der A1 dasselbe: der Klassenerhalt. Es gibt im Sport Erfolge, die sich erst auf den zweiten Blick als solche erkennen lassen. Beim TC Rungg ist das vielleicht dieser: Am 4. Oktober beginnt die Serie A1 – und der Verein aus Eppan ist wieder zweimal dabei.


Mit den Damen. Mit den Herren. Vier Vereine in ganz Italien schaffen das in dieser Saison. ATA Trentino, CT Palermo, Società Canottieri Casale – und eben Rungg. Für einen Klub, der einen erheblichen Teil seiner Identität aus der eigenen Nachwuchsarbeit bezieht, ist allein diese Konstellation bemerkenswert.

Bei der offiziellen Mannschaftsvorstellung am Mittwoch im Sheraton wurde deshalb durchaus über Stolz gesprochen. Noch häufiger aber über Arbeit, Schwierigkeiten und darüber, wie schmal in der Serie A1 der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg sein kann.
Moderator Thomas Laconi führte durch die Pressekonferenz, am Rednerpult saßen Präsident Karl Stuefer, der technische Direktor Manuel Gasbarri und Eppans Vizebürgermeister und Sportreferent Massimo Cleva. Sponsoren und Medienvertreter waren gekommen.

Cleva bezeichnete die sportliche Entwicklung des Vereins als „unglaubliches Ergebnis“. Er hob besonders die Arbeit mit den Südtiroler Nachwuchsspielern hervor und nannte Gasbarri und dessen Trainerteam als wesentliche Architekten dieser Entwicklung. Die Serie A1 sei letztlich die Spitze dieser Arbeit.

Ein Klub zwischen Spitzensport und Alltag

Präsident Karl Stuefer erinnerte daran, dass ein Verein wie Rungg aus mehr besteht als aus den Ergebnissen seiner ersten Mannschaften. Er bedankte sich bei Sponsoren, Trainern, Spielern, Mitarbeitern und Gemeinde – und sprach zugleich Themen an, die mit Vorhand und Rückhand wenig zu tun haben.

Die Konzession der Anlage und die europäischen Ausschreibungsbestimmungen beschäftigen den Klub. Rungg sei dabei auf eine tragfähige Zusammenarbeit mit der Gemeinde angewiesen. Sportlich wäre Stuefer bereits mit etwas weniger Dramatik zufrieden. In der vergangenen Saison musste Rungg lange um den Verbleib in der A1 kämpfen. „Ich hoffe, dass es diesmal nicht mehr ganz so knapp wird“, sagte er. Eine Prognose vermied er. Das passt zur Ausgangslage.

Vor allem bei den Herren ist das Format unerbittlich: Vier Gruppen mit jeweils vier Mannschaften, mit Hin- und Rückrunde. Nur der Gruppensieger erreicht das Play-off-Halbfinale. Die Teams auf den Plätzen drei und vier müssen ins Play-out. Stuefer möchte die sportliche Bedeutung der A1 dennoch nicht isoliert betrachten. „Wir wollen trotz des Spitzensports ein Tennisklub für alle bleiben“, sagte er. Was die Trainer von den jüngsten Kindern bis zu den Leistungsspielern leisteten, sei die Grundlage des Vereins.

Gasbarri und die Idee hinter Rungg

Manuel Gasbarri spricht über die Serie A1 gerne über Spieler, die nicht irgendwann für ein paar Sonntage nach Rungg kommen, sondern dort aufgewachsen sind. Alexander Weis. Maxi Figl. Nicolò Toffanin. Mattia Cona. Bei den Frauen Verena Meliss oder Sandra Marciniak. Gasbarri sieht darin einen wesentlichen Teil des Rungg-Modells. Der Verein verfügt über Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die nicht nur auf einer Meldeliste stehen, sondern im Klub trainieren und dort ihren sportlichen Alltag verbringen.

„Vielleicht sind wir in diesem Sinn mehr Mannschaft als manche andere“, sagte Gasbarri. Dass die Arbeit funktioniert, zeigt für ihn auch der Erfolg beim „Trofeo FITP assoluto“, bei dem Rungg als bester Klub Italiens ausgezeichnet wurde. In der A1 wird sich allerdings sehr schnell zeigen, was diese Entwicklung wert ist.

Bei den Herren entscheiden Kleinigkeiten

Der TC Rungg Südtirol Yogurteria trifft auf den großen Titelfavoriten Santa Margherita Ligure mit Spielern wie Fabio Fognini und Andrea Vavassori, CT Zavaglia und CT Palermo. Gasbarri erwartet eine ausgeglichene Gruppe. Santa Margherita verfügt mit Filippo Romano und Luca Castagnola über starke Eigengewächse, Zavaglia mit Daniel Bagnolini und Carlo Alberto Caniato ebenfalls. Palermo bringt neben seiner Qualität noch eine Besonderheit mit: Anfang November kann auf Sizilien möglicherweise weiterhin im Freien gespielt werden, während viele Profis zu diesem Zeitpunkt längst an Hallenbedingungen gewöhnt sind.

Rungg setzt bei seinen Verstärkungen unter anderem auf den Belgier Michael Geerts, den Schweizer Marc-Andrea Hüsler (hab zuletzt zwar seinen Rücktritt bekannt, ist aber gut in Form), Franco Agamenone und Stefano Napolitano. Neu ist Enrico Dalla Valle. Entscheidend wird dennoch sein, was die eigenen Spieler leisten.

Alexander Weis spielte bereits im vergangenen Jahr eine besondere Rolle. Der Bozner verschob einen notwendigen Eingriff am Handgelenk, um der Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt zur Verfügung zu stehen. Zeitweise war er körperlich erheblich eingeschränkt – und spielte trotzdem.

Auch Maxi Figl und Nicolò Toffanin hätten zuletzt große Fortschritte gemacht, sagte Gasbarri. Ihre ATP-Ranglistenpositionen würden ihr derzeitiges Leistungsniveau nur bedingt abbilden. Dazu kommt Mattia Cona. Er debütierte bereits im vergangenen Jahr im Doppel und lebt und trainiert seit drei Jahren in Südtirol. Gasbarri hält ihn besonders auf schnellen Belägen für einen interessanten Spieler – und für eine mögliche Option im Doppel.

Vier Einzel, zwei Doppel: Ein A1-Spieltag kann lang werden. Und er kann sich innerhalb weniger Minuten drehen. „Die Mannschaften liegen sehr eng zusammen“, sagte Gasbarri. „Oft entscheiden wenige Punkte.“ Das große Ziel formuliert er deshalb ohne Umwege: in der A1 bleiben.

Bei den Frauen wird das Personal zum Problem

Noch heikler ist die Situation beim TC Rungg Südtirol Kiku. Gegner sind Canottieri Casale, CT Palermo und TC Parioli. Bei den Damen erreichen die ersten beiden Mannschaften der Gruppe das Play-off-Halbfinale, die beiden anderen müssen ins Play-out. Drei Einzel und ein Doppel werden pro Begegnung gespielt.

Gerade die Vivaio-Positionen bereiten Gasbarri Sorgen. Lara Pfeifer hat zwei Eingriffe am Handgelenk hinter sich. Sie schlägt wieder Bälle, ist aber noch nicht vollständig zurück. Silvia Ambrosio trainiert ebenfalls, kurzfristig ist nach Einschätzung Gasbarris jedoch nicht mit einem Einsatz zu rechnen. Wann sie wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehen kann, ist offen. Damit wird Verena Meliss noch wichtiger. Gasbarri formulierte es anschaulich: Meliss werde wohl öfter „die Zähne zusammenbeißen“ müssen.

Gleichzeitig soll Sandra Marciniak weiter an das Niveau der Serie A1 herangeführt werden. Die junge Spielerin steht damit exemplarisch für den Weg, den Rungg gehen möchte: Talente nicht nur melden, sondern entwickeln. Neu im Aufgebot ist Noma Noha Akugue. Die Deutsche soll einige Begegnungen bestreiten. Mit Angela Fita Boluda, Dalila Ptieri und Camilla Zanolini verfügt Rungg über weitere Optionen.

Nur ist eine A1-Meldeliste eben keine Aufstellung. Turnierkalender, Reisen, Weltranglistenpunkte und die körperliche Verfassung entscheiden Woche für Woche darüber, wer tatsächlich am Sonntag auf dem Platz stehen kann. Das macht die Planung kompliziert.

Sechs Sonntage und eine ziemlich einfache Rechnung

Vom 4. Oktober bis 8. November läuft die Gruppenphase. Sechs Spieltage, Hin- und Rückrunde, kaum Raum für Ausrutscher. Gasbarri weiß, wie schnell sich in dieser Liga eine Saison zuspitzen kann. Im vergangenen Jahr rettete sich Rungg schließlich im Play-out gegen den Park Tennis Club Genua. Es war eine jener Begegnungen, die dem technischen Direktor geblieben sind.

„Wir waren zuletzt oft über den Erwartungen“, sagte er. Das wird wohl auch diesmal notwendig sein. Denn Rungg kann und will die Serie A1 nicht dadurch definieren, möglichst viele prominente Namen für einige Sonntage zusammenzubringen. Der Verein versucht einen schwierigeren Weg: internationale Verstärkungen dort einzusetzen, wo sie notwendig sind, und gleichzeitig den eigenen Spielern Verantwortung zu geben.
Das birgt Risiken. Gerade in einer Liga, in der ein Doppel, ein Tiebreak oder manchmal zwei Punkte über eine ganze Begegnung entscheiden können.

Aber es erklärt auch, weshalb diese Pressekonferenz im Sheraton letztlich weniger von großen Versprechen als von Arbeit handelte. Rungg möchte in der Serie A1 bleiben. Und dabei möglichst Rungg bleiben.

Schlagwörter: Tennis TC Rungg Plopp

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH