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Matteo Berrettini hat italienische Sportgeschichte geschrieben. © APA/afp / GLYN KIRK

Die besondere Geschichte des römischen Überfliegers

Die italienische Sport-Bewegung erfährt zurzeit einen regelrechten Boom. Die Fußball-Nationalmannschaft steht im EM-Finale, jene im Basketball hat sich sensationell für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert – und die Tennis-Herren sorgen für noch nie dagewesene Erfolge. Allen voran Matteo Berrettini, der als erster Italiener das Wimbledon-Finale erreicht hat.

Am 12. April 1996 in Rom geboren, entdeckte Matteo Berrettini erst durch seinen zwei Jahre jüngeren Brüder Jacopo, aktuell Weltranglisten-448., seine Liebe zum Tennis. Zu Beginn sprang der Funke aber nicht so wirklich über, sodass Berrettini seinen Tennisschläger in die Ecke stellen wollte. Basketball und Judo gefiel ihm besser. Von einem Wechsel wurde er aber von Bruder Jacopo abgehalten, der drohte, ebenfalls aufzuhören. „Er sah keine Zukunft“, meint der 22-Jährige.


So spielte Berrettini weiter – und meldete sich in Rom bei einer Tennisschule an. Zunächst beim Circolo della Corte dei Conti, ab 2011 beim renommierten Circolo Canottieri Aniene, wo ihn ein gewisser Vincenzo Santopadre unter seine Fittiche nahm. Die Zusammenarbeit mit dem 49-Jährigen, der in seiner aktiven Laufbahn höchstens die Nummer 100 der Welt war, dauert bis heute an – und hat jetzt, mit dem Wimbledon-Finale, seinen vorzeitigen Höhepunkt erreicht. In Berrettinis Karriere ging es jedoch nicht immer stetig steil nach oben.

Gemächlicher Aufstieg
Bei seinem 20. Geburtstag rangierte der 1,96m-Hüne nämlich nur auf Rang 536 der Weltrangliste. Zu diesem Zeitpunkt hatten seine jüngeren Landsleute Jannik Sinner und Lorenzo Musetti die Top-100 längst geknackt. Auch im Junioren-Bereich stach Berrettini nicht aus der breiten Masse heraus. Grund dafür waren zahlreiche Verletzungen, die seinen Aufstieg verlangsamten. Anstatt daran zu verzweifeln, ließ sich Berrettini und dessen Team nicht aus der Ruhe bringen. Eine Anekdote: Als sich der Italiener in jungen Jahren an der linken Hand verletzte und seine beidhändige Rückhand deshalb nicht trainieren konnte, spielte er mehrere Monate nur Slice. Ein Schlag, den er heute so gut wie wenige andere beherrscht. Und ein Schlag, der mitverantwortlich ist, dass sein Spiel auf Rasen dermaßen gut funktioniert.

Jacopo und Matteo Berrettini sind ein eingeschworenes Team. © Matteo Berrettini


Nennenswerte Erfolge stellten sich bei Berrettini erst 2017 ein, als er im italienischen San Benedetto seinen ersten Challenger-Titel gewann. Nach zwei weiteren Finals auf dieser Ebene beendete er die Saison auf Rang 135. Infolgedessen ging es stetig bergauf. Zuerst nahm er bei den Australian Open erstmals an einem Grand-Slam-Turnier teil, wenige Monate später holte er in Gstaad seinen ersten ATP-Titel. Es sollte ein Vorgeschmack auf die Saison 2019 sein, in der er nicht nur das US-Open-Halbfinale erreichte, sondern sich auch sensationell für die ATP-Finals qualifizierte. Jene, die ihn zu diesem Zeitpunkt als „Eintagsfliege“ bezeichneten, ließ er – nach einer komplizierten Corona-Saison 2020 – schnell verstummen. Obwohl der Körper auch in diesem Jahr streikte.
Gelingt der ganz große Wurf?
Denn zum Achtelfinale der diesjährigen Australian Open konnte er wegen einer Bauchmuskelverletzung nicht antreten. Berrettini pausierte – und kam stärker denn je zurück. Mit seinen Aufschlag und der Vorhand, die in der ATP-Tour ihresgleichen suchen, reihte er ein Erfolgserlebnis an das nächste. Beeindruckend dabei: Seine Konstanz. Von 28 Partien gewann er deren 25. Die Beständigkeit gipfelte nun in Wimbledon, wo er sich mit einem weiteren Sieg endgültig unsterblich machen könnte – zumindest in Italien. Denn ein Wimbledon-Titel würde die ohnehin große Euphorie um Berrettini weiter erhöhen. Gegner ist aber kein Geringerer als die Nummer 1 der Welt Novak Djokovic.

Schlagwörter: Tennis

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