
Ein Bild aus dem Vorjahr. © D. & A. Runggaldier
Die üblichen Verdächtigen und die Hoffnung auf einen Heimsieg
Am Sonntag beginnt im Tenniscenter von Wolkenstein die achte Auflage des mit 15.000 Dollar dotierten ITF-Turniers. Die Vorjahresfinalisten Sandro Kopp und Filippo Romano zählen erneut zu den Titelanwärtern. Doch auch die Südtiroler wollen auf dem schnellen Grödner Hallenbelag ein gewichtiges Wort mitreden. Zwei heimische Nachwuchstalente stehen vor einer besonderen Bewährungsprobe.
21. Oktober 2026
Von: pm
Das Herrenturnier in Wolkenstein bildet den Auftakt zu gleich drei internationalen Tennisveranstaltungen, die bis Jahresende im Grödnertal über die Bühne gehen. Ab dem 22. November übernehmen die Damen das Kommando. Zunächst steht vom 22. bis 28. November in St. Ulrich ein mit 40.000 Dollar dotiertes ITF-W50-Turnier auf dem Programm, ehe der internationale Tenniszirkus vom 29. November bis 5. Dezember nach Wolkenstein weiterzieht. Auch dort kämpfen die Spielerinnen und dasselbe Preisgeld und dieselben Weltranglistenpunkte. Damit wird das Grödnertal innerhalb weniger Wochen gleich dreimal zum Schauplatz internationalen Spitzentennis.
Die Favoriten beim Herrenturnier in Wolkenstein sind alte Bekannte, die Bedingungen speziell und die Vorfreude groß: Wenn am Sonntag im Tenniscenter von Wolkenstein die ersten Bälle geschlagen werden, geht eines der traditionsreichsten internationalen Tennisturniere Südtirols in seine achte Auflage. Vom 25. Oktober bis 1. November macht die ITF World Tennis Tour erneut im Grödnertal Station. Gespielt wird um 15.000 Dollar Preisgeld und wertvolle Punkte für die ATP-Weltrangliste.
Die Favoritenrolle ist schnell verteilt. Sandro Kopp aus Schwaz in Tirol und Filippo Romano, die sich bereits im vergangenen Jahr im Endspiel gegenüberstanden, gehören erneut zum engsten Kreis der Titelanwärter. Damals behielt der Österreicher Kopp mit 6:4, 7:6(4) die Oberhand und feierte seinen zweiten Triumph in Wolkenstein. Romano musste sich im Einzel mit Platz zwei begnügen, durfte dafür aber an der Seite von Gabriele Volpi über den Doppeltitel jubeln. Doch wer glaubt, dass die beiden Vorjahresfinalisten den Turniersieg unter sich ausmachen werden, könnte sich täuschen. Gerade die Südtiroler und Trentiner haben auf dem schnellen Hallenbelag einiges vor.
Fellin liebt die besonderen Bedingungen
Allen voran Pietro Orlando Fellin. Der Brixner kennt die Eigenheiten der Grödner Tennishalle bestens. Der schnelle Belag und die Höhenlage kommen seinem druckvollen Spiel mit starkem Aufschlag und gefährlicher Vorhand entgegen. Dass mit ihm zu rechnen ist, bewies Fellin erst in der vergangenen Woche, als er im ungarischen Szabolcsveresmart auf Hartplatz das Finale eines mit 15.000 Dollar dotierten ITF-Turniers erreichte.2018 spielte noch Jannik Sinner (4. von links) mit (Foto: D. & A. Runggaldier).
Beste Erinnerungen an Wolkenstein hat auch Giovanni Oradini. Der erfahrene Spieler aus Rovereto stand bereits 2024 im Endspiel und lieferte damals eines der denkwürdigsten Matches der Turniergeschichte. Gegen Andrea Guerrieri, der inzwischen auf Platz 166 der ATP-Weltrangliste vorgestoßen ist und bei Grand-Slam-Turnieren antritt, wehrte Oradini vier Matchbälle ab, ehe er sich zum Sieger krönte. Auch Stefano D'Agostino aus Riva del Garda ist mit seinem starken Aufschlag und seiner druckvollen Vorhand einiges zuzutrauen. Mit Manuel Plunger aus Partschins steht ein weiterer Südtiroler direkt im Hauptfeld. Dazu gesellen sich mit Maxi Figl, Nicola Rispoli und Daniel Lechner weitere bekannte Gesichter aus der regionalen Tennisszene.
Zwei Grödner Routiniers erhalten ihre Chance
Besonders groß dürfte das Interesse des heimischen Publikums an Patric Prinoth und Erwin Tröbinger sein. Die beiden 30-jährigen Grödner, die das heimische Tennis in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt haben, erhalten erneut eine Wildcard für das Hauptfeld. Für sie ist das Heimturnier längst eine Herzensangelegenheit. Vor den eigenen Fans dürfen sie sich wieder mit internationaler Konkurrenz messen.Auch in der Qualifikation setzt der veranstaltende TC Gherdëina bewusst auf Talente aus der Region. Daniel Haller aus Ratschings, der für den Grödner Verein spielt, erhält ebenso eine Wildcard wie der Vahrner Fabian Hinteregger von Tennis Brixen. Hinteregger trainiert regelmäßig mit der Grödner Trainingsgruppe und steht vor seinem ersten Auftritt auf der ITF World Tennis Tour.
Haller ist dagegen bereits einen Schritt weiter. Im vergangenen Jahr durfte er in Wolkenstein erstmals Qualifikationsluft schnuppern und hinterließ dabei einen guten Eindruck. Beide Nachwuchsspieler kennen die schnellen Bedingungen und fühlen sich auf diesem Untergrund wohl.
Die dritte Qualifikations-Wildcard geht an den 20-jährigen David Simoncelli vom CT Rovereto. Seine Einladung unterstreicht zugleich die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen und ihren Cheftrainern Stefano Bassetto und Luca Stoppini. Die gegenseitige Wertschätzung findet damit auch auf sportlicher Ebene ihren Ausdruck.
Von Sinner bis Riedi: ein Turnier mit Geschichte
Die Geschichte des Turniers reicht bis ins Jahr 2018 zurück. Die ersten beiden Auflagen wurden noch im Sommer auf Sand in St. Christina ausgetragen. Nach der coronabedingten Pause 2020 erfolgte 2021 der Umzug in die Tennishalle von Wolkenstein. Seither hat sich das Turnier mit seinen besonderen Bedingungen einen festen Platz im internationalen Turnierkalender erarbeitet.Ein Blick auf die Siegerliste zeigt, welche Spieler im Grödnertal bereits ihre Spuren hinterlassen haben. 2018 gewann der Deutsche Peter Heller das Premierenfinale gegen einen gewissen Jannik Sinner. Der damals 17-jährige Sextner blieb allerdings nicht ohne Titel: Gemeinsam mit Giacomo Dambrosi gewann er den Doppelbewerb. Alexander Weis erreichte im Einzel das Halbfinale.
2019 triumphierte der Argentinier Facundo Díaz Acosta. Nach dem Neustart in Wolkenstein holte sich 2021 der Schweizer Leandro Riedi den Titel, ehe 2022 Sandro Kopp erstmals zuschlug. Ein Jahr später schrieb Stefano Napolitano Geschichte: Mit seinem Finalsieg gegen Adrian Ötzbach wurde er bei der fünften Auflage zum ersten italienischen Einzelsieger.
2024 folgte Oradinis spektakulärer Triumph nach vier abgewehrten Matchbällen. Im Doppel sorgten damals die Cousins Christian und Pietro Orlando Fellin aus dem nahen Brixen für einen besonderen Moment: Gleich bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt holten sie den Titel. Im vergangenen Jahr schlug schließlich erneut Kopp zu. Nun kehrt der Österreicher als Titelverteidiger ins Grödnertal zurück.
Am Samstag wird ausgelost
Hinter den Kulissen laufen unterdessen die letzten Vorbereitungen. Das Team des TC Gherdëina um Präsident Ingo Mair, den Vater von Tennisspielerin Laura Mair, das Trainerteam rund um Stefano Bassetto und der langjährige Turnierdirektor Wolfgang Wanker sorgen dafür, dass die internationale Tenniswoche reibungslos über die Bühne geht. Am Samstag werden die Turniertableaus ausgelost. Am Sonntag beginnt die Qualifikation, am Montag greifen die Spieler des Hauptfeldes ins Geschehen ein.Die Ausgangslage verspricht Spannung. Kopp und Romano wollen ihre Vorjahreserfolge bestätigen, Oradini hat beste Erinnerungen an Wolkenstein und Fellin könnte von den speziellen Bedingungen profitieren. Dazu kommen die Grödner Lokalmatadore und eine Reihe junger Talente, die auf der internationalen Bühne ihre Chance suchen. An Geschichten dürfte es in der kommenden Woche jedenfalls nicht fehlen. Und vielleicht gelingt einem Südtiroler ausgerechnet vor heimischem Publikum der große Coup.
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