
Jenson Brooksby trifft auf Jannik Sinner. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / ELSA
Ergreifende Lebensgeschichte: Das ist Sinners Gegner
Die dritte Runde ruft: Jannik Sinner wird am Freitag in Wimbledon auf die große Bühne zurückkehren – und zwar gegen einen Gegner, der eine ergreifende Lebensgeschichte erzählen kann.
02. Juli 2026
Von: det
Er ist noch nicht ganz der Alte, doch das Wichtigste ist: Jannik Sinners Siegesmaschinerie läuft in Wimbledon. Nach zähen Matches in den ersten beiden Runden trifft der Sextner am Freitag auf den US-Amerikaner Jenson Brooksby, aktuell die Nummer 81 der Welt. Sinner und der Mann aus Kalifornien standen sich bis dato erst ein Mal gegenüber, und zwar 2021 im Halbfinale des ATP-500-Turniers in Washington, das Sinner in zwei Sätzen gewann.
Was der Südtiroler – und der Rest der Tenniswelt – damals noch nicht wusste: Brooksby hat eine bewegende Lebensgeschichte. Vor anderthalb Jahren, im Dezember 2024, lüftete der US-Boy nämlich ein Geheimnis, das bislang nur seine engsten Vertrauten kannten: Er hat Autismus, eine Entwicklungsstörung, die soziale Interaktion und Kommunikation beeinträchtigt. Im Fachjargon spricht man von einer Autismus-Spektrum-Störung, weil die Ausprägungen stark variieren.
Erst mit vier Jahren sprach er seine ersten Worte
Brooksby leidet seit Kindheitstagen daran. Wie er in seinem großen Enthüllungsinterview mit der AP erklärte, habe er kein Wort gesprochen, bis er vier Jahre alt gewesen sei. „Als Kind verbrachte ich rund 40 Stunden pro Woche mit Therapeutinnen. Zuerst, um zu lernen, überhaupt zu reden. Dann, um mich in der Kommunikation und in sozialen Situationen zu verbessern“, so der heute 25-Jährige.Jenson Brooksby will Sinner ärgern. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / ELSA
In einem Instagram-Posting, in dem er sein Geheimnis lüftete, bedankte sich Brooksby vor allem bei seiner Mutter. „Sie gab nie auf und unternahm alles, um mir zu helfen. Ohne sie wäre ich nie dort, wo ich heute stehe. Ich hatte das Glück, Eltern zu haben, die sich weigerten, aufzugeben.“ Er sprach öffentlich darüber, um Familien mit Kindern mit ähnlichen Problemen zu inspirieren, immer weiterzumachen.
Autismus als Stärke und Schwäche
Trotz dieses Schicksals schaffte es Brooksby, Tennisprofi zu werden – und er war sogar schon mal die Nummer 33 der Welt. „Mein Gehirn ist so veranlagt, sich auf weniger Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, dafür aber besonders intensiv. Während andere Kinder vielleicht ein paar Minuten lang etwas machten und dann zum Nächsten übergingen, konnte ich problemlos eine Stunde lang Tennisbälle gegen das Garagentor schlagen. Ich konnte mich nicht nur darauf konzentrieren – ich hatte auch einfach große Freude daran. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich in den Tennissport verliebt habe.“Jenson Brooksby war schon die Nummer 33 der Welt. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / ELSA
Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. „Auf dem Platz wirkt sich der Autismus vor allem auf meine Sinneswahrnehmung aus. Mein Gehirn reagiert empfindlicher auf Dinge wie Zuschauergeräusche als das der meisten Menschen. Geräusche haben mich mein ganzes Leben lang leichter abgelenkt und bleiben oft länger in meinem Kopf“, so Brooksby. Außerdem hat er öfter mit Wutausbrüchen zu kämpfen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er will.
Es wird auf jeden Fall ein besonderes Match werden für Jannik Sinner, der am Freitag auf Brooksby trifft. Für den Sextner Superstar zählt nur eins: Der Einzug ins Achtelfinale. Noch steht nicht fest, wann die Partie steigt.
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