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Jannik Sinner kassierte eine bittere Niederlage. © APA / GEORG HOCHMUTH

Jannik Sinner wird in Wien zur tragischen Figur

Am Freitag hat Jannik Sinner gegen Casper Ruud einen denkwürdigen Sieg gefeiert, der ihn nicht nur ins Halbfinale des ATP-500-Turniers in Wien beförderte, sondern auch erstmals in die Top 10. Nur wenige Stunden später kassierte er jedoch eine der bittersten Niederlagen seiner jungen Karriere.

Der Tennis-Sport kann faszinierend und brutal zugleich sein. Das wurde Jannik Sinner am Samstagnachmittag in Wien einmal mehr vor Augen geführt. Im Halbfinal-Duell gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe (ATP 49) sah der Sextner nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit wie der sichere Sieger aus, führte mit 6:3, 5:3 und konnte zum Matchgewinn servieren. Doch dann passierte das Unerklärliche.


Plötzlich verlor der bis dahin bärenstark spielende Sinner komplett den Faden, wurde nervös, machte Fehler, baute seinen schon am Boden liegenden Gegner wieder auf und verlor so ein Match, das er eigentlich schon für sich entschieden hatte. Am Ende gewann Publikumsliebling Tiafoe mit 3:6, 7:5, 6:2 und zieht ins Finale ein, wo er am Sonntag um 14 Uhr auf Alexander Zverev trifft.

Sinner gratuliert Tiafoe zum Sieg. © APA/afp / VLADIMIR SIMICEK


Für Sinner ist es indes eine der bittersten Niederlagen, die er in seiner Karriere kassiert hat. Die aber zeigt: Auch der Pusterer ist nur ein Mensch, und mit seinen 20 Jahren ein extrem junger noch dazu. Mit einem Blick auf die Weltrangliste kann sich der Sextner jedenfalls trösten: Ab Montag wird er an Position 9 aufscheinen und somit erstmals in den Top 10 sein.
Sinner spielt bärenstark, doch dann...
Nichtsdestotrotz wird Sinner an dieser Niederlage noch zu knabbern haben – und sich die Frage stellen: Wie konnte es dazu kommen? Gegen Tiafoe, der in Wien durch die Quali gehen musste und überraschend im Halbfinale stand, machte der Youngster eine Stunde lang da weiter, wo er am Freitag gegen Casper Ruud aufgehört hatte. Zwar brauchte er einige Punkte, um den Motor auf Betriebstemperaturen zu bringen, doch dann spielte er seinen Gegenüber mit der überragenden Vorhand und den gefürchteten Grundlinienschlägen an die Wand. Die Folge: Im fünften Game holte sich der 20-Jährige das Break, zog auf 4:2 davon und machte mit einem weiteren Break den Satz zum 6:3 zu.

Hier war für Sinner die Welt noch in Ordnung. © ANSA / CHRISTIAN BRUNA


Seine beste Phase hatte er jedoch zu Beginn des zweiten Satzes, in der er hervorragend retournierte und „Big Foe“ bei dessen Aufschlägen die Luft zum Atmen nahm. Weil auch der eigene Service wie aus einem Guss kam, zog Sinner auf 5:2 davon und schlug beim Stand von 5:3 schließlich zum Matchgewinn auf. In der Wiener Stadthalle dachte zu jenem Zeitpunkt wohl niemand mehr, dass der Südtiroler dieses Ding noch aus der Hand geben würde. Auch Tiafoe schien ratlos zu sein: Nach einem überragenden Punkt von Sinner rannte er zu einem Fan und lehnte den Kopf ungläubig an dessen Schulter an.
Eine beeindruckende Serie geht zu Ende
Genau solche Aktionen machten den US-Boy beim Publikum beliebt. Und so wurde er von den Fans nach vorne gepeitscht, als er Sinner den Aufschlag abnahm und von 3:5 auf 5:5 ausglich. Anschließend gab der nun sichtlich nervöse Sinner erneut den Service ab und plötzlich war Tiafoe mit dem Satzgewinn zum 7:5 wieder voll im Spiel.

Tiafoe klatscht mit dem Publikum ab: Die Fans peitschten ihn nach vorne. © APA / GEORG HOCHMUTH


Das wurde auch im dritten Satz deutlich: Während der Pusterer den Faden nun komplett verloren hat und zahlreiche Fehler einstreute, wurde sein Gegenüber mit jedem Punkt stärker. Dank eines Breaks zog Tiafoe auf 3:1 davon und ließ den Jungstar in der Folge nicht mehr herankommen. Nach 2.18 Stunden war die Sensation perfekt – und Sinners beeindruckende Serie beendet: Zuletzt gewann er nämlich bei Hallenturnieren 11 Spiele (und zwei Turniere) in Folge. Das 12. wäre zum Greifen nahe gewesen.

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