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Jannik Sinner steht im Achtelfinale. © APA/afp / MARTIN KEEP

Mega-Comeback: Sinner macht’s wie Murray

Andy Murray hat am Donnerstag bei den Australian Open einen 0:2-Satzrückstand wettgemacht und ein episches Duell gegen Thanasi Kokkinakis nach fast sechs Stunden Spielzeit (!) gewonnen. Jannik Sinner hat sich davon offenbar inspirieren lassen, denn tags darauf ist dem Südtiroler das gleiche Kunststück gelungen.

Von:
Leo Holzknecht

Bisher hatten sich Sinner und Fucsovics drei Mal begegnet – zwei Mal in einem Grand Slam. Der Ungarn behielt in beiden Matches die Oberhand. Ein Umstand, den Sinner unbedingt ändern wollte. Angesichts der bisher gezeigten Leistungen schien dies durchaus möglich: Der 21-Jährige hatte seine zwei Partien locker gewonnen, während Fucsovics einmal in den vierten und einmal in den fünften Satz musste. An diesem Tag war in der Margaret Court Arena jedoch nichts von einem großen Unterschied zu erkennen. Der Osteuropäer war lange Zeit derjenige Akteur, der besser spielte, cleverer auftrat und sich auf der Siegerstraße befand. Doch Sinner legte seine alt bekannten Tugenden an den Tag, blieb dran, wartete auf ein Nachlassen seines Gegners und drehte selber auf. Das Ergebnis: 4:6, 4:6, 6:1, 6:2 und 6:0. Es war das erste Mal, dass Sinner einen 0:2-Satzrückstand zu seinem Gunsten drehte.


Dass Sinner in der zweitgrößten Arena im Melbourne Park nicht seinen besten Tag erwischte, wurde in den Anfangsminuten ersichtlich: Er begann mit einem Doppelfehler, kassierte im ersten Anlauf das Break und haderte mit der Präzision seiner Grundschläge. Vor allem die Vorhand klemmte ungemein. Allein im ersten Satz unterliefen ihm zehn Fehler auf dieser Seite. Und so kam es, dass Fucsovics, der die Break-Führung sofort wieder abgab, diese sich später aber wieder zurückholte, den ersten Satz ohne allzu große Probleme mit 6:4 gewann.

Lange sieht es nicht gut aus

Der Ungar trat seinerseits nicht makellos auf, doch er hatte sich eine Taktik zurechtgelegt, die Sinner in den Wahnsinn trieb. Er konterte die harten Grundschläge immer wieder mit Slices, mit denen Sinner herzlich wenig anzufangen wusste. Die Konsequenz waren viele vermeidbare Fehler, weil der Südtiroler überpowerte. Gleichzeitig übernahm Fucsovics immer dann das Kommando, wenn Sinner (zu) kurze Bälle einstreute. Eine Änderung dieses Bildes bekamen die Zuseher auch im zweiten Satz nicht zu sehen: Der Schützling von Darren Cahill und Simone Vagnozzi wandelte zwar zwischenzeitlichen einen 1:3-Rückstand in eine 4:3-Führung um, kassierte in der Folge aber das nächste Break, das den Durchgang entschied.

Machte Sinner das Leben schwer: Marton Fucsovics © ANSA / LUKAS COCH


Nun stand der Sextner mit dem Rücken zur Wand. Ans Aufgeben dachte er aber nicht – das ist für ihn keine Option. Stattdessen versuchte Sinner, nach Lösungen zu suchen, um irgendwie die Wende herbeizuführen. Das gelang. Als Schlüssel erwies sich das dritte Game des dritten Satzes, als Südtirols Sportler des Jahres eine Breakchance abwehrte und so auf 3:0 davonzog. Mit deutlich größerem Selbstvertrauen spielte er anschließend so, wie in den ersten zwei Runden. Fucsovics konnte dem nichts entgegensetzen – Sinner machte mit 6:1 kurzen Prozess.

Jetzt gegen Tsitsipas

Der Weltranglisten-78. nahm sich daraufhin eine lange Pause. Eine, die kurzzeitig die gewünschten Früchte trug. Fucsovics breakte – auch dank eines extrem glücklichen Netzrollers – gleich zu Beginn. Doch Sinner ließ nicht locker, reagierte umgehend und ging mit 4:2 in Führung. Jetzt liefen die Grundschläge wie geschmiert, dem müde werdenden Fucsovics flogen die Bälle regelrecht um die Ohren. Sinner gewann zwölf Games (!) in Folge und erteilte seinem Gegner im Schlusssatz mit 6:0 die Höchststrafe. Erleichtert lächelte Sinner nach dreieinhalb Stunden in seine Box. Im Achtelfinale bekommt er es nun mit Stefanos Tsitsipas (ATP 4) zu tun, der Tallon Griekspoor (ATP 64) klar schlug.

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