
Jannik Sinner steht im Halbfinale. © APA/afp / MARCO BERTORELLO
Mentalitätsmonster Sinner erreicht Halbfinale in Turin
Zweites Match, zweiter Sieg: Jannik Sinner ist bei den ATP Finals voll auf Kurs. Am Mittwochabend fixierte der Südtiroler durch einen nervenstarken Auftritt gegen Alexander Zverev den vorzeitigen Aufstieg ins Halbfinale – und das als Gruppenerster.
12. November 2025
Aus Turin
Von:
Leo Holzknecht
Nach drei fantastischen Matches in Serie bei den ATP Finals hofften die Fans auch im Duell zwischen Jannik Sinner und Alexander Zverev auf einen Leckerbissen. Vor dem Spiel konnten jedoch berechtigte Zweifel erhoben werden, dass es tatsächlich dazu kommen würde. Das lag nicht unbedingt am Deutschen, der in seinem Auftaktmatch gegen Ben Shelton durchaus überzeugt hatte, sondern am Südtiroler, der bei seinen letzten sechs Partien in Turin stets ohne Satzverlust blieb. Diese imposante Serie baute der 24-Jährige an diesem Abend aus – ganz zur Freude der Fans in der Inalpi Arena, die Sinner nach dessen 6:4, 6:3-Sieg mit Sprechchören feierten.
Im Vorfeld der Partie hatte der Schützling von Simone Vagnozzi und Darren Cahill vor dem wuchtigen Zverev-Aufschlag gewarnt. Dabei gehört sein Service längst zu den besten der Tour, wie er im ersten Spiel mit vier (!) Assen unterstrich. Zwei davon vereitelten Zverev-Breakchancen. Danach entwickelte sich ein Spiel, in dem beide Akteure in ihren Servicegames nichts anbrennen ließen. Beim Stand von 5:4 öffnete sich aber für Sinner plötzlich eine Tür. Der Hamburger patzte mit der Vorhand, zudem schloss der Favorit zweimal am Netz souverän ab. Zwar machte Zverev die ersten zwei Satzbälle zunichte, die dritte Chance packte der Sextner aber beim Schopf. Entscheidend erwies sich einmal mehr die Vorhand, die an diesem Abend besser funktionierte als die sonst stabilere Rückhand.
Erstmals wurde es in der Inalpi Arena richtig laut. Auch Juventus-Verteidiger Bremer und Milan-Trainer Massimiliano Allegri freuten sich mit. Sie sahen zum Start des zweiten Abschnittes dann, wie der Publikumsliebling eine scheinbar aussichtslose Situation meisterhaft überstand. Zverev erspielte drei Breakbälle, doch Sinner blieb dran, spielte weiter aggressiv, konnte sich auf seinen Service verlassen und verhinderte einen Aufschlagsverlust. Die Gefahr war damit aber noch nicht gebannt, denn auch beim Stand von 2:2 knabberte Zverev am Break. Wieder antwortete der Publikumsliebling mit einem Ass.
Zverev hadert
Die vergebenen Möglichkeiten rächten sich für den Deutschen: Nur wenige Augenblicke später fand Sinner eine Breakchance vor, die er mit einem punktgenauen Stoppball verwertete. Zverev wirkte bedient, genervt, er kämpfte aber weiter – und hätte kurz darauf zurückbreaken können. An diesem eiskalten Sinner, der sich immer wieder mit dem Service aus der Patsche half, gab es jedoch einfach kein Vorbeikommen. Wie er jedes Mal in den wichtigen Augenblicken hellwach war, war fast schon unmenschlich. Das Ausservieren beim Stand von 5:3 stellte für ihn dann kein Problem mehr dar. Nach 1.36 Stunden beendete er das Match standesgemäß mit einem Servicewinner.Verstehen sich gut: Jannik Sinner und Alexander Zverev © APA/afp / MARCO BERTORELLO
Weil Sinners erster Gegner Felix Auger-Aliassime schon am Nachmittag Ben Shelton bezwungen hatte, steht der Sextner als Gruppenerster fest. Im dritten Vorrundenspiel gegen den US-Amerikaner geht es nun nur noch um Weltranglistenpunkte – und das liebe Geld. Im anderen Match kämpfen Zverev und Auger-Aliassime um das zweite Halbfinalticket.
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