
Bianca Andreescu gewann in Rovereto. © WTA Rovereto
Rovereto: Sieben Jahre später jubelt wieder Bibi
Sie hat große Stadien erlebt, die US Open gewonnen und die Weltrangliste bis auf Platz vier erklommen. Doch wie viel ein Titel bei einem WTA-125-Turnier bedeuten kann, zeigte Bianca Andreescu am Sonntag in Rovereto.
18. Oktober 2026
Von: pm
Nach 1:33 Stunden war ihr 7:6 (2), 6:2 gegen die Tschechin Dominika Salkova perfekt. Die Kanadierin durfte wieder einen Siegerpokal in die Höhe stemmen. Sieben Jahre nach ihren Triumphen von Indian Wells, Toronto und New York.
„Dieser Titel bedeutet mir unglaublich viel“, sagte Andreescu anschließend. „Ich habe viele Herausforderungen und Verletzungen durchgemacht. Es gab Momente, in denen ich aufgeben wollte.“ Nun stand die 26-Jährige wieder ganz oben. „Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte. Ich bin einfach überglücklich.“
Erst in Rücklage, dann unwiderstehlich
Dabei hatte die an Nummer sechs gesetzte Salkova das Endspiel zunächst fest im Griff. Die 22-jährige Weltranglisten-120. spielte mutig, setzte Andreescu unter Druck und zog auf 5:2 davon. Der erste Satz schien zum Greifen nahe.Doch die Kanadierin, derzeit Nummer 168 der Welt, hatte in dieser Woche schon mehrfach bewiesen, dass sie auch aus schwierigen Situationen einen Ausweg findet. Sie steigerte sich, holte den Rückstand auf und übernahm im Tiebreak endgültig das Kommando. Mit 7:2 entschied sie das Entscheidungsspiel für sich.
Im zweiten Durchgang wurde Salkova zusätzlich von körperlichen Problemen gebremst und musste sich wiederholt medizinisch behandeln lassen. Andreescu ließ sich den Titel nun nicht mehr nehmen. Nach dem hart erkämpften ersten Satz brachte sie den zweiten mit 6:2 nach Hause.
Das bis auf den letzten Platz gefüllte PalaBaldresca lieferte dazu den passenden Rahmen. Musik, Show und ein begeistertes Publikum machten den Finaltag zu einem Tennisfest. Und mittendrin stand jene Spielerin, die sich während dieser zweiten Turnierausgabe längst in die Herzen der Zuschauer gespielt hatte.
„Ich komme ganz sicher zurück“
Andreescu gewann in Rovereto weit mehr als fünf Tennismatches. Mit ihrer offenen, herzlichen Art, ihrer Geduld bei Autogrammen und Fotos und ihrer Nähe zu den Fans wurde sie zum Gesicht des Turniers.Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. „Die Menschen hier waren unglaublich herzlich und gastfreundlich. Und dann diese ganze Atmosphäre!“, schwärmte die Kanadierin. Bereits zu Turnierbeginn hatte sie die Stadt und die Umgebung erkundet, die Friedensglocke und eine in den Felsen gebaute Kirche besucht.
Ihr Urteil fiel bemerkenswert aus: Rovereto und das Trentino gehörten zu den fünf schönsten Turnieren und Orten, die sie in ihrer Karriere erlebt habe. „Ich hätte nicht erwartet, dass es mir hier so gut gefällt. Ich komme auf jeden Fall wieder – ob zum Turnier oder für einen Urlaub. Ich komme ganz sicher zurück!“
Dass sie ihren Sport nach all den Rückschlägen wieder bewusster genießen kann, war ihr auch auf dem Platz anzusehen. „Ich weiß diesen Sport immer mehr zu schätzen. Und ich glaube, das sieht man.“
Der Kraftakt gegen Ruzic als Schlüsselspiel
Der Weg zum Titel hatte Andreescu einiges abverlangt. Besonders das Achtelfinale gegen die topgesetzte Antonia Ruzic wurde zur Prüfung. Nach 204 Minuten, Krämpfen und zahlreichen Wendungen setzte sie sich mit 7:5, 3:6, 7:5 durch. Auch damals hatte sie im ersten Satz bereits 2:5 zurückgelegen.Danach nahm ihr Titelzug Fahrt auf: Im Viertelfinale bezwang sie Vorjahresfinalistin Lucrezia Stefanini mit 6:2, 7:5, im Halbfinale Lucie Havlickova mit 6:3, 6:1.
Für zahlreiche Favoritinnen war dagegen früh Schluss gewesen. Keine der ersten vier Gesetzten erreichte das Viertelfinale. Titelverteidigerin Oksana Selekhmeteva verlor bereits zum Auftakt gegen die kroatische Qualifikantin Lea Boskovic. Auch Lisa Pigato und Alina Charaeva mussten ihre Hoffnungen früh begraben.
Mair fehlte wenig zur Überraschung
Aus Südtiroler Sicht blieb vor allem der Auftritt von Laura Mair in Erinnerung. Die 23-jährige Grödnerin, mit einer Wildcard im Hauptfeld, brachte Stefanini an den Rand einer Niederlage. Mair gewann nach verlorenem Auftaktsatz den zweiten Durchgang und führte im dritten mit 5:4. Am Ende fehlte beim 3:6, 6:2, 5:7 nur wenig zur großen Überraschung.Für Lisa Peer verlief die Qualifikation hingegen ernüchternd. Gegen die frühere Weltranglisten-45. Anna-Lena Friedsam blieb die Spielerin des TC Gherdeina beim 0:6, 0:6 ohne Spielgewinn. Auch Finja Matuella aus Seis gehörte dank einer Wildcard zum Qualifikationsfeld. Lokalmatadorin Ana Tamindzic unterlag Brockmann mit 1:6, 1:6, während Elisa Visentin im Hauptfeld auf die spätere Finalistin Salkova traf.
Im Doppel sorgten Noemi Basiletti und Gaia Maduzzi für einen starken italienischen Auftritt. Erst im Halbfinale mussten sie sich den topgesetzten Isabelle Haverlag und Martyna Kubka mit 4:6, 7:5, 7:10 geschlagen geben.
Salkova bleibt auch im Doppel ohne Titel
Für Salkova endete der Sonntag mit einer zweiten Enttäuschung. Nach drei Dreisatzsiegen in Folge auf dem Weg ins Einzelfinale blieb der Tschechin auch im Doppel der Titel verwehrt. Gemeinsam mit Anna Siskova verlor sie das Endspiel der beiden bestgesetzten Paarungen gegen die Niederländerin Haverlag und die Polin Kubka klar mit 1:6, 2:6.Zwischen den beiden Finalpartien rückte das Rollstuhltennis ins Rampenlicht: Der Südtiroler Ivan Tratter und S. Culea zeigten bei einem Schaukampf ihr Können. Den stärksten Eindruck dieser Turnierwoche hinterließ jedoch Andreescu. Eine Grand-Slam-Siegerin, die nach schwierigen Jahren wieder einen Titel gewann – und in Rovereto einen Ort fand, an den sie unbedingt zurückkehren will.
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