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Jannik Sinner ist in der Tennis-Welt in aller Munde. © AFP / TOBIAS SCHWARZ

Sigi's Spitzen: Sinners heldenhafter Auftritt

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute schildert er, wie er den Auftritt von Jannik Sinner bei den US Open erlebt hat.

Sigi Heinrich ist ein TV-Experte.


Ich habe mich mal ein wenig umgehört. Bei den vielen Experten, die derzeit bei Eurosport und im Eurosport-Player oder auf Eurosport 2 die US-Open im Tennis kommentieren. Was denkt ihr über Jannik Sinner? Zusammengefasst gab es eine klare Aussage: „Hochtalentiert. Weltklasse. Jetzt schon.“ Es kann einem Angst und Bange werden um das innere Gleichgewicht des erst 19-Jährigen aus Sexten angesichts fortwährender Lobeshymnen, seit er im Tennis-Zirkus aufschlägt. Doch zum Glück gibt es auch die Meinungen derer, die mit dem Pusterer groß geworden sind.

Als bodenständig und sympathisch bezeichnen sie ihn. Loben seinen Charakter in den höchsten Tönen und freuen sich, dass der Bub seine Scholle sicher nie vergessen wird. Jannik Sinner ist nämlich wirklich auf dem Weg zu vielen Schlagzeilen in den heimatlichen Presseorganen. Und nicht nur in denen. Er hat in noch größerem Maße als Andreas Seppi, der in der Nacht auf Mittwoch in der ersten Runde unterlag, das Zeug dazu, Tennis nicht nur in Südtirol zu einem Hype zu führen. Denn Sinner ist jetzt schon ein Vorbild. Und ein Kämpfer.

Sinner ist öffentlich geworden
Ich habe mir natürlich auf einem der vielen Kanäle meines Arbeitgebers Eurosport das Auftaktmatch bei den US-Open gegen den Russen Karen Khachanov angeschaut. Auch wenn ich im Einsatz bin bei diesem Turnier war es mir leider nicht vergönnt, das Match zu kommentieren, was ich wahnsinnig gerne getan hätte. Unsere Spieleinteilung war eine andere. Meine Nähe zu Südtirol fand keine Berücksichtigung. Aber vielleicht war das auch ganz gut so. Ich wäre möglicherweise fast schon zu sehr pro Sinner gewesen, als ich dies normalerweise als neutraler Kommentator sein dürfte.

Sinner gilt als der nächste Star in der Tennis-Szene. © dpa / Andreas Gora


Ein Wunder ist das nicht. Schließlich haben mich alle meine Freunde in den Tagen vor den US-Open immer wieder nach Jannik Sinner gefragt. Sinner. Als würde er fast schon die Sinne vernebeln. Und ich habe ja auch jede Zeile gelesen über ihn, die auf SportNews oder in den Dolomiten über ihn veröffentlicht wurde in den letzten Monaten. Sinner ist öffentlich geworden. Bald wird er bei der Wahl zum Südtiroler Sportler des Jahres, die hoffentlich nächstes Jahr wieder stattfindet, Stammgast werden.
Er muss nur gesund bleiben
Auch wenn die US-Open für ihn schon wieder vorbei sind, weil Rückenprobleme einen Sieg gegen den Russen verhindert haben, war sein Auftritt dennoch heldenhaft. Schade, dass sein Aufschlag der Schmerzen wegen nicht mehr so kraftvoll sein konnte wie zu Beginn des Matches, als er Khachanov im Griff hatte. Sinner verlor, aber er glaubte bis zuletzt an sich, an seine Chance. Auch das wird ihm eines Tages auf höchstem Niveau helfen. Es mag letztlich eine Enttäuschung gewesen seines für ihn, aber es war kein bitteres Ende, auch wenn das so aussehen mag, weil er nach nackter Faktenlage in der ersten Runde scheiterte. Das ist schon den Besten der Welt passiert, ohne dass sie verletzt gewesen wären.

Jannik Sinner hat einen großen Kampf absolviert und war gehandicapt noch immer in der Lage, mit schier ungeheurer Leichtigkeit dem Ball die Geschwindigkeit einer Kanonenkugel zu geben. Er hat sein Potential nicht angedeutet, sondern die Karten auf den Tisch gelegt. Und in diesem Blatt war deutlich zu lesen: Da kommt ein Großer auf uns zu. Nur die Verletzung hat Jannik Sinner daran gehindert, schon in diesem Jahr kräftige Duftmarken zu setzen. Aber was nicht ist, dass wird noch werden. Davon bin ich zutiefst überzeugt nach diesem Auftritt in New York. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Er muss eigentlich nur gesund bleiben.

Autor: sigi heinrich

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