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Jannik Sinner kann stolz auf sich sein. © APA/afp / MARTIN BUREAU

Sinner verlangt dem Sandplatz-König alles ab

Ein bravouröser Jannik Sinner hat alles in die Waagschale geworfen, sich mit Hand und Fuß gewehrt, doch schlussendlich erwies sich Rafael Nadal als zu stark. Die ersten, grandiosen French Open des Youngsters sind im Viertelfinale zu Ende gegangen, während jene des Spaniers quasi erst begonnen haben.

Das Match auf dem Court Philippe-Chatrier, dem größten Stadion auf der Anlage in Paris, war eines, dem die gesamte Tennis-Szene entgegenfieberte. Nicht ohne Grund, trafen doch 2 der spannendsten Spieler der ATP-Tour aufeinander: Auf der einen Seite der junge Südtiroler, der bei seiner 1. French-Open-Teilnahme gleich ins Viertelfinale gestürmt ist. Auf der anderen Seite der zweifellos beste Sandplatz-Spieler aller Zeiten, der seinen 13. Titel in Paris anpeilt. Ein Duell, das es noch nie gegeben hat. Aber eines, welches es in Zukunft öfters geben wird. Das 1. Aufeinandertreffen gewann Nadal nach knapp 3 Stunden Spielzeit mit 7:6, 6:4 und 6:1.


Rafael Nadal wurde seinem Ruf als Sandplatz-König einmal mehr gerecht. © APA/afp / MARTIN BUREAU


Es war das 1. Mal, dass Sinner gegen einen der sogenannten „Big 3“, sprich Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic, antrat. Und der Sextner musste sich gleich jener Aufgabe stellen, die Experten als die größte im Tennis bezeichnen: Nämlich gegen Rafael Nadal auf dem Centre Court in Paris zu spielen. Die Zahlen des „Stiers aus Manacor“ sprechen für sich. Insgesamt hat er bei den French Open 99 Partien bestritten, 97 davon hat er gewonnen, nur 2 verloren. 12 Titel sind aus dieser Statistik hervorgegangen – ein einsamer Rekord.
Ohne Furcht
Unbeeindruckt von den Zahlen und der Aura seines Gegenübers gelang Sinner bei starkem Wind und winterlichen Temperaturen ein blendender Start. Er bot dem Spanier, der ins Viertelfinale spaziert war, einen harten Kampf. Mehr noch: Der Südtiroler war Nadal in den langen Ballwechseln teilweise überlegen, forderte ihm vor allem auf der aus seiner Sicht gesehen Rückhand-Vorhand-Achse alles ab – und vergab Mitte des Satzes eine Breakchance. Nadal schaffte es, sich im 1. Satz irgendwie am Leben zu halten. Das Break war allerdings nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Beim Stand von 5:5 nahm Sinner dem 34-Jährigen den Aufschlag ab. Nadal antwortete mit all seiner Klasse und der stärker werdenden Vorhand jedoch postwendend. Es ging ins Tiebreak. Und da spielte der 19-malige Grand-Slam-Sieger seine ganze Erfahrung aus und entschied den 1. Satz letztendlich doch noch für sich.

Das ist Sportsgeist: Jannik Sinner gratuliert Rafael Nadal zum Halbfinal-Einzug. © APA/afp / MARTIN BUREAU


Was es heißt, gegen Nadal auf Sand zu spielen, bekam Sinner nach Ende des Satzes zu spüren. Er rief den Physiotherapeuten auf den Platz, um sich an den Adduktoren behandeln zu lassen. An einigen Szenen war zu erkennen, dass der Sextner nicht mehr bei 100% war. Doch er kämpfte tapfer, machte Nadal das Leben weiter schwer – und wurde für den großen Aufwand auch belohnt: Er breakte den Weltranglisten-2., die Freude darüber währte aber nur kurz. Nadal machte mit seinem enormen Spin großen Druck, nahm zunehmend das Heft in die Hand, während Sinner begann, Chancen liegen zu lassen, was beim enormen Tempo aber nur allzu verständlich war.

Das Ergebnis? Nadal holte sich das Break sofort wieder. Sinner schreckte nicht zurück, blieb seinem aggressiven Spielstil treu, geriet jedoch immer stärker unter Druck. Dazu hatte Nadal eine gehörige Portion Glück, als ein Netzroller ihm zum Break zum 5:4 verhalf. Die Partie schaukelte sich zu einem hochklassigen Duell auf Augenhöhe hoch, in dem Nadal nicht der bessere, aber abgebrühtere Spieler war. Der 2. Satz ging mit 6:4 an den Spanier.
Sinner kämpft bis zum Ende
Erste Ermüdungserscheinungen machten sich nun bemerkbar. Doch wer konnte es dem Südtiroler verdenken. Er hatte seinem übermächtigen Gegner mehr als zwei Stunden Paroli geboten und hätte sich zumindest einen Satz verdient gehabt. Nadal nutzte im 3. Durchgang die Unachtsamkeiten seines Kontrahenten eiskalt aus und zog uneinholbar auf 4:0 davon. Obwohl Sinner die Enttäuschung und durchaus auch der Frust anzusehen war, zeigte er sich als fairer Sportsmann. Nicht nur dafür zollte Nadal, der um 1.26 Uhr Ortszeit seinen 1. Matchball verwertete, ihm nach der Partie seinen Respekt.

Jannik Sinner zeigte seine ganze Klasse. © APA/afp / MARTIN BUREAU


Sinner verlässt Paris trotz der Niederlage erhobenen Hauptes. Nicht zuletzt, weil er erstmals in seiner Karriere ein Viertelfinale bei einem Grand Slam erreicht hat, am Montag in der Weltrangliste unter den Top-50 aufscheinen wird und gezeigt hat, dass er es mit den besten dieser Welt aufnehmen kann. Nadal hingegen bleibt auf seinem Weg zum 20. Grand-Slam-Titel weiter ohne Satzverlust und trifft im Halbfinale auf den Argentinier Diego Schwartzman.


Den kompletten Spielverlauf zum Nachlesen gibt es in unserem Ticker.

Autor: leo

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