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Jannik Sinner (vorne) und Novak Djokovic lieferten sich ein mitreißendes Match. © APA/afp / ADRIAN DENNIS

Sinner spielt grandios, doch am Ende jubelt Djokovic

Jannik Sinner hat die zurzeit größte Aufgabe, die es im Tennis-Sport gibt, nicht meistern können. Novak Djokovic erwies sich im Wimbledon-Viertelfinale als unüberwindbare Hürde. Während der Serbe nun nach seinem 21. Grand-Slam-Titel greift, kann der Sextner überglücklich auf das Turnier zurückblicken – und den restlichen Saisonverlauf mit viel Selbstvertrauen angehen.

Wenn Jannik Sinner ins Viertelfinale eines Grand Slams vorstößt, trifft er auf klingende Namen: 2020 bei den French Open war es Rafael Nadal, bei den diesjährigen Australian Open Stefanos Tsitsipas – und nun Novak Djokovic. Jener Novak Djokovic, der in Wimbledon seit 25 Partien ungeschlagen ist und letztmals 2017 ein Match verlor. Davon völlig unbeeindruckt zeigte der 20-Jährige ein großartiges Match, verlangte der langjährigen Nummer 1 alles ab und musste sich erst nach dreieinhalb Stunden mit 7:5, 6:2, 3:6, 2:6 und 2:6 geschlagen geben.


Vor den Augen von Prinz William und Herzogin Kate, die als Duchess of Cambridge Präsidentin des All England Club ist, flatterten beim Sextner zu Beginn etwas die Nerven. Viele Bälle verzog er ins Netz. Die nur allzu verständliche Anfangsnervosität legte sich, als es fast schon zu spät war: Djokovic fand die Chance aufs 5:1 mit Doppelbreak vor, doch Sinner machte diese mit starken Aufschlägen zunichte. Was anschließend geschah, bekommen Tennis-Fans nur allzu selten zu Gesicht. In einem Game schlug die Legende zwei Doppelfehler, zudem versenkte er zwei Stoppbälle ins Netz. Sinner schaffte das Break – und drehte auf. Djokovic war nun ob des horrenden Rhythmus des Sextners immer zu spät und konnte die Ballwechsel nie diktieren. Sinner spielte förmlich mit dem Serben, der nichts weiter tun konnte, als ratlos in seine Box zu blicken – 7:5 für Sinner.


Der 35-Jährige ließ das natürlich nicht auf sich sitzen, versuchte sich wachzurütteln. Aber ohne Erfolg. Auch zu Beginn des zweiten Satzes nahm der nahezu fehlerlos agierende Sinner dem haushohen Turnierfavoriten den Aufschlag ab. Die Zuschauer im rappelvollen Centre Court trauten ihren Augen nicht und quittierten Sinners Punktgewinne immer wieder mit einem Raunen. Der Südtiroler war nun in Trance, während Djokovic mit sich haderte. Anstatt das verlorene Break aufzuholen und den Satz noch offen zu gestalten, entlief Sinner auf 5:2 – und machte kurz danach den Sack zu. Djokovic hatte nun genug gesehen, er verabschiedete sich in die Katakomben.
Djokovic wie verwandelt
Und kehrte deutlich konzentrierter zurück. Plötzlich war es Sinner, der in den eigenen Aufschlagspielen unter Druck stand. Hauptgrund dafür war, dass der Serbe nun keine Fehler mehr machte, dennoch aggressiv spielte und vor allem besser returnierte. Der Youngster erwischte seinerseits nun eine Schwächephase, die ihm teuer zu stehen kam. Djokovic nahm Sinner den Service ab und baute seinen Vorsprung schnell auf 4:1 aus. Fortan gelangen dem Weltranglisten-13. zahlreiche Zauberschläge, die die Massen zwar verzückten, nicht aber ein Comeback einleiteten. Djokovic behielt kühlen Kopf – und gewann den Satz mit 6:3.

Nun klemmte bei Sinner der erste Aufschlag, was der beste Returnspieler der Welt natürlich ausnutzte. Er breakte in Satz Nummer 4 – auch dank zweier Doppelfehler seines Gegenübers – sofort. Es begann ein komplett anderes Match. Djokovic zog sein gewohntes Spiel konsequent durch, während Sinner im Vergleich zu den ersten beiden Sätzen stark abbaute. Nicht nur beim Aufschlag, auch bei seinen Grundschlägen, die nun vermehrt ins Aus statt ins Feld flogen. Ein schnelles 0:4 war die Folge. Sinner ließ anschließend nicht locker, erarbeitete sich noch eine Breakchance, ging dann aber schwer zu Boden. Er blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, konnte aber weiterspielen. Djokovic löschte einen weiteren Breakball, ehe er den Satz mit 6:2 für sich entschied.
Djokovic lässt nichts anbrennen
Nun war es Sinner, der den Platz verließ, um sich neu zu sammeln. Die erwünschte Wirkung erzielte diese kurze Pause jedoch nicht, Djokovic breakte im zweiten Anlauf, nachdem Sinner einen Stopp nicht übers Netz brachte. Die Entscheidung. Der nach wie vor perfekt spielende Serbe ließ infolgedessen nichts, aber auch gar nichts mehr zu. Das frühe Break schaukelte er gekonnt über die Runden, verwandelte seinen ersten Matchball und zog so zum vierten Mal in Folge ins Wimbledon-Halbfinale ein. Dort trifft er nun auf den britischen Lokalmatadoren Cameron Norrie (ATP 12), der den Belgier David Goffin (ATP 58) in fünf dramatischen Sätzen ausschaltete.

Sinner darf sich hingegen über ein höchst erfolgreiches Turnier und rund 360.000 Euro Preisgeld freuen. Einziger Wermutstropfen: Für den Einzug ins Viertelfinale bekommt er keine Weltranglistenpunkte zugesprochen. Dennoch wird er ab kommenden Montag in die Top-10 zurückkehren und Matteo Berrettini als Italiens Nummer 1 ablösen.

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