
Verena Meliss startet mit dem TC Rungg in die neue Saison. © Plopp
TC Rungg: Zwei Teams, ein Drahtseilakt
Der TC Rungg Südtirol startet am Sonntag zum bereits sechsten Mal mit Damen und Herren in die neuen Serie A1 Saison. Während die Frauen gegen den Traditionsklub TC Parioli auf einen prominenten Neuzugang hoffen, wartet auf die Herren beim Titelfavoriten Santa Margherita Ligure gleich die schwierigste Prüfung der Saison.
02. Oktober 2026
Von: pm
Im italienischen Klubtennis ist es eine Rarität: Nur drei weitere Vereine im ganzen Land sind sowohl bei den Damen als auch bei den Herren in der Serie A1 vertreten. Der TC Rungg gehört zu diesem exklusiven Kreis. Das klingt nach Prestige, bringt aber vor allem eine doppelte sportliche Verantwortung mit sich. Am Sonntag, 4. Oktober, beginnt für beide Mannschaften der Kampf um den Klassenerhalt – und vielleicht um ein wenig mehr.
Die Damen empfangen auf der eigenen Anlage den TC Parioli aus Rom, einen der traditionsreichsten Tennisvereine Italiens. Wer für Rungg aufschlagen wird, behandeln die Verantwortlichen beinahe wie ein Staatsgeheimnis. Dem Gegner soll vor der Abgabe der Mannschaftsaufstellung kein verwertbarer Hinweis geliefert werden.
Sicher ist lediglich: Aufgrund der Vivaio-Regel muss mindestens eine Spielerin aus dem eigenen Nachwuchs eingesetzt werden. Verena Meliss gilt dabei als gesetzt. Alle weiteren Personalfragen bleiben offen.
Betreut wird die Mannschaft von Daniele Ceraudo und dem Völser Georg Winkler. Gut möglich, dass sie gleich zum Auftakt einen besonders prominenten Namen auf den Platz schicken: Noma Noha Akugue. Die deutsch-nigerianische Spielerin steht derzeit auf Rang 130 der Weltrangliste und könnte gegen Parioli ihr Debüt für Rungg geben.
Noha Akugue wäre weit mehr als eine gewöhnliche Verstärkung. In der vergangenen Saison begeisterte sie bereits beim WTA-Turnier in Rovereto und bei der großen internationalen Tennisevent in Wolkenstein.
Sie bringt Athletik, Angriffslust und internationale Klasse mit – kurz: Sie wäre eine Attraktion für die gesamte Meisterschaft. Runggs technischer Leiter Manuel Gasbarri hatte bei der Pressekonferenz angekündigt, dass die Deutsche einige Begegnungen für den Südtiroler Klub bestreiten werde. Ob bereits am Sonntag, bleibt Teil des taktischen Versteckspiels.
Kunstrasen statt Komfortzone
Noch komplizierter ist die Ausgangslage für die Herren. Sie reisen bereits am Samstag nach Ligurien, wo am Sonntag der große Titelfavorit Santa Margherita Ligure wartet. Der Gegner ist nicht nur personell hervorragend besetzt. Er verfügt auch über einen Heimvorteil, der weit über die Unterstützung des Publikums hinausgeht. Gespielt wird auf Kunstrasen.„Wir trainieren ausschließlich auf Sand. Das ist ein klarer Vorteil für den Gegner“, sagt Gasbarri. Die Unterschiede sind erheblich: Der Ball bleibt flacher, das Spiel wird schneller, die Reaktionszeit kürzer. Wer über Wochen auf Sand trainiert hat, muss seine Bewegungsabläufe innerhalb weniger Einheiten umstellen. Ein Detail, das in einer ohnehin ausgeglichenen Begegnung entscheidend werden kann.
Santa Margherita verfügt zudem über zwei starke Eigengewächse: Filippo Romano und Luca Castagnola. Gerade gegen sie hätten Runggs Alexander Weis und Maximilian Figl auf Sand gute Möglichkeiten gehabt, glaubt Gasbarri.
„Da hätte ich die Chancen ungefähr bei 50:50 gesehen. Figl hat vor einigen Wochen in Slowenien gegen Castagnola erst im dritten Satz mit 4:6 verloren. Der Untergrund spielt diesmal aber den Hausherren in die Karten.“
Große Namen – und viele Fragezeichen
Bei den Legionären herrscht auf beiden Seiten Schweigepflicht. Kein Klub möchte zu früh verraten, welche seiner internationalen Kräfte tatsächlich eingesetzt werden. Die Kaderlisten lesen sich jedenfalls wie Teilnehmerfelder eines ATP-Turniers.Santa Margherita kann unter anderem auf Roberto Carballés Baena, Fabio Fognini, Andrea Pellegrino und Doppelspezialist Andrea Vavassori zurückgreifen. Rungg hält mit Marc-Andrea Hüsler, Michael Geerts, Tomás Martín Etcheverry und Stefano Napolitano dagegen.
Doch prominente Namen auf einer Meldeliste sind im Klubtennis noch keine Garantie dafür, dass sie am Spieltag tatsächlich auftauchen. Turnierpläne, Verletzungen und kurzfristige Absprachen entscheiden häufig erst wenige Tage oder sogar Stunden vor der Begegnung über die Aufstellungen.
Betreut werden die Rungger Herren in Ligurien von Manuel Gasbarri und Marco Bortolotti. Ihre Aufgabe ist anspruchsvoll: Sie müssen aus einer schwierigen Ausgangslage Punkte herausholen, ohne bereits am ersten Spieltag zu viel Risiko einzugehen.
Ein Modus ohne Sicherheitsnetz
Besonders bei den Herren erlaubt das Reglement kaum einen Fehlstart. Nur der Gruppensieger zieht direkt ins Play-off-Halbfinale ein. Der Zweite sichert sich den Klassenerhalt, während der Dritte und Vierte ins Play-out müssen. Bei den Damen ist das System etwas großzügiger: Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichen das Play-off, die beiden übrigen kämpfen gegen den Abstieg.Für den TC Rungg beginnt die Saison damit an zwei völlig unterschiedlichen Schauplätzen. Die Frauen dürfen zu Hause auf einen gelungenen Auftakt und möglicherweise auf das Debüt ihrer neuen Attraktion hoffen. Die Herren müssen beim Titelfavoriten auf einem ungewohnten Untergrund bestehen.
Zwei Mannschaften, zwei schwierige Aufgaben – und ein Verein, der beweisen will, dass seine seltene Doppelvertretung in der höchsten italienischen Liga mehr ist als eine statistische Besonderheit. Spielbeginn ist am Sonntag jeweils um 10 Uhr.
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