
Luca Stoppini, Turnierdirektor in Rovereto.
Tennis-Spektakel in Rovereto wirft seine Schatten voraus
Noch einen Monat, dann wird aus dem PalaBaldresca wieder ein Schauplatz des internationalen Damentennis. Vom 11. bis 18. Oktober findet in Rovereto zum zweiten Mal das WTA-125-Turnier statt. Für die Zuschauer bedeutet das Spitzentennis vor der Haustür. Für Turnierdirektor Luca Stoppini bedeutet es vor allem: Organisieren, koordinieren und möglichst nichts dem Zufall überlassen.
11. September 2026
Von: pm
Noch sind es dreißig Tage. Im Veranstaltungsgeschäft ist das keine besonders beruhigende Zeitspanne. Am 11. Oktober beginnt in Rovereto die zweite Auflage der Rovereto Open. Das PalaBaldresca wird dann wieder für eine Woche seine übliche Funktion gegen jene kleine Parallelwelt eintauschen, die der internationale Tennistross mit sich bringt: Spielerinnen und Trainer, Schiedsrichter und Ballkinder, Physiotherapeuten, Funktionäre, Kameras, Transfers, Hotelzimmer und ziemlich genaue Vorstellungen darüber, wie ein professionelles Turnier auszusehen hat.
Mittendrin sitzt Luca Stoppini. Der Turnierdirektor und Leiter des Leistungsbereichs beim CT Rovereto kennt das Geschäft nicht nur aus Organisationshandbüchern. Stoppini spielte selbst professionell Tennis, beendete seine Karriere mit 23 Jahren und wurde in der ATP-Weltrangliste einst auf Position 1236 geführt. Weit genug entfernt von den Millionen des Spitzentennis – aber nahe genug dran, um zu wissen, welchen Aufwand schon die nächste Stufe bedeutet. Jetzt organisiert er sie selbst.
Viele Kleinigkeiten, ein großes Turnier
„Wir haben in diesem Jahr früher angefangen“, sagt Stoppini über die Vorbereitung. Nach der Premiere 2025 gehe es weniger um einen grundlegenden Umbau als um viele Details. Das Team wurde bestätigt und erweitert, Präsident Francesco Liace und der gesamte Vorstand seien täglich mit dem Turnier beschäftigt.Das klingt zunächst unspektakulär. Doch internationale Sportveranstaltungen scheitern selten daran, dass niemand weiß, wo das Tennisnetz hingehört. Entscheidend sind die hundert Kleinigkeiten drum herum. Die WTA verlangt entsprechende Standards. Hotel, Verpflegung, Transfers von den Flughäfen, Fahrten zwischen Unterkunft und Anlage, Rückzugsräume für die Spielerinnen. Selbst der Speiseplan wird zur organisatorischen Disziplin.
„Das Menü muss jeden Tag wechseln und eine entsprechende Proteinzufuhr gewährleisten“, erklärt Stoppini. Das ist die andere Seite des Profitennis. Im Fernsehen sieht man Aufschläge mit 180 Stundenkilometern. Im Organisationsbüro sieht man Tabellen, Telefonnummern und Fahrpläne. „Das Schwierigste ist, den Spielerinnen eine Betreuung auf 360 Grad zu garantieren“, sagt Stoppini. Gerade im letzten Monat stehe man deshalb in ständigem Kontakt mit der WTA.
Rovereto will seinen Platz behaupten
Dass die Veranstaltung überhaupt zum zweiten Mal stattfindet, ist für die Organisatoren keine Selbstverständlichkeit. Ein WTA 125 lässt sich nicht allein mit Begeisterung finanzieren. „Wir sind sehr stolz darauf, dass uns die WTA bestätigt hat“, sagt Stoppini. Sein Dank gilt der Stadt Rovereto, der Provinz und den Partnern.Denn natürlich gibt es Konkurrenz. Andere Städte, andere Klubs, andere Veranstalter – und teilweise andere finanzielle Möglichkeiten. Wer einen Termin im internationalen Kalender besitzt, besitzt ihn nicht automatisch auf Lebenszeit. Stoppini formuliert das entsprechend vorsichtig. Der Wille, das Turnier langfristig in Rovereto zu etablieren, sei vorhanden. Die Leidenschaft ebenfalls. Entscheidend werde aber sein, die Partner weiterhin an Bord zu halten und zusätzliche Unterstützung zu finden.
Dabei bekommt das Turnier 2026 ein Argument hinzu: Fernsehen.
SuperTennis wird über die Rovereto Open berichten. Wie umfangreich die Übertragungen ausfallen, wird noch definiert. Für Sponsoren und Veranstalter ist die Präsenz dennoch von erheblicher Bedeutung. Reichweite ist im professionellen Sport längst eine zweite Währung.
Zwischen Rückkehrerinnen und kommenden Stars
Sportlich besitzt die Kategorie WTA 125 ihren eigenen Reiz. Sie liegt unterhalb der großen WTA-Turniere, ist aber hoch genug angesiedelt, um bemerkenswerte Konstellationen hervorzubringen.Hier treffen Spielerinnen, die nach Verletzungen oder Formkrisen den Weg zurück nach oben suchen, auf junge Talente, die erst dorthin wollen. Für die Siegerin gibt es 125 Weltranglistenpunkte – genügend, um eine Karrierekurve erheblich zu verändern.
Das Teilnehmerfeld steht noch nicht fest. Stoppini hat dennoch Wünsche.
„Wir hoffen natürlich, möglichst viele italienische Spitzenspielerinnen zu bekommen.“ Dann nennt er Noemi Basiletti und Lisa Pigato. Und fügt hinzu: „Warum nicht vielleicht wieder Tyra Grant? Rovereto hat den italienischen Spielerinnen immer Glück gebracht. Auch Sergio Palmieri, Organisationsdirektor der FITP, wird erneut vor Ort sein.
Besondere Bedeutung erhalten die Wildcards. Sie sollen jungen Spielerinnen des Klubs oder aus der Region die Gelegenheit geben, sich auf einer Bühne zu zeigen, die im normalen Turnieralltag weit entfernt liegt. Genau darin liegt eine der Funktionen solcher Veranstaltungen. Die Spielerin, die heute noch eine Einladung braucht, kann ein Jahr später schon jene sein, wegen der die Zuschauer kommen.
Zwei Courts und möglichst volle Tribünen
Gespielt wird auf zwei Indoor-Plätzen im PalaBaldresca. Die Halbfinals stehen am Samstag auf dem Programm, Einzel- und Doppelfinale folgen am Sonntagnachmittag.Die Organisatoren wollen dabei nicht nur Tennis anbieten. Musik und Lichtshows sollen das Finalwochenende begleiten, zwischen den beiden Endspielen am Sonntag ist eine Rollstuhltennis-Exhibition vorgesehen. Am Donnerstagabend steigt auf der Terrasse des PalaBaldresca die Players Party. Aus dem Tennisturnier soll eine Veranstaltung werden, bei der der Zuschauer nicht unmittelbar nach dem Matchball Richtung Ausgang verschwindet.
Für Stoppini wäre das ohnehin der wichtigste Gradmesser.
Nicht zuerst die Namen auf der Meldeliste. Nicht die Zahl der Sponsoren. Sondern die Menschen auf den Tribünen. „Das Niveau im Frauentennis ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Ich wünsche mir deshalb vor allem viele Zuschauer im PalaBaldresca. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen und Spaß haben. Das ist für uns das Wichtigste.“
Profil bearbeiten
Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Kommentare (0)