
Mirko Zöschg zeigt auch mit 41 Jahren noch auf. © Plopp
Zöschg, Pellegrini und die Kunst des langen Atems
Das Turnier des TC Bolzano endet wegen der Regentage erst am Mittwoch – dafür mit zwei bemerkenswerten Endspielen. Mirko Zöschg bezwingt Tobias Kirchlechner im Duell zweier ehemaliger Spitzenspieler. Bei den Damen stoppt die Over-55-Spielerin Martina Pellegrini den Höhenflug der erst 14-jährigen Vicky Matuella.
16. September 2026
Von: pm
Am Ende waren es 168 Teilnehmer und ein paar Tage mehr als vorgesehen. 138 Herren, 30 Damen – Zahlen, die zeigen, dass das Turnier des TC Bolzano mehr war als ein gewöhnlicher Wettbewerb der dritten und vierten Kategorie. Es war ein Treffpunkt für ambitionierte Nachwuchsspieler, wiederentdeckte Turnierspieler und Routiniers, die noch immer ziemlich genau wissen, wohin ein Tennisball gehört.
Nur das Wetter hatte seinen eigenen Turnierplan. Die Regentage der vergangenen Woche brachten das Programm auf den Plätzen in der Martin-Knoller-Straße gehörig durcheinander. Die Finalspiele konnten deshalb erst am Mittwoch ausgetragen werden. Dass das Turnier dennoch geordnet und auf hervorragend präparierten Plätzen zu Ende ging, war vor allem der Arbeit von Turnierdirektor Andrea Capodimonte, Oberschiedsrichterin Cornelia Gartner und dem Team des TC Bolzano zu verdanken.
Sportlich lieferte der verspätete Finaltag zwei Endspiele, die kaum unterschiedlicher hätten sein können – und doch dieselbe Geschichte erzählten: Erfahrung altert auf dem Tennisplatz langsamer als der Spielerpass.
Zöschg kehrt an eine alte Wirkungsstätte zurück
Bei den Herren standen sich die beiden Topgesetzten gegenüber. Tobias Kirchlechner und Mirko Zöschg waren in früheren Jahren in einer anderen sportlichen Kategorie zu Hause. Dass sie nun bei einem Turnier dieser Ebene das Finale bestritten, sagt einiges über die Qualität des Feldes aus.Kirchlechner, ehemals 2.4 klassiert, war während seiner Studienjahre im Turniertennis praktisch abgetaucht. Seit dieser Saison spielt der Athlet des TC Rungg wieder regelmäßig und offenbar nicht nur aus sentimentalen Gründen. Bis ins Endspiel gab er keinen Satz ab. Im Viertelfinale fertigte er Fabio Costaperaria mit 6:2, 6:0 ab. Zum erwarteten Halbfinalduell mit Sebastian Krzysztof Brzezinski kam es nicht: Der frühere Spitzenspieler des TC Rungg mit polnischen Wurzeln trat nicht an.
So wartete im Finale Mirko Zöschg. Der 41-jährige Obermaiser besitzt eine Tennisbiografie, die weit über regionale Turniere hinausführt. Zwischen seinem 13. und 17. Lebensjahr lebte und trainierte er in einer Akademie in Barcelona. Dort besuchte er gemeinsam mit Marcel Granollers die Schulklasse, trainierte mit dem Spanier und erlebte aus nächster Nähe, wie schmal der Grat zwischen großer Begabung und internationaler Karriere ist.
Granollers wurde die Nummer eins der Doppelweltrangliste. Zöschg erkannte, dass sein eigener Weg nicht bis ganz nach oben führen würde, kehrte nach Südtirol zurück und betrieb Tennis fortan als Hobby. Ein Hobby allerdings, das noch immer verdächtig professionell aussieht. Nach Jahren beim TC Comune spielte Zöschg in dieser Saison für den SV Lana in der Serie C. Zuvor war er ausgerechnet für den TC Bolzano in der Serie B im Einsatz. Nun kehrte er auf die Anlage an der Martin-Knoller-Straße zurück und gewann.
Im Halbfinale ließ er Jannik Santa beim 6:2, 6:1 kaum Möglichkeiten. Auch Kirchlechner fand im Endspiel keinen dauerhaften Zugriff. Zöschg setzte sich mit 6:4, 6:3 durch. Vor allem mit seiner brutal schnellen Vorhand dominierte er das Finale. „Heute habe ich richtig gut gespielt. Ich habe von Kirchlechner viel Tempo bekommen und das liegt mir“, erklärte Zöschg nach dem Match.
Generationenduell bei den Damen
Noch größer war der Kontrast im Damenfinale. Martina Pellegrini, Over 55, traf auf die 14-jährige Vicky Matuella vom TC Rungg. Zwischen beiden lagen nicht nur mehrere Tennisgenerationen, sondern auch zwei völlig unterschiedliche Spielideen.Matuella suchte das Tempo und den direkten Punkt. Pellegrini suchte vor allem eines: noch einen Ball. Und dann noch einen. Die vier topgesetzten Spielerinnen hatten geschlossen das Halbfinale erreicht. Matuella bezwang dort die Nummer eins Lena Angerer überraschend deutlich mit 6:2, 6:3. Pellegrini setzte sich gegen Elina Lestani ebenfalls mit 6:2, 6:3 durch.
Im Finale schien die Jugendliche zunächst auf dem besten Weg zum nächsten Coup. Matuella führte im ersten Satz bereits mit 5:2, im zweiten mit 3:1. Doch Pellegrini erwies sich als jene berüchtigte Ballwand, an der Angriffswellen nicht zerschellen, sondern einfach noch einmal zurückkommen.
Die Siegerehrung der Damen mit Martina Pellegrini (3.v.l.). und der 14-jährigen Vicky Matuella. © Plopp
Matuella forcierte, Pellegrini verteidigte. Matuella wollte die Punkte beenden, Pellegrini verlängerte sie. Mit jedem zusätzlichen Schlag verlagerte sich das Match ein Stück weiter in Richtung der routinierten Spielerin. Pellegrini drehte beide Sätze und gewann mit 7:5, 6:3.
Für Matuella war die Niederlage dennoch kaum ein Rückschritt. Die aus Seis am Schlern stammende 14-Jährige besucht seit diesem Schuljahr die Toniolo-Schule und zählt zu den auffälligsten Südtiroler Talenten ihres Jahrgangs. Bereits am Donnerstag reist sie mit dem TC Rungg zum Finale der italienischen Mannschaftsmeisterschaften.
Auch innerhalb der Familie wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt: Ihre drei Jahre ältere Schwester Finja steht unmittelbar vor dem Einstieg in ihre internationale Laufbahn. Die jüngere Matuella zeigte in Bozen, dass auch ihr Weg weiterführen kann. Dafür muss sie aus diesem Finale vor allem eine Erkenntnis mitnehmen: Manche Gegnerinnen muss man nicht einmal, sondern drei- oder viermal schlagen. Im selben Ballwechsel.
Die Resultate
Herren – Viertelfinale•
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Halbfinale
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Finale
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Damen – Viertelfinale
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Halbfinale
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Finale
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