Y Wasserspringen

Tania Cagnotto ist für ihren letzten Karriere-Auftritt bereit

Tania Cagnotto: Nur noch kurz die Welt retten, danach komme ich zu dir

Am Dienstag sind die italienischen Wasserspringer nach Kroatien aufgebrochen. Dort wollen sich Tania Cagnotto & Co. den allerallerletzten Schliff holen. Für das Highlight des Jahres. Olympia 2016. „Rio, here we go!“

Wobei: Highlight des Jahres ist ein relativer Begriff, besonders für Tania Cagnotto. Auf die Bozner Wassernixe warten nämlich gleich mehrere Wochen, die vor Sternstunden nur so strotzen. Da wären ihre langersehnten Olympia-Auftritte im brasilianischen Wasserbecken. Da wäre das Karriereende, das sie schon seit Monaten proklamiert, am Ende der Spiele aber in die Realität umsetzen will. Und da wäre natürlich dieser ominöse Tag X im September, an dem in einer beschaulichen wie idyllischen Bucht in Elba still und leise die Hochzeitsglocken läuten werden.


Im September steht die Hochzeit an

Stefano Parolin, Tanias Langzeitfreund, von Haus aus ein Wirtschaftsberater und leidenschaftlicher Kleinfeld-Fußballer, hat Europas bester Wasserspringerin vor einem Jahr in typisch-italienisch-romantischer Manier in einem venezianischen Restaurant einen Heiratsantrag gemacht – und für kurze Zeit verschwanden Auerbachsalti,
Rückwärtsschrauben und Olympia-Auftritte vollkommenaus den Gedanken der heute 31-Jährigen.

Aber eben nur für kurze Zeit: Heute denkt Cagnotto überhaupt noch nicht an ihre Hochzeit – „will ich nicht, darf ich nicht – genauso wenig mache ich mir zurzeit Gedanken über das Leben nach meiner Karriere“, gestand die Wasserspringerin. Denn die Olympischen Spielen in Rio genießen eben allerhöchste Priorität. Wir wissen: Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, nationale Bewerbe– überall, wo es nur geht, kann Cagnotto auf Siege oder Medaillen zurückblicken. Nur dieses verflixte Olympia-Edelmetall scheint in ihrem Palmarès nirgendwo auf.


Das London-Trauma verarbeitet?

Bei den Olympischen Spielen inLondon vor vier Jahren erlebte Cagnotto die schwärzesten Stunden ihrer Karriere. Damals schrammte sie vom 3-m-Brett um 0,2 Punkte an der Bronzemedaille vorbei. 0,2 Punkte. Ein Nichts. Im Synchronspringen waren es 2,7 Zähler. Zwei vierte Plätze, die Tania für kurze Zeit mental zu Boden rissen. Doch im Leben, so lehrt es eine alte Weisheit, sieht man sich immer zwei Mal. Und deshalb machte sich die Boznerin in den letzten Jahren akribisch, aufopferungsvoll und mit vollem Elan für ihr letztes großes Karriere-Ereignis „pronto“.


Tania: Vielleicht so fit wie noch nie zuvor

„Mir geht es wirklich gut, ich bin fit, vielleicht sogar so fit wie noch nie zuvor“, strotzte Cagnotto unlängst bei der Pressekonferenz für den FINA Grand Prix in Bozen vor Tatendrang. Auch Vater und Trainer Giorgio Cagnotto sieht seinen Schützling gerüstet. „Tania hat sich in den letzten Monaten kontinuierlich verbessert. Ich sehe sie gut.“ In einem Punkt sind sich beide abereinig: „Das Glück muss auf unserer Seite sein – dann kann es mit einer Medaille klappen.“ Wir erinnern: 0,2 Punkte. Ein Nichts. Sieg oder Niederlage.

So oder so gibt es am 7. (Synchro-Finale vom 3-m-Brett) und 14. August (Finale vom 3-m-Brett) ein episches Finale. Ein letzter Karriere-Kraftakt für die 31-jährige Cagnotto. Danach darf es ruhig etwas gemütlicherwerden. Ihr lieber Stefano wird es Tania danken. Wenn man jetzt so nachdenkt, könnte man die nächsten Wochen der Wassernixe mit einem berühmten Song des deutschen Sängers Tim Bendzko beschreiben:Nur noch kurz die Welt retten, danach komm ich zu dir.


Thomas Debelyak, SportNews

Autor: sportnews

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