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Anastasia Kuzmina mit ihrem Sohn Elisey in Antholz Anastasia Kuzmina gewann Gold in Sochi 2014

Anastasia Kuzmina: „Ich möchte erneut eine Olympiamedaille erobern“

Als einzige Sportlerin hat sie bei Olympischen Spielen ihren Erfolg im Biathlon-Sprintwettkampf wiederholt: Anastasia Kuzmina (ehemals Shipulina) hat dieses Husarenstück geschafft. Und denkt heute schon an Südkorea 2018. Einen Teil ihrer Vorbereitung absolvierte sie in Antholz.


von Luis Mahlknecht

In Antholz herrscht in den Sommermonaten traditionell viel Betrieb.Der Verantwortliche für das Biathlonstadion, Andreas Egger, weist auf die vielen Mannschaften und Einzelsportler, die auf der Anlage trainieren. In der zweiten Junihälfte war auch Doppel-Olympiasiegerin Anastasia Kuzmina in der „Südtirol Arena“ anzutreffen, wo sie neben heißen Trainingseinheiten auch Zeit für einen Plausch fand.

Ihre Olympia-Goldmedaillen von 2010 in Vancouver und 2014 in Sochi sind Biathlongeschichte, aber schon heute ist die gebürtige Russin voll auf die nächsten Olympischen Spielen fokussiert: „Ich möchte im Februar 2018 stark genug sein, um erneut eine Olympiamedaille erobern zu können“, sagt Nastija ganz offen, wenn sie eine mehr als dreistündige Trainingseinheit mit Schießen und unzähligen Runden auf der Rollerstrecke abschließt.

Mit bald 33 Jahren ist die Biathletin nicht mehr die Jüngste im Feld, und das weiß sie auch: „Ich benötige jetzt mehr Zeit zum Regenerieren, da sind mir Sportlerinnen der neuen Generation wie Laura Dahlmeier wohl voraus. Aber ich will mein ganzes Training gezielt aufbauen, und da finde ich Antholz geradezu ideal. Die Trainingsmöglichkeiten im Stadion, die schöne Rollerstrecke, dann die Wander- und Radsportmöglichkeiten abseits der Biathlonanlage, dazu die abendliche Ruhe und Beschaulichkeit am See – das alles macht aus Antholz ein ideales Trainingszentrum, wo ich mich bestens vorbereiten kann und dann auch die Seele baumeln lassen kann.“

Mit im Boot des „Kuzmina-Teams“ ist auch Ehemann Daniel als Trainer, dazu der Physiotherapeut Samuel und die ehemalige Jugend-Medaillengewinnerin Natalia Prekopowa, die sich als „Mädchen für alles“ bestens empfohlen hat. Und auch der bald 10-jährige Sohn Elisey ist mit von der Partie, während Tochter Olivia (wird im Sommer 2) zu Hause bei Opa und Oma geblieben ist.

Gerade die Schwangerschaft zeichnete einen markanten Punkt in Nastijas Karriere. Als Anastasia Shipulina gehörte die Biathletin einer herausragenden Generation an, die sich mit einer Magdalena Neuner oder einer Darya Domrachewa auf Augenhöhe messen konnte. Als Shipulina merkte, schwanger zu sein und begann, kürzer zu tretenbzw. sich vom Spitzensport zurückzuziehen, machte man in Russland kurzen Prozess undnahm sie aus allen Kadern. Das Statement damals: „Wir haben genügend andere gute Athletinnen.“

Doch Nastija kämpfte sich zurück, kam mit dem neuen Familiennamen Kuzmina und unter slowakischer Fahne zurück ins Biathlongeschäft – und hatte Erfolg.

„Die Goldmedaille im Olympia-Sprint 2010 war wohl das Sensationellste, was ich in meinem Leben geschafft habe“, lächelt die Neo-Slowakin. Zur Erinnerung: Keine 6 Wochen vor dem Olympiatermin hatte sie sich bei einem Trainingssturz die linke Hand gebrochen, musste fortan nur mit einem Stock anschieben und nur sehr langsam wieder die gewöhnten Abläufe einstudieren. Doch in Vancouver schlug ihre große Stunde, als sie Magdalena Neuner und Marie Dorin auf die Ehrenplätze verwies. Ein Erfolg, der sich 2014 in Sochi wiederholen sollte. Wieder im Olympia-Sprint...

Dazwischen hatte Nastija Kuzmina auch im Weltcup aufhorchen lassen. In Antholz gewann sie beispielsweise den Weltcup-Sprint 2013, war zudem weitere zwei Male auf dem Podest. Auch das ein Grund, wieso die Frau aus Sibirien gerne nach Antholz zurückkehrt.

Anastasia Kuzmina sieht sich im Biathlon-Panoramaals „Oldie“, will aber von Aufhören nichts wissen: „Jetzt steht einmal Olympia im Mittelpunkt. Dann sehen wir weiter. Natürlich haben sich bei mir meine Prioritäten verschoben, seitdem ich Mutter bin, und ich möchte auch für die kleine Olivia eine gute Mama sein. Aber andererseits ist der Biathlonsport wie eine Droge für mich, ohne die ich vielleicht gar nicht leben kann.“ So sehr, dass sie sich einmal gut vorstellen kann, ihre Erfahrungen an jüngere Sportlerinnen weiterzugeben.

Dass sie als Mutter heute anders denkt als jene Athletinnen, die sorglos ohne Familie von Wettkampfort zu Wettkampfort tingeln, zeigt sich auch in den Freundschaften, die Nastija pflegt. „Ich unterhalte mich viel mit anderen Athletinnen, die auch Mamas sind, letzthin besonders mit Darya Domrachewa. Aber man muss sich aus dem Kopf schlagen, dass wir im Laufe der Saison viel Privates besprechen. Meist ist man sehr auf die Wettkämpfe konzentriert, man ist recht verbissen mitunter. Erst so gegen Ende der Saison – im März etwa – hat man mehr Zeit zu Späßen und Lockerheit. Aber es ist auch wichtig, die ganze Saison hindurch voll konzentriert zu sein",meint Kuzmina. Daher will sie auch im Weltcup von Anfang an mit dabei sein. „Wenn man nur ab und zu einen Wettkampf bestreitet, ist man nicht heiß genug. Man verliert die Spannung, und Spannung ist in diesem Geschäft sicherlich förderlich. Auch wenn es für mich von Jahr zu Jahr schwerer wird.“

Aber ein großes Ziel hat „Nastija“ noch vor den Augen - und dieses heißt Pyeongchang 2018. Auch dazu möchte die Slowakin ihre letzte Vorbereitung, ihren Feinschliff, in Antholz absolvieren. Im Ort, den sie im weltweiten Biathlon-Panorama am meisten liebt.


Autor: sportnews

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