S+
Christoph Pircher ist im Sommer auf der Alm anzutreffen. © privat

e Biathlon

Christoph Pircher ist im Sommer auf der Alm anzutreffen. © privat

Biathlon-Ass Pircher: Zwischen Schießstand und Kuhstall

Er gilt als eines der großen Talente in der Biathlonszene, doch in seiner ersten Weltcup-Saison musste Christoph Pircher herbe Rückschläge wegstecken. Nun verrät der junge Südtiroler, wie er daraus neue Kraft zieht – und was ein Sommer auf der Alm damit zu tun hat.

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Christoph Pircher gehört die Zukunft im italienischen Biathlon – das ist die einhellige Meinung in Expertenkreisen. Der 23 Jahre junge Terlaner, Sohn des Trentiner Biathlon-Pioniers Marcello Pradel, steht seit Kindesalter auf den schmalen Brettern. Er vereint Talent mit unbändigem Willen. Diese beiden Eigenschaften haben ihm vergangenen Winter zum Weltcup-Debüt verholfen.


„Mein Ziel war es letzte Saison, endlich mal im Weltcup zu starten“, so erzählt Pircher im SportNews-Gespräch. Geklappt hat es damit bereits im Dezember in Hochfilzen. Doch auf die Premiere folgten viele schwierige Momente. In den Einzelrennen hatte er mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, bei seinem Staffeldebüt im März in Kontiolahti vergab er als Schlussläufer eine Podiumsplatzierung. „Mit diesem Druck konnte ich damals einfach nicht umgehen, so ehrlich muss ich sein. Doch daraus habe ich gelernt“, so Pircher.

„Der letzte Winter war brutal wichtig“ Christoph Pircher

Überhaupt, sagt der junge Etschtaler, sei „der letzte Winter brutal wichtig für meine Karriere“ gewesen. Im IBU Cup lief er konstant um die Spitzenplätze mit, „im Weltcup hatte ich Schwierigkeiten, weil ich es nicht gewohnt war, vor so vielen Zuschauern zu laufen. Doch gegen Ende hin wurde es viel besser – und darauf will ich jetzt aufbauen.“

Christoph Pircher verbrachte Teile seiner Kindheit im Premiero-Tal, von dort stammt auch Tommaso Giacomel (r.) © Pierre TEYSSOT

Christoph Pircher verbrachte Teile seiner Kindheit im Premiero-Tal, von dort stammt auch Tommaso Giacomel (r.) © Pierre TEYSSOT


Pircher hat einen klaren Plan, er will in der Weltelite Fuß fassen. Und damit das gelingt, arbeitet er so akribisch wie kaum ein anderer an seiner Präzision, seiner Technik und seiner Fitness. Immer wieder müssen ihn die Trainer bremsen. So auch diesen Sommer, als er sich im Rollertraining beide Ellenbogen entzündet hat. „Wir mussten dann etwas dosieren, aber mittlerweile bin ich richtig gut drauf.“

Auf der Alm „den Kopf freibekommen“

Wenn es dann doch zu viel wird mit all dem Training, dann „flüchtet“ Pircher in die Berge. Genauer gesagt auf die Valser Alm am Eingang des Passeiertals, die sein Cousin führt. „Dort oben bekomme ich den Kopf frei, da kann ich abschalten. So ist es mir erst kürzlich passiert. Als ich nach vielen anstrengenden Trainingstagen etwas am Boden war, bin ich ins Passeiertal gefahren und bereits auf dem Weg dorthin waren all meine Gedanken verflogen, hatte ich schon wieder Energie. Wenn ich dann zurückkomme, bin ich richtig frisch – und das, obwohl die Arbeit auf der Alm durchaus kräftezehrend ist.“
„Ich will konstant auf hohem Level performen“ Christoph Pircher

Wenn Pircher vom Sommer hoch oben in den Bergen berichtet, glühen seine Augen. Man merkt ihm an: Biathlonsport und Landwirtschaft sind seine großen Leidenschaften. Er sagt selbst: „Wenn ich kein Profisportler wäre, wäre ich Bauer. Ich würde den ganzen Sommer auf der Alm verbringen, Kühe melken, Stallarbeit verrichten.“

Christoph Pircher gab im Dezember 2026 in Hochfilzen sein Weltcup-Debüt. © Pierre Teyssot

Christoph Pircher gab im Dezember 2026 in Hochfilzen sein Weltcup-Debüt. © Pierre Teyssot


Aktuell ist dafür aber keine Zeit, jetzt gilt es die Basis für einen erfolgreichen Weltcup-Winter zu legen. „Ich will mir einen festen Startplatz erkämpfen“, sagt Pircher mit klarem Ton. Er hat sich vorgenommen, sowohl läuferisch als auch im Schießen eine Schippe draufzulegen. Dabei gehe es darum, „nicht nur gut zu sein, wenn ich einen guten Tag habe, sondern einfach konstant auf hohem Level zu performen.“ Die Lehren aus seiner ersten Weltcup-Saison und die mentale Frische aus seiner Zeit auf der Alm werden ihm dabei helfen.

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH