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Andreas Zingerle ist der Cheftrainer der Biathleten. © Otto Schöpf

Cheftrainer Zingerle: „Man muss eine Grenze ziehen“

In den letzten Jahren haben Dorothea Wierer & Co. Triumphe und Medaillen am Fließband eingeheimst. Der Vater des Erfolgs ist Andreas Zingerle, der als Cheftrainer der Nationalmannschaft tätig ist – und auch nach Jahrzehnten im Biathlon-Sport immer noch nicht genug hat.

„2 Jahre hänge ich noch dran – dann ist aber endgültig Schluss“: Andreas Zingerle muss schmunzeln, wenn er danach gefragt wird, wie lange er noch im Biathlon-Zirkus bleiben will. Nach Ablauf der vergangenen Saison war der Antholzer noch unschlüssig gewesen und bezifferte die Chancen, dass er weitermacht, auf 50:50. „Ich habe eine Weile überlegt und mich dann doch entschieden, bis zur Olympiasaison 2022 weiterzumachen. Dann bin ich aber langsam wirklich zu alt“, so Zingerle, der 1979 mit dem Biathlon begonnen hatte und diesem Sport seitdem immer treu geblieben ist – zuerst als Athlet (wobei er 4 Mal Weltmeister geworden ist) und später als Trainer. SportNews hat den Pusterer Erfolgstrainer telefonisch erreicht und mit ihm gesprochen.


Andreas Zingerle, wie verbringt ein Biathlon-Trainer die Corona-Zeit?

Andreas Zingerle: „Nach der Saison habe ich Mal 3 Wochen komplett abgeschaltet. Erst danach hat sich der Verantwortliche und gemeldet und wir haben über meine Zukunft gesprochen. Als ich zugesagt habe, mussten wir via Videokonferenzen die Mannschaften zusammenstellen und für die nächsten Wochen und Monate planen.“


Wie fällt Ihr Fazit zur abgelaufenen Saison aus? Dorothea Wierer hat alles überragt, dahinter war aber nicht alles rosig…

„Die vergangene Saison war im Gegensatz zum Winter 2018/19 schwieriger. Da ist alles glatt gelaufen, es hat keine Probleme gegeben. In der vergangenen Saison hatte der eine oder andere dagegen mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, es hat nicht alles immer nach Wunsch geklappt. Das ist aber normal, es kann ja nicht immer alles gerade aus gehen.“


Die Kader für die nächste Saison wurden komplett umgekrempelt. Aus der Elite-Gruppe, die aus Wierer, Hofer, Windisch und bestanden hat, ist nun ein Weltcup-Kader mit extrem vielen Jungen geworden. Was ist der Grund dafür?

„Wir müssen schon jetzt an die Olympischen Spiele 2026 denken. Nach Olympia 2022 werden sicher einige altbewährte Athleten wegfallen. Wenn wir jetzt nicht auf die Jungen bauen, dann haben wir bis zur Heim-Olympiade 2026 ein großes Loch.“

Andreas Zingerle mit Tochter Linda und Frau Gertrud. © L. Mahlknecht


Federica Sanfilippo ist nicht mehr im Weltcup-Kader vertreten. Sie hat sich überrascht und auch enttäuscht über diese Entscheidung gezeigt.

„Wir müssen einfach schauen, mit den Jungen zu planen. Irgendwo muss man deshalb auch eine Grenze ziehen. Federica ist jetzt im Sichtungskader. Ich glaube nach wie vor, dass für sie trotzdem alle Türen offen stehen.“


Wie sehen Sie persönlich das heimische Biathlon-Lager im Hinblick auf Olympia 2026 gerüstet?

„Sicherlich liegt noch viel Arbeit vor uns. Eine Dorothea Wierer wird 2026 wohl nicht mehr dabei sein, ein Lukas Hofer ebenfalls nicht. Dominik Windisch wird 36 Jahre alt sein und ist ebenfalls ein Fragezeichen. Die einzige, die sicher dabei sein kann, ist Lisa Vittozzi. Deshalb ist die Stunde der Jungen gekommen: Es gibt einige, die bringen das Potenzial mit. Der Weg ist aber noch lang – auch, weil man bei einer Heim-Olympiade nicht nur dabei sein will, sondern um Medaillen kämpfen möchte.“


Sie werden 2026 ebenfalls nicht mehr dabei sein. Dafür könnte ihre Tochter Linda, die mit ihren 17 Jahren zuletzt immer wieder hat aufhorchen lassen, eine Kandidatin für Olympia in Antholz sein…

„Linda hat ein gutes Potenzial. Ich denke, dass sie sicher weit kommen kann, wenn sie gesund bleibt. Aber wie gesagt: Der Weg ist noch sehr weit. Ob zu Hause häufig über Biathlon gesprochen wird? Eigentlich nicht. Wir versuchen da immer, etwas abzuschalten. Sonst wird’s einfach zu viel (lacht).“


Fragen: Thomas Debelyak

Autor: det

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