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Dorothea Wierer war bei der Weltmeisterschaft nicht vom Glück verfolgt. © AFP / JURE MAKOVEC

Cheftrainer Zingerle: „Wierer ist eben auch nur ein Mensch“

Erstmals seit 2012 sind die heimischen Biathleten von einem Großereignis ohne Edelmetall heimgekehrt. Bei der Weltmeisterschaft auf der slowenischen Hochebene Pokljuka ist die stolze Medaillenserie von Dorothea Wierer & Co. gerissen. SportNews hat mit Cheftrainer Andreas Zingerle darüber gesprochen.

Dorothea Wierers Drama am Schießstand, Lisa Vittozzis rätselhafte Leistungen, Lukas Hofers starke Form und die überraschende Aufstellung ohne Dominik Windisch in der Mixed-Staffel – über all das spricht Andreas Zingerle im Interview mit SportNews.



Andreas Zingerle, eine WM ohne Medaille – sind Sie enttäuscht?

Zingerle: „Enttäuscht kann man glaube ich nicht sagen. Wir waren irgendwie immer dran, doch das gewisse Etwas hat immer gefehlt. Das sind eben Sachen, die in diesem Sport passieren. Man hat schon den ganzen Winter gesehen, dass die anderen das Bisschen besser sind als wir.“


In der Single-Mixed-Staffel sah es lange Zeit nach einer Medaille aus. Doch dann kam es beim letzten Schießen zum Dorothea-Wierer-Drama: Wie erklären Sie sich so etwas?

„Ich glaube, Dorothea hat sich viel Druck gemacht und wollte unbedingt eine Medaille gewinnen. Vielleicht hat sie bis zum Schluss auch zu viel gewollt. Beim letzten Schießen hat sie vier Scheiben getroffen und vor der letzten dann plötzlich abgebremst. Das brachte sie aus dem Konzept, die vielen Fehler waren die Folge. So etwas kennt man von Dorothea nicht, weil man von ihr normalerweise mit super Leistungen auf dem Schießstand verwöhnt wird. Aber da konnte man sehen, dass sie eben auch nur ein Mensch ist.“


Warum tut sich Wierer im Vergleich zu ihren überragenden letzten beiden Saisonen heuer schwerer?

„Möglicherweise, weil sie immer gewinnen will, was auch logisch ist. Wenn es dann nicht so läuft, dann wird der Druck immer größer und sie somit vielleicht immer hastiger.“

Andreas Zingerle, Cheftrainer der Biathleten.



Lukas Hofer ist heuer stark in Form und ein Muster an Konstanz. Es fehlt eigentlich nur noch ein Podestplatz…

„Er hätte es sich verdient, aufs Podest zu kommen. Bisher fehlte aber immer eine Kleinigkeit. Mal ein Fehlschuss, mal eine letzte Runde, auf der er nicht mehr so fit ist. Außerdem ist das Niveau bei den Männern sehr hoch, die Konkurrenz riesig. Da musst du immer 100 Prozent geben. Wenn Lukas eine Strafrunde macht, dann versucht er mit allen Mitteln, das aufzuholen. Deshalb kann es passieren, dass er auf dem Schießstand manchmal ausgepumpt ist. Auch wenn er aus meiner Sicht heuer sehr gut schießt.“
„Bei Lisa Vittozzi rätseln auch wir herum.“
Andreas Zingerle
Zurück zur WM: Die Konstellation der Mixed-Staffel hat für Aufsehen gesorgt. Statt Dominik Windisch startete der junge Didier Bionaz. Welche Überlegung steckte da dahinter?

„Der Grund war, dass die Männer dieses Mal als erstes an der Reihe waren und dann erst die Frauen. Wäre es – so wie in den letzten Jahren – umgekehrt gewesen, wäre Windisch als Schlussläufer an den Start gegangen. So aber haben wir uns entschieden, mit dem jungen Bionaz zu starten. Er war zuletzt gut in Form und hat sich diese Chance verdient gehabt.“


Kommen wir zu Lisa Vittozzi: Seit ihrer überragenden Saison 2018/19 läuft es bei ihr nicht mehr rund. Was steckt da dahinter?

„Da rätseln auch wir herum. Auf dem Schießstand macht Lisa oft die selben Fehler. Wir haben deshalb auch schon die Waffe durchchecken lassen, doch da ist alles in Ordnung. Vielleicht ist es eine mentale Sache: Sie will zu viel und erwartet sich zu viel von sich selbst, dann passieren solche Dinge.“
„Ich hoffe, dass wir noch ein, zwei Podestplätze holen.“
Andreas Zingerle
Vor der Saison war Corona die große Unbekannte. Hatte dies schlussendlich einen Einfluss auf die Weltcupwettkämpfe?

„Zu Beginn war es schon ein bisschen komisch, mittlerweile haben wir uns aber an die strengen Auflagen und Protokolle gewöhnt. Sicher, die ganzen Tests vor und während der Wettkämpfe sind etwas stressig. Aber mit der Zeit hat man sich auch damit arrangiert. Die IBU (der Biathlon-Weltverband, Anm.d.R.) hat also gute Arbeit geleistet.“


Was wünschen Sie sich für die finalen Weltcup-Wettkämpfe?

„Ich hoffe, dass wir noch ein, zwei Podestplätze holen. Die Burschen und Damen können jetzt erst einmal ein paar Tage rasten und die Batterien aufladen. Danach geht’s in Nove Mesto weiter.“


Fragen: Thomas Debelyak

Schlagwörter: Wintersport

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