
Selina Grotian galt lange als Deutschlands größtes Biathlontalent. © APA/afp / TOBIAS SCHWARZ
Deutscher Shootingstar bangt: Zerstört Corona den Olympia-Traum?
Für Selina Grotian wird der Olympia-Traum zum Rennen gegen die Zeit. Als deutsche Hoffnungsträgerin in die Saison gestartet, ist der bisherige Biathlon-Winter für die 21-Jährige eher ein Albtraum.
13. Januar 2026
Von: sn/dpa
Wohl nur noch zwei Chancen hat die Bayerin beim am Mittwoch mit der Frauen-Staffel beginnenden Heim-Weltcup in Ruhpolding, um sich ihren großen Kindheitstraum noch zu erfüllen.
„Der Druck ist schon sehr groß. Ich weiß natürlich, es sind nur noch zwei Rennen. Aber wenn ich mir zu viel Druck mache, funktioniert es nicht“, sagte Grotian. „Ich muss einfach mental locker und von mir überzeugt bleiben, dass ich das noch schaffen kann.“
Der deutsche Sportdirektor Felix Bitterling bekräftige nach dem Abschluss des ersten Heim-Weltcups in Oberhof, dass man in Sachen Olympia-Qualifikation nach Ruhpolding eigentlich „einen Strich ziehen“ wolle.
Einst Hoffnungsträgerin, jetzt Wackelkandidatin
In der Vorsaison war Grotian im Weltcupteam und in der Staffel fester Bestandteil, holte im Dezember 2024 in Le Grand-Bornand mit dem Massenstart ihren ersten Weltcupsieg. Dazu kam ein zweiter Platz im Sprint von Antholz. Auch in diesem Winter war eine weitere Entwicklung des Youngsters fest eingeplant. Ihr klares Ziel: Teil der Olympia-Staffel und eine der vier Gesetzten im Antholz-Kader.„Der Druck ist schon sehr groß“ Selina Grotian
Doch nach einer guten Vorbereitung missglückte der Saisonstart in Östersund mit den Rängen 50 im Einzel und 30 im Sprint völlig. Dann kam Corona, Grotian musste die Weltcups in Hochfilzen sowie Le Grand-Bornand auslassen. Und mitansehen wie nach Julia Tannheimer auch Franziska Preuß, Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz und völlig überraschend Anna Weidel, in der Vorsaison fast nur im zweitklassigen IBU-Cup unterwegs, die Norm – einmal Top acht oder zweimal Top 15 – lösten.
Im Januar 2025 standen Selina Grotian (Zweite, l.) und Franzi Preuß (Dritte, r.) in Antholz noch gemeinsam am Podest. © ANSA / ANDREA SOLERO
„Ich brauche ein paar Rennen, um wieder in meinen Rhythmus zu kommen“, sagte Grotian nach dem Weltcup in Oberhof, wo es auch nur zu Platz 30 im Sprint, einer Strafrunde bei Rang drei mit der Staffel und Rang 23 in der Verfolgung reichte. Vor allem beim Schießen passieren ihr noch zu viele Fehler. Bisher hat sie erst fünf Saisonrennen bestritten.
Verzichtet Deutschland auf Olympia-Startplatz?
Sechs Startplätze hat der Deutsche Skiverband bei den Frauen für Antholz. Ursprünglich hatte Bitterling angekündigt, nur mit fünf Athletinnen nach Südtirol fahren zu wollen. Er begründete dies mit den lediglich vier Startplätzen pro Rennen. Dass eine Sechste zum Einsatz komme, sei relativ unwahrscheinlich.Doch nun ließ der nach der Saison zum Biathlon-Weltverband IBU wechselnde Bitterling anklingen, vom ursprünglichen Plan vielleicht abzuweichen. „Wenn wir sehen, dass es für die eine oder andere in der Saison unglücklich gelaufen und sie richtig stark ist, werden wir sicherlich darüber nachdenken, mit sechs Athletinnen zu fahren oder eine Sechste später dazu zu holen“, sagte er.
Damit könnte ein Hintertürchen für Grotian aufgehen. Wichtig sei, bei Olympia eine Mannschaft zu haben, „wo wir wirklich auf jeder Position für jede Wettkampfart gut besetzt sind“, so der Sportdirektor.
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