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Quentin Fillon Maillet, neuer Olympiasieger im Einzel. © APA/afp / ODD ANDERSEN

Die tragische Story hinter diesem Biathlon-Gold

Quentin Fillon Maillet ist der überragende Biathlet des bisherigen Winters. Mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille im Einzel, der traditionsreichsten Disziplin bei den Skijägern, hat er sich einen Traum erfüllt. Doch im schönsten Moment der Karriere kreisten die Gedanken um die schwierigste Zeit seines Lebens.

Von:
Thomas Debelyak

Dass Quentin Fillon Maillet ein großes Kämpferherz besitzt, tischt er der Biathlon-Welt in diesem Winter quasi wöchentlich auf. Am Dienstag war es nicht anders. Obwohl der Franzose im olympischen Einzel-Bewerb zwei Schuss daneben setzte und dafür zwei Strafminuten aufgebrummt bekam, lief er der Konkurrenz davon und holte sich seinen ersten Olympiasieg. Zum Vergleich: Der zweitplatzierte Anton Smolski, heuer immerhin dreifacher Podestläufer im Weltcup, leistete sich keinen einzigen Fehler, kam aber trotzdem mit knapp 15 Sekunden Rückstand ins Ziel. Ein Beweis, dass Fillon Maillet zurzeit der wohl beste Biathlet der Welt ist.


Dass der 29-Jährige aus der 8000-Seelen-Gemeinde Champagnole im Osten Frankreichs aber auch außerhalb der Loipe Kämpferqualitäten hat, das wird an seiner schwierigen, ja tragischen Geschichte evident. „An wen ich jetzt denke? An all meine Verwandten, besonders an meine Freundin und an meinen verstorbenen Schwiegervater. Vor vier Jahren durchlebten sie sehr schwierige Zeiten und Biathlon trat damals in den Hintergrund“, sagt er nach seinem Olympiasieg.

Zwei Schock-Diagnosen auf einmal
Konkret denkt Fillon Maillet an die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang. Seine langjährige Freundin Lydie litt zu jener Zeit an Krebs und kämpfte um ihr Leben. Im selben Zeitraum ereilte auch Lydies Vater – und somit Fillon Maillets Schwiegerpapa – eine Krebsdiagnose. Lydie konnte diesen schwierigen Kampf gewinnen, ihr Vater starb an den Folgen des Tumors.
„Damals war es so hart für mich.“ Quentin Fillon Maillet

Olympia 2018 war für den französischen Biathleten also aus psychologischer Sicht enorm schwierig zu bewältigen. Seine Platzierungen (29. im Massenstart, 44. in der Verfolgung, 48. im Sprint) legen davon ein klares Zeugnis ab. „Damals war es so hart für mich“, erinnert sich Fillon Maillet, der nun – vier Jahre später – seine Genugtuung bekommt. „Ich träumte von Olympischen Spielen wie diesen.“
Der überragende Biathlet
Um sich diesen Traum zu erfüllen, hat der Sohn einer wintersportverrückten Familie in den letzten Jahren enorm hart gearbeitet. Lange Zeit stand er jedoch im Schatten der französischen Biathlon-Legende Martin Fourcade. Als der Superstar im Frühjahr 2020 zurücktrat, lieferten sich in der Folgesaison die beiden Norweger Johannes Thingnes Bø und Sturla Holm Lægreid einen Zweikampf um den Gesamtweltcup, bis der Knoten bei Fillon Maillet heuer förmlich explodiert ist. Dank seiner insgesamt fünf Saisonsiege liegt er an der Spitze der Gesamtwertung, wo er mehr als 130 Punkte Vorsprung auf seine Verfolger hat. Anders ausgedrückt sind das zwei Rennsiege, denn pro Triumph gibt's 60 Zähler.

Quentin Fillon Maillet wird von seinem Team gefeiert. © APA/afp / ODD ANDERSEN


Bei Olympia folgt nun das nächste Märchen. Nach Silber mit der Mixed-Staffel lief Quentin Fillon Maillet am Dienstag im Einzel zu Gold. Seine Gedanken waren danach bei seiner Freundin. „Bevor ich ging, sagte sie zu mir: 'Versuche für mich und für meinen Vater zu gewinnen'. Nun ist es geschafft.“

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