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Darya Domracheva (links) und Ole Einar Bjørndalen trainieren seit 3 Jahren das chinesische Biathlon-Team. © APA / BARBARA GINDL

Die umstrittene Olympia-Mission zweier Biathlon-Legenden

Wenn es sein muss, läuft Ole Einar Bjørndalen auch einen Halbmarathon im Hotelzimmer.

So geschehen während der dreiwöchigen Corona-Quarantäne des besten Biathleten der Geschichte im Frühjahr 2021 in China. Für ein Trainingslager waren der Norweger und seine Ehefrau Darya Domracheva gekommen, um bei ihrer heiklen Olympia-Mission Fortschritte zu machen. Auch sie mussten sich wie jeder Einreisende zunächst lange isolieren, ehe sie ihre umstrittene Aufbauarbeit als Trainergespann fortsetzen konnten. Auf zehn mal zehn Metern eine besondere Herausforderung für die Bewegungsjunkies.


„Unser Ziel ist es vor allem, die Athleten so weit wie möglich zu entwickeln. Wenn alles gut läuft, wenn wir Medaillen holen können, wäre das großartig“, sagte Björndalen in einem Interview auf der Olympia-Homepage. Edelmetall dürfte für die Chinesen bei den Heimspielen von Peking (4. bis 20. Februar) ein Traum bleiben. Weit sind sie von der Spitze entfernt und dürften bei den Wettkämpfen in Zhangjiakou höchstens für eine kleine Nebenrolle gut sein.

3 Jahre Aufbauarbeit in China
Als Bjørndalen (48) und die Belarussin Domracheva (35) im Herbst 2019 die Verantwortung für die Chinesen übernahmen, war das Staunen in der Szene groß. „Sie haben sich in ein Haifischbecken begeben. Da hätten sie anderen Teams mehr Nutzen bringen können“, sagte auch ARD-Expertin Kati Wilhelm jüngst. Doch das berühmteste Biathlon-Paar entschied sich sicher auch nicht zuletzt wegen der angeblich sehr fürstlichen Entlohnung für das kräftezehrende Projekt in Asien.

Björndalen und Domracheva, die Eltern von Tochter Xenia sind, bringen es zusammen auf stolze zehn Olympiasiege, 22 WM-Titel und sieben Gesamtweltcuperfolge. Kaum jemand weiß besser, wie man sich auf einen Höhepunkt vorbereitet, sich schindet und dem Erfolg alles unterordnet. Den „Kannibalen“ nannte man Bjørndalen vor seinem Rücktritt im Frühjahr 2018, weil er einfach immer gewinnen wollte, sich nie zufrieden gab und seine Gegner so zermürbte.
Bis jetzt keine Erfolge
All das ihren Schützlingen zu vermitteln, ist aber eine Aufgabe, die schwer umzusetzen ist, wie Cheftrainer Bjørndalen und die für die Frauen verantwortliche Domracheva feststellen mussten. Nur mit mehreren Dolmetschern ist die Verständigung mit den Sportlern gut möglich. Trainiert wurde in den vergangenen Jahren nicht nur in China, sondern auch in Bjørndalens norwegischer Heimat oder den Alpen. Mit mäßigem Erfolg. Wer die Gesamtweltcup-Liste durchforstet, der findet die 22-jährige Yuanmeng Chu als beste Frau auf Platz 60 und bei den Männern auf Rang 64 Fangming Cheng. Eben jener schaffte als Zwölfter im Sprint von Oberhof in der Olympia-Saison das beste Resultat.
„Wir glauben beide, dass es möglich ist, gute Ergebnisse zu erzielen.“ Darya Domracheva, Trainerin des chinesischen Damen-Teams

„Biathlon ist ein sehr unberechenbarer Sport. Man braucht ein hohes Maß an Vertrauen in den Moment, aber wir glauben beide, dass es möglich ist, gute Ergebnisse zu erzielen“, sagte Domracheva, die wie ihr Ehemann 2018 zurücktrat. Sie wurde in Pyeongchang noch Olympiasiegerin mit der Staffel, Bjørndalen war damals Teil des Trainerteams von Belarus, weil er sich selbst im starken norwegischen Team nicht mehr qualifizieren konnte. Zum achten Mal nacheinander ist der 20-malige Weltmeister nun bei Olympia dabei. Allerdings in einer Funktion, die in seiner skandinavischen Heimat kritisch gesehen wird.
Bjørndalen bekommt Kritik aus seiner Heimat
„Wenn du ein wichtiges Amt in einem totalitären Staat übernimmst, musst du dir deiner Entscheidung bewusst sein. Unsere Aufgabe ist es, zu erzählen, wie schlimm die Menschenrechtslage in China ist“, sagte John Peder Egenæs, der Chef von Amnesty International Norwegen, der Zeitung „Verdens Gang“. Der einstige Ausnahmeathlet werde nur für die Zwecke Chinas benutzt, heißt es von Amnesty. Bjørndalen weist diese Vorwürfe von sich: „Ich konzentriere mich auf die Athleten und mache keine Gespräche über Propaganda mit irgendeinem Führer.“
„Ich mache keine Gespräche über Propaganda mit irgendeinem Führer.“ Ole Einar Bjørndalen wehrt sich gegen die Kritik

Die Menschenrechtsorganisation sieht Bjørndalen trotzdem vor allem als eine Art Marionette. „Es ist vielleicht nicht der größte Sport, aber ihn ins Team zu bekommen, bedeutet Prestige, das für viel Ansehen sorgt“, sagte Egenæs. Der Rekord-Olympiasieger lässt sich darauf nicht ein und erklärte sein Engagement ganz freundlich lieber so: „Natürlich nutzen wir gerne die Chance und helfen unserem Lieblingssport, sich weltweit zu entwickeln, in Ländern, in denen Biathlon und alle Wintersportarten ein enormes Potenzial haben.“

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Kommentare (1)

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Hermann Zanier [melden]

Die Kritik an den Trainern ist ungerechtfertigt. Da dürfte auch viel Neid und Egoismus dabei sein. Das ist etwa das gleiche wie wenn die USA aus Nächstenliebe ihr Erdgas an Europa verkaufen wollen.

28.01.2022 17:40

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