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Tara Geraghty-Moats hat einen kuriosen Werdegang hinter sich. © AFP / JEFF PACHOUD

Die verrückte Geschichte hinter diesem Biathlon-Debüt

Wenn am Mittwoch die Biathlon-Damen in Kontiolahti ihr erstes Weltcuprennen der Saison bestreiten, dann wird auch eine Athletin mit dabei sein, deren Karriere die außergewöhnlichste des gesamten Feldes ist.

Tara Geraghty-Moats wird in der Bärenbucht, wie Kontiolahti wörtlich übersetzt heißt, ihr Weltcupdebüt feiern – und zwar im ungewöhnlich hohen Alter von 29 Jahren. Doch es ist nicht dieser Fakt, der für Aufsehen sorgt. Vielmehr ist es die Laufbahn der US-Amerikanerin, die verblüfft. Und die es in der Biathlon-Welt, ja wahrscheinlich in der gesamten Sportwelt, so nicht zweimal gibt.


Geraghty-Moats wird am Mittwoch um 13.15 Uhr nämlich ihr insgesamt drittes Weltcupdebüt geben, denn in ihrem Leben startete sie schon in den Königsklassen des Skispringens und der Nordischen Kombination. In der letztgenannten Disziplin holte sie sich sogar den ersten historischen Gesamtweltcup. Doch wie landet so eine Sportlerin im Biathlon?

Von allem ein bisschen

Geraghty-Moats kommt im Jahr 1993 zur Welt. Sie wächst im 600-Seelen-Ort West Fairlee auf, einer Wintersportregion fünf Autostunden nördlich von New York City. Schon im Kindheitsalter ist ihre Leidenschaft für den Sport, insbesondere für die Wintertätigkeiten, sehr ausgeprägt. Die US-Dame beginnt früh mit Skispringen und Langlaufen, wobei ihr vor allem erstgenannte Disziplin besonderen Spaß macht. Doch 2010 verletzt sich Geraghty-Moats bei einem Sprung so schwer, dass die Ärzte sagen: „Mit dem Skispringen wird das nichts mehr.“

Geraghty-Moats ist eine begnadete Skispringerin. © AFP / JOE KLAMAR


Die damals 17-Jährige lässt sich dadurch nicht unterkriegen und schlägt einen neuen Weg ein. Weil sie auf den Langlaufskiern immer relativ gut unterwegs war, versuchte sie sich im Biathlon. 2011 wird sie für die Jugendweltmeisterschaften in Nove Mesto einberufen, wo der Stern einer gewissen Dorothea Wierer aufgegangen ist. Um ihre Biathlon-Karriere zu forcieren, zog Geraghty-Moats sogar nach Schweden. Doch wieder einmal kam alles anders.
„Ich sagte ihm, er sei verrückt.“ Tara Geraghty-Moats

2014 trainierte sie mit der US-Mannschaft in Lake Placid, da wurde sie von einem Kollegen aus Jux zur nationalen Skisprung-Meisterschaft eingeschrieben, die zufälligerweise zu jener Zeit in jener Lokalität über die Bühne ging. „Seit meiner Verletzung habe ich nie mehr trainiert. Ich sagte meinem Kollegen, er sei verrückt, habe es aber doch probiert und bin auf Anhieb Fünfte geworden. Da entschied ich, mich wieder aufs Skispringen zu konzentrieren“, wird sie in einem Bericht von Fondo Italia zitiert.

Plötzlich war sie Kombiniererin

Geraghty-Moats benötigt nur wenige Monate, um sich für das Weltcupteam zu empfehlen und feierte im Dezember 2014 ihr Debüt. Bereits nach wenigen Wettkämpfen sprang sie in die Top 10 und wurde in Rasnov Neunte. Nach und nach kam aber Sand ins Getriebe und so konnte sich Geraghty-Moats nicht für Olympia 2018 qualifizieren. Da kam es gerade recht, dass die FIS eine neue Disziplin in den Weltcupkalender aufnahm: Die Nordische Kombination für die Damen, die Skispringen und Langlaufen vereint – zwei Disziplinen, die dem US-Girl sehr liegen. Sie wechselte also erneut Sportart und gewann auf Anhieb die Gesamtwertung.

Gewann die Gesamtwertung bei den Kombiniererinnen: Tara Geraghty-Moats. © APA / GEORG HOCHMUTH


Allerdings steht die Zukunft der Nordischen Kombination auf wackeligen Beinen, vor allem der Damen-Wettbewerb. Bei den Olympischen Spielen 2022 durften die Frauen nicht mitmachen, 2026 wird das genau so der Fall sein. Sehr zur Verärgerung von Tara Geraghty-Moats, die sich im Frühjahr 2021 zu einem neuerlichen Wechsel der Sportart entschied. Sie ließ die „NoKo“ also hinter sich und wollte im Biathlon wieder durchstarten. Mit Erfolg, denn nachdem sie im Vorjahr vorwiegend im IBU-Cup an den Start gegangen war, bekommt sie nun in Kontiolahti die Chance im Weltcup.

Eine kuriose, ja fast schon abenteuerliche Karriere also, die diese Tara Geraghty-Moats hinter sich hat. Und wer weiß, was die US-Amerikanerin für die Zukunft noch alles plant.

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