
Dorothea Wierer bestreitet am Samstag das letzte Rennen ihrer Karriere. © APA/afp / FRANCK FIFE
Ein allerletztes Mal Doro Wierer
Am Samstagnachmittag sind die Scheinwerfer in der Südtirol Arena ein letztes Mal auf Dorothea Wierer gerichtet. Im olympischen Massenstart feiert der Biathlon-Superstar seinen Abschied und fügt einer Karriere, die ihresgleichen sucht, ein finales Kapitel hinzu.
21. Februar 2026
Von: nie
12,5 Kilometer, 20 Schüsse – und dann ist alles vorbei. Wenn um 14.15 Uhr in Antholz der Startschuss für den Massenstart der Damen (live im SportNews-Ticker) fällt, ist dies nicht nur der Abschluss der olympischen Wettkämpfe auf Südtiroler Boden. Vielmehr nimmt mit Dorothea Wierer eine Sportlerin Abschied von jener Bühne, die sie für knapp zwei Jahrzehnte geprägt. Für eine der erfolgreichsten und ikonischsten Athletinnen der Südtiroler Sportgeschichte schließt sich im eigenen Wohnzimmer ein beispielloser Kreis.
Als drittes von fünf Kindern wuchs Wierer im Antholzer Tal auf. Selbstverständlich wurde sie in der Wiege des Biathlons früh mit dem „Virus“, der ihr Leben maßgeblich beeinflussen sollte, infiziert. Im Alter von zehn Jahren versuchte sie sich erstmals als Skijägerin. Die Langlaufskier wollte sie seitdem nicht mehr hergeben und mit einer ordentlichen Portion Talent bahnte sie sich ihren Weg an die Spitze.
Wierer: „Nie gedacht, dass ich so weit komme“
Im Nachwuchs machte die Südtirolerin früh auf sich aufmerksam. Über den Italiencup führte ihr Weg 2006/07 in den Junioren-Europacup. Bei den Jugendweltmeisterschaften in Martell überzeugte sie mit Rang 10 im Einzel sowie starken Resultaten in Sprint (16.) und Verfolgung (14.). Ein Jahr später folgte in Ruhpolding der erste große Titel: Mit 17 krönte sie sich im Einzel zur Jugendweltmeisterin.Dorothea Wierer und Lukas Hofer im Jahr 2008. © "D"
Wenig später wurde in Antholz die WM der „Großen“ eröffnet – Wierer war noch Zuschauerin. „Ich habe unzählige Fotos mit den Stars gemacht“, erinnerte sie sich im Interview mit der Gazzetta dello Sport. Dass sie selbst einmal auf dieser Bühne glänzen würde, schien damals nicht selbstverständlich. „Als Kind hätte ich nie gedacht, dass ich so weit komme. Eigentlich wollte ich gar keine Profisportlerin werden. Ich habe alles andere gemacht, hatte einfach Spaß und ging auch gerne feiern.“ Genau das hat den Superstar schon immer ausgemacht: Ihr Herz trug Wierer auf der Zunge, verstellt hat sich die „ehrliche Haut“ selbst im Rampenlicht nicht – und blieb sich selbst treu.
Mit den Erfolgen wuchs der Ehrgeiz
Am 9. Jänner 2009 debütierte sie in Oberhof im Weltcup, Rang 69 im Sprint. Die neue Welt forderte Umstellung: „Wenn man Profi ist, sollte man nur an Training, Ernährung und Schlaf denken. Aber ich war nie so“, gestand sie. „In meinen ersten Jahren im Weltcup habe ich, sobald ich daheim war, nichts getan. Ich habe nicht trainiert. Einfach gesagt: Ich war faul und wollte lieber mit meinen Freundinnen in die Disco bis drei oder vier Uhr morgens.“ Mit den Erfolgen wuchs aber der Ehrgeiz.Am Samstag geht die Karriere von Dorothea Wierer zu Ende. © AFP / ODD ANDERSEN
Zwischen 2009 und 2011 gewann sie vier weitere Junioren-WM-Goldmedaillen und arbeitete sich über IBU-Cup und Weltcup nach oben. 2013 folgte bei der WM in Nove Mesto mit Bronze in der Staffel die erste Medaille bei den „Großen“. 2014 auf der Pokljuka stand sie erstmals allein auf einem Weltcup-Podest – wenige Wochen nach Olympia-Bronze in der Mixed-Staffel von Sotschi. „Danach habe ich ernsthaft angefangen zu trainieren“, nannte sie es später einen mentalen Wendepunkt.
Wierer: „Antholz ist für mich Zuhause“
Der Durchbruch kam 2014/15, ein Jahr später der erste Weltcupsieg in Östersund – und das Gelbe Trikot. Am Saisonende gewann sie die kleine Kristallkugel im Einzel. 2019 erfüllte sie sich den größten Traum: In einem emotionalen Duell mit Lisa Vittozzi, die am Samstag ebenso im Massenstart dabei sein wird, sicherte sie sich den Gesamtweltcup und verteidigte ihn im Jahr darauf. Die Heim-WM 2020 in Antholz wurde zum Höhepunkt: Gold in Verfolgung und Einzel, dazu zweimal Silber – der Kreis schien geschlossen.Dorothea Wierer jubelt bei der Heim-WM.
Und doch blieb sie länger, als sie selbst je gedacht hatte. Ihr Abschied führte sie dorthin zurück, wo alles begann – und ein letztes Mal auf die größtmögliche Bühne. Weltcup, WM und Winterspiele vor der eigenen Haustür können nur ganz wenige Athleten in ihrer Laufbahn bestreiten. „Antholz ist für mich Zuhause“, so Wierer. „Die letzten Rennen meiner Karriere sind dort, wo ich aufgewachsen bin, vor meinen Leuten. Besser hätte ich nicht aufhören können.“
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