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Wie im Sommer, so im Winter: Lisa Vittozzi setzt auf Alex Inderst an ihrer Seite. © privat

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Wie im Sommer, so im Winter: Lisa Vittozzi setzt auf Alex Inderst an ihrer Seite. © privat

Er machte sie zur Gold-Lisa: Der Mann hinter Vittozzi

Kein anderer hat so großen Anteil an Lisa Vittozzis Olympiasieg wie er, und dennoch war er am Sonntag nicht in Antholz dabei, als die Azzurra Wintersportgeschichte schrieb. Alex Inderst genoss den Moment zuhause auf der Couch.

Aus Antholz

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Der Name Alex Inderst zirkulierte am späten Sonntagnachmittag im Antholzer Olympia-Arena so häufig wie kein anderer. Die frischgebackene Verfolgungs-Olympiasiegerin Lisa Vittozzi hatte ihn in Umlauf gebracht, als sie ihn vor versammelter Journalistenrunde erwähnte und dann völlig enthemmt in Tränen ausbrach.


Auf SportNews-Nachfrage sagte sie nur, sie sei diesem Alex Inderst zu unendlichem Dank verpflichtet, er sei eine der wichtigsten Personen in ihrem Leben und da gebe es noch „eine offene Wette mit ihm, die jetzt beglichen werden muss.“ Danach brach sie das Interview schluchzend ab. Zurück blieb eine Schar an rätselnden Reportern, die sich allesamt fragten: Was hat dieser Alex Inderst gemacht?

Vom Jugendtrainer zum Ersatzvater

Die Antwort lautet: Er hat Vittozzi zur Olympiasiegerin gemacht. Denn Inderst ist ihr persönlicher Trainer, Förderer und Mentor zugleich. Er kennt sie seit fast zwei Jahrzehnten, hat sie im Nachwuchs trainiert, später in die Nationalmannschaft geholt, 2024 mit ihr den Gesamtweltcup gewonnen und ihr schließlich im vergangenen Jahr zur Rückkehr auf die große Bühne geholfen. „Sie vertraut mir“, sagt er.

Lisa Vittozzi gewann am Sonntag Olympia-Gold im Verfolgungsrennen. © ANSA / PIERRE TEYSSOT

Lisa Vittozzi gewann am Sonntag Olympia-Gold im Verfolgungsrennen. © ANSA / PIERRE TEYSSOT


Inderst stammt aus Ridnaun, ist 48 Jahre alt, Familienvater und mit der ehemaligen Biathletin Karin Oberhofer verheiratet. Früher war er selbst Biathlet, mittlerweile ist er einer der erfahrensten Trainer auf der internationalen Bühne. Es war Vittozzis Wunsch, mit ihm am Comeback zu arbeiten. Sie hat ihn auserwählt. Nachdem die Ausnahmeathletin aus dem Friaul nach dem Gesamtweltcup-Gewinn wegen Rückenschmerzen eine komplette Saison ausfiel, wurde ihr ein persönliches, zweiköpfiges Trainerteam zur Seite gestellt: Edoardo Mezzaro und eben Inderst.
„Es war das schwierigste Jahr seitdem ich im Biathlon bin“ Alex Inderst

Mezzaro sagte am Sonntag nach Vittozzis Gold-Gewinn: „Er hat den größten Anteil am Erfolg.“ Da Inderst nicht offiziell in Italiens Trainerteam aufscheint, ist er bei Olympia nicht für den Coachingbereich akkreditiert. „Ich habe gleich nach dem Rennen mit Lisa telefoniert. Wir konnten aber gar nicht richtig sprechen, weil wir beide so sehr von den Emotionen überrollt wurden“, verriet Inderst am Tag danach im Telefongespräch mit SportNews.

Alex Inderst und Edoardo Mezzaro (r.) sind ein eingespieltes Tandem.

Alex Inderst und Edoardo Mezzaro (r.) sind ein eingespieltes Tandem.


Das Trio, also Vittozzi, Inderst und Mezzaro, haben die letzten Monate zusammen viel gekämpft, gesprochen, gelitten und gehofft. „Es war das schwierigste Jahr seitdem ich im Biathlon bin“, verriet Inderst. Mezzaro ist der Schießtrainer, die gute Seele im Team, der Kumpeltyp. „Ich bin eher der ruhige, autoritäre Planer im Hintergrund, der die Trainingssteuerung und das gesamte Organisatorische übernimmt. Und irgendwie der Vatertyp“, so Inderst.

Die rätselhafte Piercing-Wette

Die heute 31-jährige Vittozzi wuchs in zerrütteten Familienverhältnissen auf, verlor vor wenigen Jahren ihre Großeltern, die wichtige Bezugspersonen waren. „Lisa hat einen Siegeswillen, wie ich ihn zuvor noch nie gesehen habe. Gleichzeitig ist sie eine Person, die sich gerne zurückzieht und Halt in ihrem Umfeld sucht“, schildert ihr Südtiroler Trainer. In ihm hat sie diesen Halt gefunden, besonders im vergangenen Jahr, als sie die vielen körperlichen Rückschläge auch mental aus der Bahn warfen. „Wir waren auch schon mal kurz davor, hinzuschmeißen“, so Inderst.

Doch glücklicherweise haben weder Vittozzi, noch ihre beiden Trainer tatsächlich hingeschmissen. Sie haben die Kurve bekommen, vielmehr noch: Vittozzi ist zurück auf dem Biathlonthron – und Italiens erste Olympiasiegerin in dieser Sportart. Apropos, was hat es mit der Wette auf sich, von der die Goldmedaillengewinnerin im Ziel sprach? „Das bleibt unser Geheimnis. Ich sage nur so viel: Es geht um ein Piercing“, lachte Inderst am Ende unseres Telefongesprächs.

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