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Dorothea Wierer hat einen Schlussstrich unter ihre Karriere gezogen. © APA/afp / FRANCK FIFE

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Dorothea Wierer hat einen Schlussstrich unter ihre Karriere gezogen. © APA/afp / FRANCK FIFE

„Eure Liebe ist schöner als jede Medaille“

Ein letztes Mal tosender Applaus, ein letztes Mal Adrenalin pur, ein letztes Mal dieses geliebte Rennfeeling: Dorothea Wierer ist am Wochenende zum Abschluss der Olympischen Spiele daheim in Antholz von der großen Biathlonbühne geklettert.

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Im letzten Rennen ihrer Karriere, dem Massenstart über 12,5 Kilometer, hat die 36-jährige Pustererin nochmal ihre Klasse bewiesen, eine Show abgeliefert. Am Ende wurde sie im Ziel gefeiert.


Rund18.000 Fans jubelten ihr zu, Teamkolleginnen, Biathletinnen anderer Nationen, Familie und Freunde ließen sie hochleben. Im Anschluss sprach Dorothea Wierer mit SportNews über...

…den emotionalen Abschied in Antholz: „Ich habe mich seit langem auf diesen Tag gefreut, doch er hat die Erwartungen nochmal übertroffen. Ich bin überglücklich, dass meine ganze Familie, meine Freunde und so viele Fans hier waren, das hat alles so besonders gemacht. Es war der perfekte Abschluss!“

…die Unterstützung von ihrem Ehemann Stefano und ihrer Familie: „Sie hatten es mit mir in all den Jahren nicht einfach. Damit die sportliche Performance passt, muss auch das Umfeld stimmen. Deshalb standen ich, meine Gesundheit, meine Leistungen im Mittelpunkt, andere mussten da häufig hinten anstehen. Ich konnte mich dabei immer auf die Hilfe meiner Famiile verlassen. Jetzt ist es an der Zeit, auch etwas zurückzugeben.“

„Ich werde jetzt Dinge machen, die ich lange nicht machen konnte.“ Dorothea Wierer

…den fünften Platz im letzten Rennen: „Das war ein gutes, passendes Ergebnis. Mir war wichtig, keine blöde Figur zu machen und mit einer anständigen Leistung abzuschließen. Das ist mir gelungen. Zwischenzeitlich lag ich sogar in Führung, da habe ich mir gedacht: Genieß das jetzt, das ist das letzte Mal.“

…den Zeitpunkt ihres Abschieds: „Ich hatte mir viele Gedanken über den passenden Moment gemacht. Jetzt, wo ich sehe, dass so viele Freunde, Bekannte und Fans dabei sein konnten, muss ich sagen: Das hat so gepasst. Es ist das perfekte Ende einer langen Reise.“

Teamkolleginnen, Trainer und Betreuer ließen Dorothea Wierer hochleben. © APA/afp / ODD ANDERSEN

Teamkolleginnen, Trainer und Betreuer ließen Dorothea Wierer hochleben. © APA/afp / ODD ANDERSEN


…über Antholz und das Biathlon: „Hier hat für mich alles begonnen, hier hat sich jetzt der Kreis geschlossen. Im schönsten Biathlonstadion der Welt, vor den besten Fans der Welt Siege feiern zu dürfen, so viele schöne Momente erleben zu dürfen – das war fantastisch. Das Antholzer Biathlonzentrum ist und bleibt meine Heimat.“

…über ihren wichtigsten Sieg: „Da gab es einige. Es ist schön Medaillen, Siege und Podiumsplätze zu feiern, für mich zählt aber eines noch viel mehr: die Anerkennung, die Wertschätzung, die mir so viele Menschen im Laufe meiner Karriere entgegengebracht haben. Ich konnte im Biathlon so viele tolle Menschen kennen lernen, mit vielen bin ich heute eng befreundet. Das sind meine persönlichen Highlights.“
„Es gibt da ein paar interessante Jobangebote aus der Sportwelt“ Dorothea Wierer

…ihr schlimmstes Rennen: „Da gab es gar einige (lacht). Im Biathlon braucht es manchmal nur einen Fehler am Schießstand und ein ganzes Rennen ist dahin – wie hier in Antholz bei der Staffel. Wenn ich ein Rennen aussuchen muss, dann war es aber das Einzelrennen zum Olympia-Auftakt. Der fünfte Platz war ja in Ordnung, doch es wäre so viel mehr drin gewesen. Es war ein konstanter Kampf mit mir, meinem Körper, dem Material. Einfach furchtbar.“

…die Entwicklung im Biathlonsport in den vergangenen zwei Jahrzehnten: „Die ist wirklich krass. Es ist alles viel professioneller geworden – und leider auch ein bisschen ernster. Früher war der Kontakt, der Austausch unter Athleten viel enger. Wir waren eine Gemeinschaft. Heute sind alle viel fokussierter, mehr auf die eigene Leistung bedacht. Aber man kann es niemanden verübeln, geht es doch mehr denn je um Ergebnisse, Siege und Medaillen.“

Dorothea Wierer hat den Biathlonsport über ein Jahrzehnt lang geprägt. © APA/afp / FRANCOIS-XAVIER MARIT

Dorothea Wierer hat den Biathlonsport über ein Jahrzehnt lang geprägt. © APA/afp / FRANCOIS-XAVIER MARIT


…ein Wiedersehen im Biathlon: „Das wird es sicherlich geben. Ich wurde zum Weltcup nach Oslo im März eingeladen, dort will man eine Feier für mich organisieren. Mal sehen, ob das klappt. Mit Sicherheit werde ich mir aber in Zukunft das ein oder andere Rennen anschauen.“

…Jobangebote: Die gibt es, in der Tat. „Mir wurden ein paar Vorschläge unterbreitet, die durchaus auch sehr interessant sind – jetzt nicht direkt im Biathlon, aber immer in der Sportwelt. Diesbezüglich wird es demnächst Gespräche geben, aber noch habe ich keinen Entschluss gefasst.“

…eine zukünftige Aufgabe in der Biathlonwelt: „Die sehe ich aktuell nicht. Natürlich werde ich diesem Sport in der einen oder anderen Weise verbunden bleiben. Viele Möglichkeiten gibt es aber nicht. Das ist eine von Männern dominierte Szene, oder wie viele Trainerinnen, Betreuerinnen oder Funktionärinnen kennen sie? Vielleicht ändert sich in Zukunft in dieser Hinsicht ja etwas, im Augenblick sehe ich mich aber nicht in einer dieser Rollen.“

…die Zeit nach der Karriere: „Da ist noch gar nichts geplant. Ich werde eine Auszeit genießen, in den Urlaub fahren. Dinge machen, die ich zuletzt nicht machen konnte. Danach werden wir sehen, was die Zeit bringt.“

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